Home Praxis Selbstversuch Jagd in Namibia: Ansitz der anderen Art (Teil IV)

Selbstversuch Jagd in Namibia: Ansitz der anderen Art (Teil IV)

Eine starke Bache an der Wasserstelle. © Lasse Weicht

Eine starke Bache an der Wasserstelle.


Es ist acht Uhr morgens, als das Handy von Farmerin Imke klingelt. Unweit vom Hof liegt eines ihrer Rinder kraftlos auf dem Boden und kann sich kaum mehr bewegen. Bei unserer Ankunft zeigt sich ein schlimmes Bild. Die Kuh atmet schwer und versucht noch zu schlegeln, was sie in ihrem geschwächten Zustand aber kaum noch schafft. Keiner der Arbeiter weiß genau, was dem Rind so schwer zugesetzt hat und so entscheiden wir uns, die schwerkranke Bonsmara-Kuh von ihrem Leid zu erlösen. Doch als die Arbeiter mit dem nötigen Gerät zur Notschlachtung zurückkommen, ist es bereits um sie geschehen. Ob es wohl eine der vielen Giftschlangen war, die sich hier durch den heißen Busch schlängeln?

An eine Verwertung des Fleisches als Lebensmittel ist auf jeden Fall nicht mehr zu denken, da sind sich alle Beteiligten einig. Also kommt das Aas auf den wohl größten Luderplatz, den ich je gesehen habe. „Wenn du willst, kannst du dich in dem Erdsitz am Luderplatz gleich heute Abend auf Schakal ansetzen“, bietet mir Imke an. Als ich ihr Angebot dankend annehme, habe ich noch keine Ahnung von dem, was mich am Abend noch erwarten wird.

Geier fallen über die tote Kuh her

Geier lauern am Luderplatz. © Lasse Weicht

Geier lauern am Luderplatz.


Aufgeregt auf meinen ersten afrikanischen Ansitz, packe ich alles Nötige zusammen und begebe mich auf den Weg zu dem abgelegenen Luderplatz. Er liegt tief im Busch hinter einem Wall, der aufgeschoben wurde, um dort Wasser für Vieh und Wild anzustauen. Bereits beim Aussteigen bemerke ich, dass ich beobachtet werde. Fast zwanzig Geier kauern auf einem Baum hinter dem Wall und äugen interessiert in meine Richtung. Als ich den Wall überquert habe, merke ich jedoch, dass das bei weitem nicht der einzige Baum ist, auf dem sich die Geier niedergelassen haben. Baum für Baum sitzen über hundert hungrige Vögel, die wie aus dem Nichts von der toten Kuh angelockt wurden. Ein unglaublicher Anblick.

Während der letzten Jahrzehnte waren die Bestände der Ohren- und Weißrückengeier um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Also scheint der Tod des Rindes doch noch etwas Gutes mit sich zu bringen, denke ich. Währenddessen beobachte ich die Geier weiter, die sich gierig an der Kuh laben.

Eine Warzenschweinrotte lässt sich blicken

Überläufer und Frischling ziehen nach. © Lasse Weicht

Überläufer und Frischling ziehen nach.


Der Erdsitz erinnert von außen eher an eine der traditionellen Lehmhütten Afrikas als einen Ansitz. Nachdem ich ihn bezogen habe, versinke ich innerlich in Gedanken über die Schönheit der Savanne und ihrer tiefroten, langsam untergehenden Sonne. Eine plötzliche Bewegung im trockenen Flussbett reißt mich aus meinen Gedanken. Statt des ersehnten Schakals macht sich eine Rotte Warzenschweine, angeführt von einer starken Bache, auf zur Wasserstelle. Auf ihrem Weg kommen sie mir bis auf wenige Meter nahe, ohne mich zu bemerken. Doch sie haben Glück. Das Wildbret von Warzenschweinen ist nur wenig beliebt und deshalb entscheide ich mich, heute nur mit der Kamera zu schießen.

Ein paar Minuten später geht die berühmte, tiefrote Sonne Afrikas unter – ohne, dass ein Schakal zum Luder gekommen ist. Diesen Ansitz werde ich dank der unverhofften Gesellschaft trotzdem nicht so schnell vergessen.

Die Bildergalerie zu Lasses Reise

Während es für Lasse nach Namibia geht, bleibt seine Schwarzwildbracke hier in Deutschland. © Lasse Weicht

Während es für Lasse nach Namibia geht, bleibt seine Schwarzwildbracke hier in Deutschland.

Die Koffer sind gepackt, die eigene Waffe bleibt allerdings daheim. © Lasse Weicht

Die Koffer sind gepackt, die eigene Waffe bleibt allerdings daheim.

Klippschliefer sind mit Elefanten verwandt. © Lasse Weicht

Klippschliefer sind mit Elefanten verwandt.

Zwei Junge Kudubullen am Gegenhang. © Lasse Weicht

Zwei Junge Kudubullen am Gegenhang.

Eine Kudu-Kuh mit ihrem Kalb. © Lasse Weicht

Eine Kudu-Kuh mit ihrem Kalb.

Eine Zebrastute mit ihrem Fohlen. © Lasse Weicht

Eine Zebrastute mit ihrem Fohlen.

Sonnenuntergang über Namibia. © Lasse Weicht

Sonnenuntergang über Namibia.

Diese Puffotter lag direkt vor der Hütte. © Lasse Weicht

Diese Puffotter lag direkt vor der Hütte.

Die Oryxherde stürmt davon. © Lasse Weicht

Die Oryxherde stürmt davon.

Lasse auf der Pirsch. © Lasse Weicht

Lasse auf der Pirsch.

Ein 2a Oryxbulle. © Lasse Weicht

Ein 2a Oryxbulle.

Steven im Anschlag auf die Oryxherde. © Lasse Weicht

Steven im Anschlag auf die Oryxherde.

Erleger Steven mit der abnormen Oryx-Färse. © Lasse Weicht

Erleger Steven mit der abnormen Oryx-Färse.

Geier lauern am Luderplatz. © Lasse Weicht

Geier lauern am Luderplatz.

Überläufer und Frischling ziehen nach. © Lasse Weicht

Überläufer und Frischling ziehen nach.

Eine starke Bache an der Wasserstelle. © Lasse Weicht

Eine starke Bache an der Wasserstelle.

Zebra – hier gibt es große Unterschiede in der Essenskultur Namibias. © Lasse Weicht

Zebra – hier gibt es große Unterschiede in der Essenskultur Namibias.

Ein Oryx kurz vor dem Zerwirken. In Namibia werden die Stücke erst aus der Decke geschlagen und dann aufgebrochen. © Lasse Weicht

Ein Oryx kurz vor dem Zerwirken. In Namibia werden die Stücke erst aus der Decke geschlagen und dann aufgebrochen.

 Von Krokodil bis Zebra kann man sich in Joe´s Beerhouse durch das Wildbret Namibias probieren. © Lasse Weicht

Von Krokodil bis Zebra kann man sich in Joe´s Beerhouse durch das Wildbret Namibias probieren.

Ein traditionelles namibianisches Braai. © Lasse Weicht

Ein traditionelles namibianisches Braai.

Terrier-Rüde Hacke lässt den Abend auf dem Jagdwagen ausklingen. © Lasse Weicht

Terrier-Rüde Hacke lässt den Abend auf dem Jagdwagen ausklingen.

Auch bei den Geldnoten wird klar, dass das Wild in Namibia stets präsent ist. © Lasse Weicht

Auch bei den Geldnoten wird klar, dass das Wild in Namibia stets präsent ist.

Vom Baum verdeckt standen hier die Oryx-Kühe beim Äsen. © Lasse Weicht

Vom Baum verdeckt standen hier die Oryx-Kühe beim Äsen.

Ganzjährig unterwegs – ein Oryx-Kalb sucht Schutz unter einem Busch. © Lasse Weicht

Ganzjährig unterwegs – ein Oryx-Kalb sucht Schutz unter einem Busch.

Lasse mit seiner erlegten Oryxkuh. © Lasse Weicht

Lasse mit seiner erlegten Oryxkuh.

Ohne schweres Gerät ist ans Bergen der über 150 kg schweren Antilope kaum zu denken. © Lasse Weicht

Ohne schweres Gerät ist ans Bergen der über 150 kg schweren Antilope kaum zu denken.

Blick auf den Schiesstand. Wer in Namibia jagen will braucht offiziell keinerlei Erfahrung. © Lasse Weicht

Blick auf den Schiesstand. Wer in Namibia jagen will braucht offiziell keinerlei Erfahrung.

Entdeckt. Das wachsame Wild macht manchmal weite Schüsse notwendig. © Lasse Weicht

Entdeckt. Das wachsame Wild macht manchmal weite Schüsse notwendig.

 Im Gegensatz zu den meisten Wildarten Namibias sehen Warzenschweine extrem schlecht. Deshalb nähern sie sich bei gutem Wind bis auf wenige Meter. © Lasse Weicht

Im Gegensatz zu den meisten Wildarten Namibias sehen Warzenschweine extrem schlecht. Deshalb nähern sie sich bei gutem Wind bis auf wenige Meter.

Meister der Weitsicht. Paviane können extrem gut zwischen Freund und Feind unterscheiden, und das auf viele Hundert Meter. © Lasse Weicht

Meister der Weitsicht. Paviane können extrem gut zwischen Freund und Feind unterscheiden, und das auf viele Hundert Meter.

Der Größenvergleich zeigt: Ein starker Leopardenkuder ist hier über die Schiessbahn gestreift. © Lasse Weicht

Der Größenvergleich zeigt: Ein starker Leopardenkuder ist hier über die Schiessbahn gestreift.

Die weiblichen Kudus werden gerne von den starken Leoparden des Hochlandes erbeutet. © Lasse Weicht

Die weiblichen Kudus werden gerne von den starken Leoparden des Hochlandes erbeutet.

Leopard am Zebra-Bait. © Lasse Weicht

Leopard am Zebra-Bait

Eine braune Hyäne schaut vorbei. Da sie aber nicht auf Bäume klettert, geht sie heute leer aus. © Lasse Weicht

Eine braune Hyäne schaut vorbei. Da sie aber nicht auf Bäume klettert, geht sie heute leer aus.

In den frühen Morgenstunden macht sich ein Leopardenpärchen über die Zebrakeule her. © Lasse Weicht

In den frühen Morgenstunden macht sich ein Leopardenpärchen über die Zebrakeule her.

Gute Übersicht. Von erhöhter Position werden die Jäger per Funk geleitet. © Lasse Weicht

Gute Übersicht. Von erhöhter Position werden die Jäger per Funk geleitet.

Ein Weißschwanzgnu äugt aus weiter Ferne. © Lasse Weicht

Ein Weißschwanzgnu äugt aus weiter Ferne.

Hier gilt es durchzupirschen. An den trockenen Wänden des Flussbettes ranken wilde Feigen. © Lasse Weicht

Hier gilt es durchzupirschen. An den trockenen Wänden des Flussbettes ranken wilde Feigen.

Zufallsfund bei der Pirsch: Ein Speer zeugt von Wilderern, die hier vor einigen Jahren ihr Unwesen getrieben haben müssen. © Lasse Weicht

Zufallsfund bei der Pirsch: Ein Speer zeugt von Wilderern, die hier vor einigen Jahren ihr Unwesen getrieben haben müssen.

Mit dem Jagdwagen geht es so nah wie möglich an das Wild. Wenn das mal nicht geht, dann wird das erlegte Stück direkt im Feld zerwirkt. © Lasse Weicht

Mit dem Jagdwagen geht es so nah wie möglich an das Wild. Wenn das mal nicht geht, dann wird das erlegte Stück direkt im Feld zerwirkt.

Graulärmvögel – mit lauten Rufen verraten sie den Jäger wenn sich ihre Wege bei der Pirsch kreuzen. Sozusagen die Eichelhäher Namibias © Lasse Weicht

Graulärmvögel – mit lauten Rufen verraten sie den Jäger wenn sich ihre Wege bei der Pirsch kreuzen. Sozusagen die Eichelhäher Namibias

Ein Kudubulle verhofft unweit des Weges. Dieser gut veranlagte Bulle ist jedoch noch nicht reif. © Lasse Weicht

Ein Kudubulle verhofft unweit des Weges. Dieser gut veranlagte Bulle ist jedoch noch nicht reif.

Das stark abgekommene Weißschwanzgnu liegt. © Lasse Weicht

Das stark abgekommene Weißschwanzgnu liegt.

Seltenes Wild – Die Klippspringer sind kaum größer als ein Rehkitz im Oktober und sehen Steinböckchen zum Verwechseln ähnlich aus. Sie sind jedoch deutlich seltener als ihre Doppelgänger. © Lasse Weicht

Seltenes Wild – Die Klippspringer sind kaum größer als ein Rehkitz im Oktober und sehen Steinböckchen zum Verwechseln ähnlich aus. Sie sind jedoch deutlich seltener als ihre Doppelgänger.

Exotischer Anblick -  Rosenköpfchen kommen üblicherweise in größeren Scharen vor. Dieser zeigte sich alleine. © Lasse Weicht

Exotischer Anblick - Rosenköpfchen kommen üblicherweise in größeren Scharen vor. Dieser zeigte sich alleine.

Die Namensgebende Etosha-Salzpfanne – der „große weiße Platz“ © Lasse Weicht

Die Namensgebende Etosha-Salzpfanne – der „große weiße Platz“

Gut versteckt im Busch äst ein Nashorn. Die laufenden Motoren lassen es völlig unbeeindruckt. © Lasse Weicht

Gut versteckt im Busch äst ein Nashorn. Die laufenden Motoren lassen es völlig unbeeindruckt.

Wo Wild ist, ist man auch im riesigen Nationalpark nur selten allein. © Lasse Weicht

Wo Wild ist, ist man auch im riesigen Nationalpark nur selten allein.

Die Elefanten Namibias sind die größten Afrikas. Ihre Stoßzähne bleiben jedoch kurz und brechen häufig ab, da den Elefanten im Etosha bestimmte Nährstoffe fehlen. © Lasse Weicht

Die Elefanten Namibias sind die größten Afrikas. Ihre Stoßzähne bleiben jedoch kurz und brechen häufig ab, da den Elefanten im Etosha bestimmte Nährstoffe fehlen.

Nach 10 Wochen ist nun das Ende der Reise gekommen und ich verlasse das zentrale Hochland Namibias. © Lasse Weicht

Nach 10 Wochen ist nun das Ende der Reise gekommen und ich verlasse das zentrale Hochland Namibias.

Typischer Anblick bei der Jagd. Ein Perlkauz versorgt seine Jungen. © Lasse Weicht

Typischer Anblick bei der Jagd. Ein Perlkauz versorgt seine Jungen.

Während die Herde flieht fällt der Hengst stets zurück um zu sichern. © Lasse Weicht

Während die Herde flieht fällt der Hengst stets zurück um zu sichern.

Ein abnormer Springbock im Etosha-Park. Nicht einmal unserem Guide ist er aufgefallen. © Lasse Weicht

Ein abnormer Springbock im Etosha-Park. Nicht einmal unserem Guide ist er aufgefallen.


Lasse Weicht Der Student der Forstwissenschaften in Göttingen arbeitet als freier Mitarbeiter für den dlv. Ursprünglich stammt er aus Lippe.
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