Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Der große weiße Platz (Teil XII)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Der große weiße Platz (Teil XII)

Die Elefanten Namibias sind die größten Afrikas. Ihre Stoßzähne bleiben jedoch kurz und brechen häufig ab, da den Elefanten im Etosha bestimmte Nährstoffe fehlen.


Fast ausnahmslos ging es für die Jagdgäste, die ich in meiner Zeit auf Okatore kennen lernen durfte, nach den Jagdtagen auf in den Norden Namibias, in den Etosha-Nationalpark. Keine Frage also, dass auch ich meine Reisezeit dazu nutzen musste mir ebenfalls den weltberühmten Park anzusehen.

Namensgebend für den Park ist die Etosha-Salzpfanne, die in dem Park liegt. „Etosha“ selbst heißt so viel wie „großer weißer Platz“, was die riesige Salzpfanne auch perfekt beschreibt. Etwa ein Viertel des Nationalparks, der in seiner Fläche mit Hessen oder Schleswig-Holstein vergleichbar ist, ist von der unwirklichen Salzlandschaft bedeckt. Bei über Vierzig Grad und absoluter Trockenheit ist es mir kaum vorstellbar, dass in diesem lebensfeindlichen Gebiet zur Regenzeit Millionen Flamingos und etliche Pelikane brüten, die von der Küste einfliegen. Jetzt in der Trockenzeit, die sich mit vereinzelten Regengüsse derzeit ihrem Ende zuneigt, kommen lediglich hin und wieder Zebra, Springbock und Co hier her, um ihren Salzbedarf zu decken

Sehr viel Wild

Wo Wild ist, ist man auch im riesigen Nationalpark nur selten allein.


Abseits der riesigen Salzpfanne ist das Gebiet jedoch von sattem Gras und dichtem, grünen Buschland geprägt, das einer unglaublichen Masse an Wild als Lebensraum dient. Vor allem Springbock und Flächenzebra kommen in fantastischen Mengen vor, dass es so manchen Besuchern schon fast unnatürlich erscheint.

Trotz seiner riesigen Fläche ballt sich der Besucherdrang jedoch schnell. Hält man etwa an um eines der seltenen und gut versteckten Spitzmaulnashörner zu fotografieren, zieht das magisch das Interesse weit entfernter Touristenbusse an, deren Guides ihren Gästen natürlich möglichst viel Anblick verschaffen wollen. Innerhalb weniger Minuten wird so die einsame Wildnis zu einer Massenversammlung aus Safarigruppen und Pick-Ups.

Halali

Gut versteckt im Busch äst ein Nashorn. Die laufenden Motoren lassen es völlig unbeeindruckt.


Im Gegensatz zu mir lässt sich das Wild von dem Trubel jedoch überhaupt nicht beunruhigen. Ob Springbock, Nashorn oder Giraffe – das Wild lassen die laufenden Motoren und blitzenden Profikameras absolut kalt, und so hat man die Möglichkeit das majestätische Wild Afrikas aus nächster Nähe intensiv zu beobachten.

Für mich geht es über Nacht in eines der sechs staatlichen Camps innerhalb des Nationalparks. An der Pforte zum Camp steht in großen Buchstaben „Halali“ – und der Name ist Programm. Nachdem zuerst unter deutscher Hand ein Zaun mit wenigen Toren erbaut wurde, um die Ausbreitung der Rinderpest Richtung Süden zu verhindern, hieß es nach einiger Zeit „Halali – Jagd in Ruh“ und das Gebiet nördlich des Zaunes wurde zum Naturschutzgebiet erklärt.

Neben dem imposanten Schriftzug „Halali“ liegt ein noch eindrucksvollerer Elefantenschädel. Die begehrten Stoßzähne fehlen dabei natürlich. Trotz Anti-Wilderer-Einheiten und strengen Kontrollen sind allein in diesem Jahr jeweils 16 Elefanten und Nashörner in dem „großen weißen Platz“ gewildert worden.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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