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Sicherheit ist Trumpf!

Kritischer Punkt: Dort wo der Holm ungeschützt auf Erdreich trifft lauert die Gefahr! Foto: JD © JD

Kritischer Punkt: Dort wo der Holm ungeschützt auf Erdreich trifft lauert die Gefahr! Foto: JD

Wie in kaum einem anderen Land wird in Deutschland die Jagd von Hochsitzen ausgeübt – seien es Kanzeln oder Ansitzleitern. Erfreulicherweise ist dabei der meist verwendete Baustoff Holz. Doch nagen unablässig die Witterungseinflüsse an diesem Naturprodukt mit der Folge, dass die Haltbarkeit – selbst bei guter Imprägnierung – im Laufe der Jahre nachlässt.
Eine regelmäßige Überprüfung der Ansitzeinrichtungen ist daher unerlässlich. Die Landwirtschaft­liche Sozialversicherung schreibt eine solche sogar in der „Unfallverhütungsvorschrift Jagd“ (VSG 4.4) zwingend vor – und zwar mindestens einmal jährlich.
Jeder Revierinhaber tut gut da­ran, diese Kontrolle nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn passiert etwas, stehen unter Umständen gravierende Schadenersatzforderungen im Raum – selbst bei unbefugter Benutzung.
Zwar fordert die Unfallverhütungsvorschrift weiterhin, dass Hochsitze vor jeder Benutzung geprüft werden müssen. Doch beim Besteigen einer Kanzel in später Dämmerung oder in der Nacht beispielsweise sind eine eingerissene Leitersprosse, ­verrottete Stützen oder morsche Bodenbretter kaum zu erkennen. Vor allem: Wer möchte sich denn dem Vorwurf aussetzen, durch Nachlässigkeit an einer schweren Verletzung oder gar am Tod eines verunglückten Jagdfreundes (mit) Schuld zu sein.
Im Allgemeinen wird die jagd­ruhige Zeit im Frühjahr für die Kon­trolle der Ansitzeinrichtungen genutzt.
 

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Eine erste Maßnahme ist der „Rütteltest“. Dabei wird am Hochsitz kräftig gerüttelt. Gibt die Kon­­struktion nach, ist sie in sich nicht mehr stabil. Instandsetzungsmaßnahmen sind umgehend notwendig. Achtung: Die Rüttelprobe allein ist unter Umständen nicht ausreichend, um die Sicherheit der Kons­truktion insgesamt unter Beweis zu stellen. In einem vor kurzem ergangenen Gerichtsurteil wurde der Jagdpächter zu erheblichem Schadenersatz verurteilt, da er es unterlassen hatte, auch die einzelnen Bauteile eines Hochsitzes auf ihre Stabilität (ein morscher Balken eines Podests brach und ­führte zum Sturz des Jagdgasts) zu überprüfen.
Sofern bei einem Bauteil eventuelle Mängel nicht offensichtlich sind, wird dies entsprechend des optischen Eindrucks „unter die Lupe“ genommen, vor allem durch die Überprüfung des Holzes auf (versteckte) Fäulnis per „Messerprobe“ mit Klingenspitze, Stichel, Schraubendreher etc. Lässt sich die Spitze leicht in das Holz eindrücken, muss das Bauteil ­ersetzt werden. Diese Messerprobe sollte bei allen tragenden bzw. stützenden Elementen des Hochsitzes durchgeführt werden.

 

 

Link: Die wirklich mobile Jagdkanzel von Udo Röck
 



Ein kritischer Punkt ist der Übergangsbereich der Eckpfosten im Boden. Um hier ­Schwachstellen zu erkennen, muss das Erdreich etwa eine Spatentiefe abgetragen werden. Zu beachten ist, dass diese Prüfung nicht bei Frost durchgeführt wird, da auch das Holz im Bodenbereich gefroren sein kann. Ein weiterer besonderer Augenmerk gilt der Leiterkonstruktion: Ist sie ausreichend an der Ansitz­einrichtung befestigt, haben die Leiterpfosten keine morschen Bereiche, sind die Sprossen tragfähig? Gesprungene oder ­angefaulte Sprossen müssen unbedingt ersetzt werden. Ein Gefahrenpunkt ist auch das Geländer von Podesten. Hier ist vor allem die sichere Befestigung zu kontrollieren. Das Gleiche gilt für die Haltegriffe.
JD

Video-Clip: "Hochsitz-TÜV"


 

Die Check-Liste

Ob ein Hochsitz noch ausreichend betriebssicher ist, kann anhand einer Check-Liste abgearbeitet werden. Eventuelle Mängel werden notiert, ebenso der Zeitpunkt der Ausbesserung oder Reparatur. Für jede einzelne Ansitzeinrichtung angelegt, kann so die Überprüfung nachgewiesen werden. Eine im Ernstfall nicht zu unterschätzende ­Dokumentation zu Ihrer Entlastung!
Ein Formular dafür steht hier als Download zur Verfügung: Check-Liste Hochsitzsicherheit

Mit der regelmäßigen Überprüfung Ihrer Ansitzeinrichtung erfüllen Sie also nicht nur eine Vorschrift, sondern diese dient auch Ihrer ganz persönlichen wie der Sicherheit und Gesundheit Ihrer Jagdfreunde.