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Spielend leicht zum Ziel

Der ältere und dominante Beagle beansprucht „sein“ Spielzeug. Er entscheidet, ob und wann die junge Bracke damit spielen darf. (Foto: A. Schmitt)


Welpen genießen in einem Wolfsrudel bis zu einem Alter von zirka acht Wochen absolute Narrenfreiheit; noch ungestraft wird spielerisch um Futter gerauft. Jäger sind in wilden Verfolgungsjagden plötzlich die Gejagten, die sich gekonnt verteidigen oder einfach nur flink entkommen müssen. Angriffe werden geübt und kurze Scheingefechte ausgetragen.
Für eine intakte Entwicklung unserer Hunde sind solche Erfahrungen in der Welpenzeit ebenfalls unentbehrlich. Im Spiel lernen sie ihre Umwelt kennen, lernen aus ­guten und schlechten Erfahrungen; selbst die Rangordnung innerhalb des Hunderudels und später innerhalb der ­Familie wird spielerisch ausgetestet. Das Spiel mit Artgenossen legt für Welpen den Grundstein zu einem normal entwickelten, ausgeglichenen Sozialverhalten. Bekommt der Junghund keine Möglichkeit, sich mit anderen Vierbeinern auszutauschen, verlernt er bald seine hündische Sprache. Die Folge ist ein aggressiver oder be­sonders ängstlicher Hund, der sein Leben lang unter massiven Kommunikationsproblemen mit seinen Art­genossen leiden kann.
Für Sie als Besitzer können diese Verhaltensstörungen ebenfalls eine große Belastung sein, denn gerade ein Jagdgebrauchshund muss beispielsweise bei Bewegungsjagden unbedingt sozialverträglich sein. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, mit einem Welpen eine Hundespielgruppe zu besuchen und ihm auch anderweitig viele Kontakte mit Artgenossen zu ermög­lichen. Spielen ist aber nicht nur für junge Hunde wichtig, denn jeder Vierbeiner lernt bis ins hohe Alter spielerisch.
Erwachsene Hunde testen untereinander immer wieder im Spiel ihre Rangordnung aus; dominante Tiere versuchen häufig innerhalb ihrer Familie durch Tricks ihre Grenzen und ihre Position im „Rudel“ auszuloten. Lassen Sie sich hiervor nicht einwickeln, sonst haben Sie schnell verspielt. Auch veränderte Lebensbedingungen oder unbekannte Gegenstände werden noch von erwachsenen Hunden spielerisch erforscht. Häufiges Spielen schult außerdem das Gehirn des Vierbeiners. So haben Studien gezeigt, dass Hunde, die in ihrer Welpenzeit kaum Eindrücke sammeln konnten, ihr Leben lang weniger aufnahmefähig sind als Art­genossen, die mehr gefördert wurden. Vierbeiner, denen mehr geboten wird, können sich auch nachweislich besser konzentrieren.
Für Junghunde ist ausgelassenes Toben nach Erziehungseinheiten eine Belohnung; auf diese Weise können sie ihren, durch die Anspannung des Lernens aufgestauten Energien so richtig freien Lauf lassen und entspannen sich somit wieder. Gehen Sie die Erziehung Ihres haarigen Jagdkameraden spielerisch an, wirkt dies sehr motivierend auf den Vierbeiner, denn der Spaß steht dabei immer im Vordergrund; außerdem entwickelt sich ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Auch und gerade bei der jagdlichen Ausbildung kann spielerisch viel erreicht werden.
Regelmäßige Spielstunden schweißen Sie und ihren Jagdgefährten zu einem Team ­zusammen. Auf diese Weise bleibt Ihr vierbeiniger Gehilfe auch im Alter lange körperlich und geistig fit. Schüchterne Vertreter bekommen durch einfache Spiele, die ­Erfolge bringen, ein neues, gestärktes Selbstbewusstsein. Ohne Spielen würde ein Jagdhund auf Dauer physisch und psychisch verkümmern, denn Spielen ist für Hunde jeden Alters ein wahres Lebens­elixier.
Achten Sie darauf, dass Sie im Spiel mit Ihrem Hund immer der Boss bleiben, der auch dafür sorgt, dass Ihr cleverer Vierbeiner nicht still und heimlich Ihre Autorität untergräbt.