Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Wild am frühen Morgen (Teil IX)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Wild am frühen Morgen (Teil IX)

Ein Weißschwanzgnu äugt aus weiter Ferne.


Es ist erst kurz vor Sechs, als wir uns den ersten Schluck dampfenden Kaffee beim Frühstück im Freien einschenken. Den haben die Meisten zu dieser Uhrzeit bitter nötig. Neben unserer Müdigkeit kommt noch die bitterkalte Morgenluft dazu, die einen umso mehr in das warme Bett zurücksehnen lässt. Selbst jetzt zum Beginn der Sommerzeit findet sich in den Morgenstunden hier im Hochland noch so manches Mal Frost auf dem Rasen.

Nach dem kurzen Frühstück behalten wir unsere leichten Pullover noch an und satteln auf die offenen Jagdwagen auf. Aufgeteilt in zwei Gruppen geht es auf die Suche nach Wild. Jagdgast Alexander war mit seiner ebenfalls jagenden Frau schon des Öfteren hier und hat seine beiden Freunde mitgebracht um ihnen die Jagd in Namibia zu zeigen. Der Erfolg der Gruppe steht im Vordergrund.

Viel Anblick am Morgen

Gute Übersicht. Von erhöhter Position werden die Jäger per Funk geleitet.


Ich schließe mich an diesem kalten Morgen Berufsjäger Ernst an, der, zusammen mit Jagdführeranwärter Steven, einen der Gäste führen wird. Gleich zu Beginn sehen wir von einer erhöhten Stelle zwei kleinere Oryx-Herden auf über einen Kilometer Entfernung. Neben der Ferne trennen uns schroffe Felsformationen und ausgetrocknete Flussbetten voneinander, die sich durch die Trockensavanne schlängeln.

Während sich Ernst und sein Jagdgast auf den Weg machen bleiben Steven und ich auf dem Auto um die Situation von oben zu beobachten. Immer wieder bestätigen wir uns gegenseitig, dass wir bloß nicht das Wild aus den Augen verlieren. Gar nicht so einfach auf die Entfernung. Dabei entdecken wir zwischen den Büschen noch weiteres Wild. Weißschwanz- und Streifengnus und selbst ein riesiger Eland stehen in den niedrigen Büschen fast unsichtbar für unsere Augen. Kaum zu glauben, dass der Eland-Bulle seine Tonne Lebendgewicht so gut verstecken kann

Die Pirsch ist nicht einfach

Hier gilt es durchzupirschen. An den trockenen Wänden des Flussbettes ranken wilde Feigen.


Neben dem vielen Wild erscheinen nach einiger Zeit auch die Jäger wieder im Sichtfeld der Ferngläser. Immer wieder verschwinden sie in mehreren Hundert Metern Entfernung hinter Büschen, treten wieder vor, bleiben stehen und blicken ihrerseits durch die Ferngläser hin zum Wild. Nun dürften sie kaum mehr 200 Meter von den ersten Oryx trennen. Nach einigen Minuten dringt ein, mir unverständlicher, Funkspruch auf Afrikaans zu uns durch. Da ich nur ein paar Wörter verstehe muss ich Steven um eine Übersetzung auf Englisch bitten: Sämtliche Oryx der einen Herde sind tragende Kühe. Nun will der Berufsjäger versuchen sich langsam dem anderen Sprung zu nähern und fragt uns in welche Richtung und vor allem wie weit er den Jagdgast führen muss.

Insgeheim tut mir der Jagdgast schon leid. War er doch gestern noch im kühlen Herbstwetter Deutschlands gewesen, muss er nun einen weiteren Kilometer durch das raue Gelände unter der gleißenden Sonne Namibias pirschen. Einige Minuten später sehen wir die Jäger unweit der Oryx-Herde einen hohen Felshaufen hochklettern. Kaum strecken die beiden Jäger ihr Köpfe über die Kuppe, sehen wir jedoch wie die zweite Oryx-Herde die Jäger eräugen und hochflüchtig abspringt.

Für den Vormittag soll es die letzte anstrengende Pirsch gewesen sein, doch nach einer längeren Mittagspause bringt der Nachmittag noch eine echte Überraschung mit sich.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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