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Schwarzwild: Erfolgreiche Jagd im Frühjahr

Ein Schwarzwild-Überläufer wurde erlegt © CS
Ein Schwarzwild-Überläufer wurde erlegt © CS

Der Überläufer stand nachmittags mit einer Rotte im Gebräch und wurde sauber erlegt.

In Revieren mit überhöhten Beständen und/oder starken Wildschäden müssen auch im Frühjahr viele Waidgenossen die Zeit nutzen, um Strecke zu machen. Aber Vorsicht: Alle Wildarten nutzen im Frühjahr das längere Tageslicht, die wärmenden Sonnenstrahlen und die nach dem zehrenden Winter besseren Fraß- beziehungsweise Äsungsverhältnisse.

Herrscht dann zu hoher Jagddruck, traut sich das wiederkäuende Schalenwild nicht aus der Dickung und kann Verbiss- sowie Schälschäden verursachen.

Gute Chancen im Frühjahr

Der passt: Die Bauchlinie ist frei, der Pinsel erkennbar – es handelt sich um einen Überläuferkeiler. © Michael Breuer

Der passt: Die Bauchlinie ist frei, der Pinsel erkennbar – es handelt sich um einen Überläuferkeiler.

Wenn es die Revierverhältnisse und und die Witterung zulassen, sollte Schwarzwild das gesamte Jagdjahr bejagt werden. Nur so können wir einen gesunden Bestand erhalten und Wildschäden vorbeugen.

Vor allem haben wir aber im Frühjahr aufgrund der Biologie der Sauen gute Chancen, einige Stücke auf die Schwarte zu legen. Die abgeschlagenen Frischlinge beziehungsweise Überläufer sind dann auf sich alleine gestellt und daher teilweise schon am frühen Nachmittag oder auch in den späten Morgenstunden unterwegs. In meinem Jagdtagebuch finden sich daher im Frühjahr teilweise ungewöhnliche Erlegungszeiten von beispielsweise acht Uhr, 13 Uhr oder 16 Uhr – und das ist gut so. Denn tagsüber ist genügend Licht, um sauber anzusprechen, ansonsten liegt zu dieser Jahreszeit schnell eine führende Bache. Die Mondphase im April nutze ich daher nicht zur Jagd.

Die liebsten Aufenthaltsorte

Unter umgestürzten Bäumen oder einzeln stehenden Fichten suchen sich Sauen gerne ein trockenes, sonniges Plätzchen. © Lutz Hamann

Unter umgestürzten Bäumen oder einzeln stehenden Fichten suchen sich Sauen gerne ein trockenes, sonniges Plätzchen.

Im Prinzip gibt es vier Aufenthaltsorte, an denen die Sauen zu jeder Jahreszeit zu finden sind:

  • Umfeld des Tageseinstandes
  • Fraßstellen (Gebräch)
  • Suhlen
  • Wechsel zwischen diesen Orten

Doch wo liegen die Sauen im März oder April am liebsten? Im Gegensatz zum Sommer (kühle, feuchte, schattige Plätzchen) bevorzugen sie im Frühjahr trockene, sonnige und daher warme Tageseinstände. Das sind beispielsweise:

  • lockere Waldbestände in Südhanglage,
  • Wald-Wiesen-Kanten, die nach Süden ausgerichtet sind,
  • einzeln stehende Nadelbäume,
  • geworfene Bäume (Totholz), sowohl in lockeren Waldbeständen als auch in kleinen Feldgehölzen
  • Schilfgebiete, Brachen und Farn ­(gutes und wärmendes Material für Kessel und Lagerstellen) sowie
  • dichte Brombeerbestände.
An Wechseln lohnt sich ein Ansitz im Frühjahr besonders morgens. © Lutz Hamann

An Wechseln lohnt sich ein Ansitz im Frühjahr besonders morgens.

Sauen am Wechsel abpassen

Von diesen Tageseinständen wechseln die Sauen zu ihren Fraßstellen und wieder zurück. Es bietet sich daher an, die Sauen morgens am Rückwechsel oder abends beim Auswechseln dort abzupassen.

Zunächst muss der Jäger aber frisches Gebräch finden, um die Wechsel von den Einständen zu den Fraßstellen herauszufinden. Das setzt gute Revierkenntnisse voraus. Natürlich sind die Stellen besonders aussichtsreich, an denen frisch gebrochen ist. Gerade auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist dort zur Schadensabwehr intensive Jagd notwendig.

Am frühen Nachmittag sind die Schwarzkittel teilweise auf den ersten von der Sonne aufgetauten Wiesen unterwegs. Oft ziehen die Sauen auch in lockeren Waldbeständen umher. Dort können sie energiesparend brechen oder Reste von Eicheln und Bucheckern aufnehmen.

Fraßstellen im Frühjahr

Achtung Einzelgänger: Kugelrunde Bache mit Strichen kurz vorm Frischen. © Michael Breuer

Achtung Einzelgänger: Kugelrunde Bache mit Strichen kurz vorm Frischen.

Bleibt im Herbst die Mast aus und folgt ein harter Winter, verhält sich das Schwarzwild anders. Sie graben dann junge Eichen aus und zerkauen deren Wurzeln. Dabei richten sie in Eichenkulturen große Schäden an. Ich habe im Frühjahr auch oft „grasende Sauen“ beobachtet. Es handelte sich häufig um Bachen, die den Fraß vermutlich für ihre Milchproduktion benötigen – also Vorsicht! Auch alte Baumwurzeln sowie Ameisenhaufen werden nach Fressbarem durchwühlt oder gar ausgegraben.

Habe ich Sauen vor, beginnt im Ausschlussverfahren das zu dieser Jahreszeit äußerst anspruchsvolle Ansprechen der Rottenmitglieder. Das ist zu dieser Jahreszeit nur bei gutem Licht möglich. Zusätzlich muss der Bewuchs niedrig sein, um Frischlinge und die Bauchlinien der Stück zu erkennen:

Im Zweifel muss die Kugel im Lauf bleiben. Und auch dann hat sich der Ansitz in der erwachenden Natur gelohnt. Denn den Duft im Frühjahr einzuatmen und das Trompeten der Kraniche als Begleitorchester zu genießen, ist für mich immer eine besondere Belohnung der grünen Leidenschaft und Motivation für den nächsten Ansitz.

Lutz Hamann


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