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Schweiz: Wolf abgeschossen

Der in der Schweiz erlegte Wolfsrüde. Foto: Kanton Wallis © Kanton Wallis

Am frühen Morgen des 11. August ist auf der Alpe "Scex" ein männlicher Wolf erlegt worden. Das teilt der Kanton Wallis in einer Presseerklärung mit. Demnach hielt sich der Wolf wohl in der Nähe einer Rinderherde auf. Der Abschuss erfolgte in Einklang mit dem Konzept "Wolf Schweiz" in der darin festgelegten Frist gemäss einer Abschussbewilligung vom 6. August 2010.
Der Bewilligung zum Abschuss war ein Vorfall in besagtem Gebiet vorausgegangen, beidem ein oder mehrere Wölfe etliche Schafe gerissen hatten und auf einer Alpe zudem zwei tote und ein verletztes Rind gefunden wurden. Die festgestellten Rissmuster ließen auf den Wolf als Verursacher der Angriffe schließen.
Da die Behörden von Bund und Kanton festgestellt hatten, dass zurzeit keine angemessenen Massnahmen zum Schutz der Rinder gegen Wolfsangriffe zur Verfügung stehen, reagierten sie mit der Abschussgenehmigung. Der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW) wurde die Verantwortung für den Vollzug übertragen.
"Mit der Flinte lassen sich keine Probleme lösen", kritisierte inzwischen Kurt Eichenberger, Großraubtierexperte des WWF die Freigabe. Das Wallis solle sich seiner Meinung nach um einen besseren Herdenschutz kümmern.
Bevor der Wolf erlegt wurde, stellten Wildhüter fest, dass sich mehrere Wölfe in unmittelbarer Nähe der bereits betroffener Rinderherden befanden. In der Folge wurde das Gebiet eng überwacht. Diese Überwachung führte in den frühen Morgenstunden zum Abschuss eines Wolfes auf der Alpe Scex durch ein Organ der Jagdaufsicht. Es handelt sich um ein männliches Tier. Gemäss Wolfskonzept wird es zur Untersuchung ins Tierspital Bern gebracht. Angaben über Alter und Verfassung des Wolfs werden im Autopsie-Bericht erwartet.
Sollten sich die Angriffe auf die Rinderherden im betroffenen Gebiet fortsetzen, wird die Situation durch die zuständigen Behörden gemäss geltender Gesetzgebung und gestützt auf das Konzept "Wolf Schweiz" neu beurteilt, heißt es in der Mitteilung zum weiteren Vorgehen.
Den Medien schrieben die Eidgenossen dann noch eine klare Ansage ins Stammbuch: Es werden keine technischen Details zum Abschuss, zum Abschussort oder zum Schützen bekannt gegeben, beschied der Kanton Wallis. PM/BHA/RJE

Weitere Fälle von Wolfsübergriffen<p>

Eines von 33 auf einer Weide in Brandenburg gerissenen Lämmern. Foto: Michael Greulich © Michael Greulich

Eines von 33 auf einer Weide in Brandenburg gerissenen Lämmern. Foto: Michael Greulich


Fast Zeitgleich mit dem Wolfsabschuss in der Schweiz, kam es im deutschsprachigen Raum zu zwei weiteren bedeutenden Übergriffen von Wölfen auf Haustiere.
  • Ein Wolf hat in der Tiroler Gemeinde Thiersee sechs Schafe gerissen. Vermutlich handelt es sich um den Wolf, der auf bayerischer Seite in der Umgebung von Bayrischzell bereits mehrere Schafe gerissen hat. Die betroffene Herde wurde inzwischen ins Tal getrieben, um weitere Schäden abzuwenden.

  • Auf einer Schafweide bei Brück im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) sind 33 Lämmer aus einer Herde von 38 Tieren ebenfalls vermutlich von Wölfen gerissen worden. 15 Tiere wurden sofort getötet und größtenteils aufgefressen, 18 weitere schwer verletzt. Auch zwei Mutterschafe wurden angegriffen.



Im zuletzt geschilderten Fall bot sich dem Herdenbesitzer ein besonders schreckliches Bild: Die getöteten Tier lagen über mehrere hundert Meter auf der mit einem Stromzaun gesicherten Weide verstreut. Der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) sagte der schockierte Schäfer, dass er 'solche Kehlbisse' noch nie gesehen habe. Drei Schafskadaver wurden zur Untersuchung ins Veterinäramt in Brandenburg/Havel gebracht.
Als Reaktion auf den Vorfall im Wallis forderte der Schweizer Bauernverband (SBV) jetzt eine Überarbeitung des Wolfskonzepts. Das vor fast zehn Jahren erarbeitete "Konzept Wolf" sei von der Realität überholt worden. Die Schäden bei Schafen und Ziegen seien in den letzten Jahren markant angestiegen, mit dem Angriff auf Rinder nehme die Wolf-Nutztierproblematik in der Schweiz eine neue Dimension an.

Die Fachkommission Viehwirtschaft des SBV weist zudem den Vorwurf zurück, die Tierhalter und Betreiber der Alpen würden die Tiere ungenügend schützen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden sei auf Schafe begrenzt, sehr anspruchsvoll und nicht überall möglich. Bei Angriffen auf Rinder hätten die Bauern nichts gegen den Wolf in der Hand. Die Tierverluste stellten für die betroffenen Bauern eine große Belastung dar und seien mit erheblichen Kosten verbunden, die niemand entschädige. Die gerissenen Tiere litten große Qualen. Daher sei es für die betroffenen Tierhalter schwierig zu verstehen, warum die Wiederansiedlung eines Raubtiers höheren Stellenwert genieße, als der Schutz ihrer Tiere.

Auf die ihm eigene Art hat der WWF die Diskussion bereichert: Dessen Artenschutzexperte Stefan Ziegler hält die Besiedlung deutscher Vorstädte durch Wölfe für möglich. Der Generalist könne wie Füchse oder Wildschweine gut im Stadtwald leben, intakte Natur brauche er dafür nicht unbedingt.
Für sich genommen ist diese Aussage sicherlich richtig, der Wolf kann das – wenn der Mensch ihn lässt! Die Frage ist nur, ob es klug ist, ihn zu lassen. Die vielen Omis mit ihren Schosshündchen und Freilauf-Katzen haben dazu sicher eine eigene Meinung. RJE