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Schießen auf engen Schneisen

(Foto: I.L.A.)


Zunächst sollte sich der Jagdleiter fragen, ob Stände auf engen Schneisen wirklich notwendig sind. Über Schneisen geht Wild schnell, wird dort nicht verhoffen. Der Jäger kann oft nur eins tun: ansprechen oder schießen, beides geht (meist) nicht. Die Gefahr eines Fehlabschusses ist auf solchen Ständen besonders groß und wer erlebt hat, wie die Sauen nur so durchrauschen, kann verstehen, warum viele Schützen nicht zum Schuss kommen.
Bei einer Fünf-Meter-Schneise sind 20 Meter Schussdistanz schon als weit anzusehen. Nur wenn eine Rotte über die Schneise geht, kann ein Schuss auf einen Frischling gelingen oder bei einer Überläuferrotte auf eines der letzten Stücke. Der Schütze ist dann quasi vorgewarnt und kann erahnen, was als nächstes kommt.

Wer einen Stand an einer Schneise zugewiesen bekommt, muss eine entsprechende Waffe führen, die 'Schnappschüsse' überhaupt ermöglicht. Sonst sollte man den Jagdleiter um einen anderen Stand bitten. Die Art der Büchse spielt keine große Rolle, denn mehr als ein Schuss auf das gleiche Stück ist kaum möglich. Die Waffe muss dem Schützen von der Schäftung her genau passen, und er muss damit wirklich vertraut sein.
Der Abzug sollte als Direktabzug arbeiten und keine Manipulationen vor dem Schuss erfordern (Stecher sind ungeeignet). Wer in der Lage ist, über Kimme und Korn sauber zu schießen, ist gegenüber Jägern, die optische Visierhilfen benutzen ganz klar im Vorteil. Hier gibt es weder ein eingeschränktes Sehfeld, einen Mindestaugenabstand oder Parallaxeprobleme.

Nicht jedes offene Visier ist aber auch 'drückjagdtauglich', genau genommen sind es nur sehr wenige. Das Manko vieler Visierungen ist, dass sie viel zu filigran ausfallen. Die Kimmeneinschnitte sind zu eng und das Korn ist zu fein. Dazu kommt noch, dass die Kimme viel zu nah vor dem Auge des Schützen liegt. Optimal sind etwa 40 cm – also in Leseentfernung. Messen Sie bei Ihrer Serienwaffe die Probe aufs Exempel – sie werden erstaunt sein! Bei einer kurz vor dem Auge angebrachten Kimme ist der Schütze gar nicht in der Lage, sie scharf zu sehen. Daher glauben viele Schützen, sie hätten zu schlechte Augen für den Schuss über Kimme und Korn. In Wirklichkeit ist oft nur die Kimme falsch platziert. Gute Drückjagdvisiere haben dachförmig abgeschrägte Kimmen, die das Ziel möglichst wenig verdecken, farbige Einlagen und genügend große Einschnitte. Das Korn sollte ebenfalls farbig sein und von der Größe her optimal auf den Kimmenschnitt abgestimmt sein.

Gute Drückjagdbüchsen, wie die Heym SR 30 Keilerbüchse oder die Drückjagdversion der Blaser R 93 haben von Hause aus solche Visierungen.
Wer nicht über Kimme und Korn schießen kann, sollte zu einem Rotpunktvisier greifen. Da keine Vergrößerung vorhanden ist, wird auch das Sehfeld nicht eingeschränkt. Visiert werden muss aber beidäugig. Beim Gebrauch des Leuchtpunktvisieres entsteht dann der Eindruck, der rote Zielpunkt befände sich direkt auf dem Wildkörper. Ein bestimmter Augenabstand muss nicht eingehalten werden, was den Vorteil hat, dass das Visier bei rückstoßstarken Kalibern genügend weit vom Auge entfernt platziert werden kann. Ein Leuchtpunktvisier ist fast so schnell wie eine offene Visierung.