Home Praxis Nach Strafbefehl Wilderer auch privatrechtlich belangt

Nach Strafbefehl Wilderer auch privatrechtlich belangt

Die Trophäe des sehr gut veranlagten zweiten Rehbocks, der mit zwei Kleinkaliberschüssen verletzt worden war. Foto: Josef Schneebauer © Schneebauer Josef

Erst hat es ewig gedauert, dann ging es plötzlich ganz schnell: Ein bayerisches Wilderer-Duo, das im Sommer 2007 in Österreich auf frischer Tat ertappt worden war, muss nicht vor Gericht. Die beiden - Vater und Sohn - akzeptierten einen Strafbefehl (ergangen am 29.12.2008, Aktenzeichen 205 JS 9350/07). Somit wurde das Verfahren wegen Wilderei und Verstoß gegen das Waffengesetz mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung - die in der Regel auch mit einer Geldauflage verbunden ist - zu Ende gebracht.
Eine öffentliche Verhandlung und die Bekanntgabe des genauen Strafmaßes bleibt Josef N. senior und seinem gleichnamigen Junior damit erspart. Was ihnen nicht erspart bleibt, sind hingegen die weiteren Konsequenzen aus dem Urteil - denn juristisch gesehen ist der angenommene Strafbefehl nichts anderes als eine Verurteilung. Ihre Jagdscheine sind sie dadurch auch los. Womit die Verletzung fremden Jagdrechts auch in dieser Hinsicht nicht ungesühnt bleibt. Für die Durchführung der sich aus der Verurteilung ergebenden Sanktionen sind zwei verschiedene Landratsämter zuständig, da die Täter in verschiedenen Landkreisen ansässig sind.
Vom Landratsamt in Freyung war zu erfahren, dass der Senior nach Aufklärung über die Rechtslage und Aufforderung durch das Landratsamt seine Waffen bereits im November 2007 freiwillig einem Berechtigten überlassen habe. Sein Jagdschein und seine Waffenbesitzkarte befinden sich beim Landratsamt. Zu einer möglichen Wiedererlangung äußerte sich ein Behördensprecher wie folgt: „Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von unter einem Jahr bedeutet, dass der Betreffende für die Dauer von fünf Jahren ab Rechtskraft der Verurteilung als unzuverlässig gilt. Waffen- und jagdrechtliche Erlaubnisse können deshalb vor Ablauf dieser Frist grundsätzlich nicht wieder erteilt werden.“
Für den jüngeren der beiden Wilderer gilt im Prinzip das Gleiche, wie der Sprecher des für ihn zuständigen Landratsamts in Passau auf Anfrage mitteilte. Auch er darf frühestens mit dem Ablauf des Jahres 2013 damit rechnen, eine Chance auf die neuerliche Erteilung eines Jagdscheins und einer Waffenbesitzkarte zu haben.
Wenngleich die Dauer des Verfahrens damit zu Lasten der Wilderer geht, stellt sich doch die Frage, warum die Klärung des Falls über ein Jahr beanspruchte und die Angelegenheit danach fast „lautlos“ abgewickelt wurde. Oberstaatsanwalt Joachim Peuker von der zuständigen Staatsanwaltschaft Passau nahm dazu auf Anfrage der PIRSCH Stellung. Die Dauer des Verfahrens erklärt er damit, dass ein waffentechnisches Gutachten, das beim Landeskriminalamt angefordert worden war, auf sich warten ließ. Die Beendigung des Verfahrens ohne öffentliche Gerichtsverhandlung erachtet der Jurist als nicht ungewöhnlich. Wenn die Beschuldigten - wie hier geschehen - ihre Strafe akzeptieren und deren Strafregister keine „Vorbelastung“ aufweise, sei dies ein ganz normaler Vorgang.Vorbestraft sind die beiden damit trotzdem und der Zusatz „auf Bewährung“ kann bei neuerlichen Straftaten aufgehoben werden.

Zivilrechtliches Vorgehen hatte Erfolg<p>

Trugen wesentlich zur Verhaftung der Täter bei (v.l.): Josef Schneebauer und Franz Wolkerstorfer mit DD-Hündin „Undra“. Foto: Josef Schneebauer © Schneebauer Josef

Trugen wesentlich zur Verhaftung der Täter bei (v.l.): Josef Schneebauer und Franz Wolkerstorfer mit DD-Hündin „Undra“. Foto: Josef Schneebauer

Ganz so einfach wollte der geschädigte Jagdpächter Josef Schneebauer die beiden dann doch nicht davonkommen lassen. Abgesehen davon, dass sich der österreichische Jäger sehr über die bayerischen Behörden wundert, die das Verfahren beendeten, ohne dass der Geschädigte dazu Stellung nehmen konnte oder wenigstens über den Abschluss und die verhängten Auflagen informiert wurde: Durch die stillschweigende Beendigung des Verfahrens ist keine abschreckende Wirkung für anderer Wilderer gegeben.
Josef Schneebauer hat daher selbst die Initiative ergriffen und dem als Haupttäter geltenden Senior des Wildererduos über einen Rechtsanwalt unter Androhung einer Klage eine Schadensersatzforderung über 900 Euro zustellen lassen. Grundlage dafür war eine Auflistung des Öberösterreichischen Landesjagdverbandes, der den Wiederbeschaffungswert des gewilderten Rehbocks in dieser Höhe bezifferte.
Der Rechtsbeistand des Wilderers lehnte dies zunächst ab. Sein Mandant sei allenfalls bereit, für die beiden gewilderten Böcke jeweils 250 Euro zu zahlen. Dreiste Begründung des Wilderers: Da die von ihm gewilderten Rehböcke zwar kapital veranlagt, aber zu jung gewesen seien, wäre der Jagdwert nicht so hoch anzusetzt.
Im Nachbarrevier von Josef Schneebauer kam er mit dieser Frechheit sogar durch! Dort zahlte er nur 250 Euro. Anders Jedoch im Revier St. Florian: Nachdem ihm Schneebauer über seinen Rechtsanwalt die zivilrechtliche Klageerhebung angekündigt hatte knickte der Wilderer ein und überwies die geforderte Summe von 900 Euro. JMB