Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Reise mit Hindernissen (Teil II)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Reise mit Hindernissen (Teil II)

Eine Zebrastute mit ihrem Fohlen.


Schon auf dem Weg zum Flughafen bereue ich zunächst die Entscheidung, meine bewährte Waffe nicht mit nach Afrika genommen zu haben. Die eigene Waffe ist jedem Jäger wohl einfach vertrauter als eine geliehene. Zudem ist sie auch noch im antilopen-tauglichem Kaliber .30-06. Und ich ließ sie einfach Zuhause im Schrank.

Nachdem mein Flug in letzter Minute gestrichen wurde, und mein Gepäck darauf beim Umstieg in Südafrika für die Flughafenmitarbeiter unauffindbar war, hatte ich mich schon damit abgefunden, ohne Gepäck in Windhoek zu landen. Erst in letzter Minute fiel einer Mitarbeiterin ein herrenloser Koffer ohne Nummer auf und sie lud ihn noch schnell in die Maschine ein. Allein der Gedanke, es hätte sich dabei um meine Büchse und nicht um den Koffer gehandelt, lässt es mir eiskalt den Rücken herunterlaufen. 

Direkt der erste Anblick

Nach der Landung in Windhoek läuft jedoch zum Glück alles etwas entspannter ab. Mit einem Schild in der Hand wartet bereits der Fahrer Klaus darauf, mich die halbe Strecke bis zur Farm zu bringen. Keine zehn Minuten saß ich in seinem Bus und habe bereits ersten Anblick. Eine Gruppe Bärenpaviane, die am Straßenrand nach Essensresten suchen.

Dass ich von den imposanten Affen unbedingt ein Foto machen muss, ist für Klaus nur schwer verständlich. Paviane gelten im Herzen Namibias fast als Plage, weshalb viele Wildfarmen diese ihren Gästen kostenlos zum Abschuss freigeben. „Auf dem Hinweg zum Flughafen habe ich hier Giraffen gesehen“, berichtet mir der Fahrer. Aufgeregt schaue ich links und rechts der Straße, ob irgendwo die hohen Häupter aus der Strauchsavanne herausragen, doch weit und breit ist nichts außer Sträucher zu sehen. Plötzlich jedoch stehen Warzenschweine direkt hinter dem Zaun, der verhindern soll, dass Wild auf die Straße läuft.

Zäune sollen Wild auf Farmen halten

Zwei junge Kudubullen im Gegenhang.


Da Klaus selbst Sohn von Jagdfarm-Betreibern ist, frage ich ihn, warum eigentlich manche Wildfarmen eingezäunt sind. Er erklärt mir daraufhin, dass einige dieser Farmen Wild aussetzen, welches früher in der Gegend heimisch war und durch die weißen Siedler ausgerottet wurde. Und damit das teilweise auf Auktionen teuer erstandene Wild nicht zum Nachbarn wechselt und dort erlegt wird, werden diese Farmen umzäunt.

Gerade als Klaus mir erzählt, dass die Zäune jedoch für die großen Antilopenarten kein Hindernis darstellen, springen am Straßenrand drei Kudu-Kühe über den hohen Zaun, direkt auf die Hauptstraße. Ein unglaublicher Anblick, direkt vor den Toren Windhoeks.

So viel Wild in so kurzer Zeit

Ein Rotschnabelfrankolin, wie immer gut getarnt.


Doch wie sich später herausstellt, war das nur der Anfang. Nachdem ich in das Auto des Berufsjägers der Okatore Lodge umgestiegen bin und wir ins Revier hineinfahren, geht es nun Schlag auf Schlag: Kudus, Perlhühner, Warzenschweine, Steinböcke, Zebras, Oryx – alle begegnen uns in weniger als einer halben Stunde Fahrt durchs Revier. Selbst Klippschliefer sonnen sich entspannt auf einem warmen Felsen neben der staubigen Straße.

Als ich dem Berufsjäger erzähle, dass ich nie erwartet hätte, hier so viel Wild zu sehen, schaut er mich ungläubig an. Wir hätten verhältnismäßig wenig Wild gesehen, für ihn wäre die Farm heute wie ausgestorben gewesen.

Die Bildergalerie zu Lasses Reise.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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