Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Gepackte Koffer (Teil I)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Gepackte Koffer (Teil I)

Mit dem Flugzeug geht es auf die dreimonatige Reise nach Namibia (Symbolbild).


Der Berufseinsteiger von heute sollte einiges mitbringen. Mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, ein überdurchschnittlichen Abschluss und vor allem Auslandserfahrung sollten es am besten sein. Da ich jetzt zum Ende meines Studiums an den ersten beiden Punkten sowieso nichts mehr ändern kann, will ich also mindestens den letzten Punkt erfüllen und einen Blick über den Tellerrand wagen.

Ich, damit ist Lasse Weicht gemeint. Gebürtig aus dem beschaulichen Lippe stammend, stehe ich nun mit 25 Jahren kurz vor dem Ende meines Master-Studiums der Forstwissenschaften. Jagdlich war ich bisher nur einmal im Ausland unterwegs, als meine Bracke die österreichische Grenze überjagte. Und auch wenn ich bereits neben Europa, Südostasien und Nordamerika besuchen durfte, hat es mich noch nie in die Weiten Afrikas verschlagen.

Während es für Lasse nach Namibia geht, bleibt seine Schwarzwildbracke hier in Deutschland.


Zumindest in Deutschland habe ich allerdings schon einiges an jagdlicher Erfahrung gesammelt. Doch als angehender Forstmann stoße ich dabei regelmäßig auf verhärtete Fronten innerhalb der Jägerschaft. Nun kenne ich aber beide Seiten der Medaille, da ich in kleinbäuerlicher, privater Jagd groß geworden bin und seit einigen Jahren zusätzlich im Staats- und Landeswald jage. Mein Resümee bis hierhin: Die meisten Konflikte entstehen oftmals aus Vorurteilen, die irgendwann zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden.

Aber auch ich habe meine Vorurteile. Denke ich an die Auslandsjagd, kommt mir als allererstes das Klischee des gutverdienenden, SUV-fahrenden Zahnarztes oder aber die Gatterjagd in den Sinn. Da ich mir aber vorgenommen habe, besonders beim Thema Jagd weitsichtiger zu sein als so mancher mir bekannte Sturkopf, packe ich die Gelegenheit beim Schopf. Meine komfortable Stadtwohnung tausche ich gegen ein Zimmer auf einer Farm in Namibia, um mir vor Ort ein eigenes Bild zu machen.

Praktikumsplatz auf Umwegen

Die Zusage einer Farm in Namibia sollte mir laut Aussage einer Bekannten in den Schoß fallen. Angeblich! Denn Teile Namibias mussten in diesem Jahr eine harte Dürre durchleben, die auch dem Wild extrem zugesetzt hatte. Aufgrund dessen war eben jene Farm gezwungen den Jagdbetrieb dieses Jahr gänzlich einzustellen. Ich stand also trotz aller Erwartungen mit leeren Händen da.

Doch man muss auch mal Glück haben! Versehentlich habe ich die Mail zuerst an einen falschen Adressaten, die Okatore Lodge, gesendet. Peinlich berührt schrieb ich der Besitzerin damals eine förmliche Entschuldigung. Doch nach ein paar Wochen geschah dann etwas völlig unerwartetes: Trotz des Missverständnisses bot mir Besitzerin Imke Pape an, auf ihre Farm zu kommen.

Die Koffer sind gepackt, die eigene Waffe bleibt allerdings daheim.


Nun sind die Koffer also gepackt und mit dem Flieger geht es ins abgelegene Hochland Namibias. Mitnehmen werde ich auf meine Reise nur das Allernötigste, um im Anschluss noch zwei Wochen durchs Land reisen zu können. Eine Auswahl an dornenfesten Hemden und kurzen Hosen darf dabei nicht fehlen, genauso wenig wie mein Fernglas und die Kamera. Mein Repetierer bleibt dieses Mal zuhause. Sollte ich selbst auf die Jagd gehen, würde man mir vor Ort eine Büchse im Kaliber .300 Win. Mag. leihen – wie viele Afrikabüchsen natürlich eine Heym.

Ob sich meine Vorurteile bestätigen werden und wie es um die Jagd in der ehemaligen deutschen Kolonie steht, werde ich nun in den nächsten Wochen selbst herausfinden.

Die Bildergalerie zu Lasses Reise.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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