Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Trophäe vs. Waidgerecht (Teil VI)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Trophäe vs. Waidgerecht (Teil VI)

Ganzjährig unterwegs – ein Oryx-Kalb sucht Schutz unter einem Busch.


Nachdem ich Jagdführer-Anwärter Steven und einige Jagdgäste bereits zur Jagd begleiten durfte, will ich selbst ausprobieren, was es heißt in den trockenen Weiten des zentralen Hochlandes zu jagen. Da ich die Jagd an sich kennen lernen will und nicht wie viele Jagdgäste eine Wunschliste an Abschüssen mitgebracht habe, wollen wir das bejagen, was am meisten vorhanden ist. Oryx und Bergzebra.

Bevor ich nach Namibia kam, um mir selbst ein Bild über die Jagd zu machen, habe ich mich gefragt wie wohl das Ansprechen ablaufen wird. Denn bei den meisten Wildarten hier tragen sowohl männliche, als auch weibliche Stücke die begehrten Trophäen. Ausnahmen hiervon bilden beispielweise Kudu und Steinböcke, bei denen nur die männlichen Stücke Trophäenträger sind. 

Vom Baum verdeckt standen hier die Oryx-Kühe beim Äsen.


Als wir kurz nach der Mittagshitze zur Pirsch aufbrechen dauert es nicht allzu lang, bis wir die ersten Zebras entdecken. Schade nur, dass das wachsame Wild uns zuerst entdeckt hat. Doch es dauert nicht lange, bis wir auf etwa 400 Metern Entfernung in einer Schlucht einen imposanten Oryx-Bullen entdecken. Nun heißt es sich dem Wild strategisch zu nähern. Also geht es für uns bergauf und für das Wild erst hinter einer Kuppe unsichtbar angehen und dann auf allen Vieren anpirschen. Der Bulle war zwar bis hier hin verschwunden, doch standen drei Oryx-Kühe in unserem Gegenhang, die wir vorher nicht sehen konnten.

Wieder kamen mir meine Gedanken in den Kopf, wie wohl das Ansprechen abläuft? Oryx-Kühe sind an sich nur schwer für den Laien vom Bullen zu unterscheiden und können zudem auch noch ganzjährig tragend oder führend sein. Ein führendes oder tragendes Stück zu erlegen ist das Schlimmste mir passieren könnte. Eine solche Trophäe würde ich nicht einmal mitnehmen wollen.
 

Die erlegte Oryx-Kuh war äußerst schusshart.


Doch schnell merke ich, dass meine Sorgen unberechtigt sind. Wir sind bereits seit einer knappen halben Stunde in Position und noch immer schaut der Jagdführer durch sein Fernglas auf die nur 90 Meter entfernten Oryx-Kühe, um absolut sicher zu gehen, dass keins der Stücke führend oder tragend ist. Bei einem der Stücke ist er sich ganz sicher. Es ist nicht die stärkste Trophäe des Dreiertrupps, doch bei diesem Stück ist er sich absolut sicher, dass es nicht führt oder innehat. Zudem ist es mit etwa acht Jahren auch alt genug für einen Abschuss.

Der Schuss an sich ist im Gegensatz zu der harten Pirsch keine hohe Kunst. Auf 90 Meter lege ich die .300 Win. Mag. auf einen Felsen auf und platziere den Schuss kurz hinterm Blatt. Da das Stück sich jedoch dreht und nicht direkt zu Boden geht, folgt ein zweiter, schneller Schuss. Dieses Mal etwas Hochblatt platziert, geht das Stück direkt zu Boden.

Ohne schweres Gerät ist ans Bergen der über 150 kg schweren Antilope kaum zu denken.


Nachher erzählt mir der Jagdführer, dass sie selten so nah an die äußerst wachsamen Oryx herankommen. Es sei aber wichtig genau aufs Blatt zu schießen und nicht wie bei uns üblich kurz dahinter. Denn Oryx-Antilopen sind das wohl schusshärteste Wild des „Plains Game“ Namibias. Wer also einmal waidgerecht auf Oryx jagt, der wird eine der schwersten Jagden Afrikas mitmachen und muss trotz der geführten Jagd einiges an eigenen Fähigkeiten mitbringen.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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