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Mit scharfer Schneide

Zum effektiven Holzspalten gehört ein nicht zu schmaler Hackstock in der richtigen Höhe. Er muss auf festem ­Untergrund stehen. (Foto: H. Eiber)


Grundsätzlich unterscheidet man zwischen kurzstieligen 'Beilen' für den Einhandgebrauch und langstieligen 'Äxten', die mit beiden Händen geführt werden. Bei normalen Gebrauchs­äxten für die Behandlung von frischem Baumholz unterscheidet man weiterhin nach der jeweiligen Form des Kopfes zwischen einer 'Fäll-', 'Forst-' oder 'Ent­astungsaxt', die Holzfasern von der Seite her durchschneidet, und einer 'Spaltaxt' zum Trennen der Fasern in Längs­richtung.
Klassische Fäll- oder Entastungsäxte mit schlankem Blatt eignen sich aber höchstens zum Spalten von kleinerem Holz. Beim Arbeiten an größeren Holzstücken klemmt das schmale Blatt schnell hartnäckig fest. Gängige Praxis ist dann, den noch ungespaltenen Rundling mit der darin steckenden Axt bis über den Kopf zu heben, dort umzudrehen und den Axtnacken mit Wucht auf den Holzstock niederfallen zu lassen. Das Risiko dabei: Das Holzstück kann sich in der Luft unvermittelt von der Axt lösen, auf den eigenen Kopf herunterstürzen oder beim Aufprall auf dem Stock gefährlich unkontrolliert wegspringen.
Sogenannte Universaläxte sind mit etwas Vorsicht zu genießen, obwohl sie ein etwas stärkeres Blatt besitzen, das auch zum Holzspalten geeignet sein soll. An eine spezielle Spaltaxt kommen sie aber bei Weitem nicht heran. Diese sprengt mithilfe ihres breiten, schweren Kopfes das Holz sehr effektiv auseinander, ­ohne sich selbst einzuklemmen. Die 'ultima ratio' für das händische Spalten von knorrigem, astigem Holz ist allerdings der noch etwas schwerere Spalthammer. Ideal ist ein leicht konkav geformtes Blatt, das besonders mühelos spaltet. Der Unterschied des Spalthammers zur Spaltaxt ist sein weniger trompetenförmig ausgebildetes Blatt mit kurzer Schneide, das etwas höhere Gewicht (ca. 2,5 bis über 3,0 kg) sowie der starke Nacken (Hammerteil) zum Einschlagen von Spaltkeilen.

Der richtige Schliff

(Zeichnung: H. Eiber)


Zum Schärfen einer Axtschneide eignen sich unterschiedliche Geräte und Werkzeuge. Das fängt sehr einfach an, denn der Grundschliff kann dabei durchaus mit ­einer simplen Flachfeile erfolgen. Dazu wird der Axtkopf mit der nach oben ragenden Schneide in einen soliden Schraubstock eingespannt. Sind kleine Scharten aus der Schneide herausgebrochen, wird durch waagerechtes Aufsetzen der Feile so viel Material abgetragen, bis die Fehlstellen verschwunden sind. Die Schneide ist nun absolut stumpf und wird durch schräges Ansetzen der Feile und entsprechende laufende Anpassung des Schärfwinkels wieder in die gewünschte 'ballige' Form gebracht. Durch nachfolgenden Einsatz einer feineren Feile – und viel Geduld – kann bereits eine sehr beachtliche Schärfe erreicht werden.
Elektrischer Strom beschleunigt das Ganze, aber nicht jedes Schleifgerät ist in dieser Hinsicht geeignet. So birgt der beliebte Winkelschleifer nicht zu unterschätzende ­Risiken. Die rasend rotierende Scheibe nimmt sehr schnell Material von der Schneide ab und es kann zu erheblichen Ungenauigkeiten im Schleifbereich kommen. Außerdem droht die Überhitzung des Metalls in der dünnen Schneidenregion. Wird das Metall plötzlich blau, ist es zu heiß geworden.
Recht gut lässt sich ein gewöhnlicher Bandschleifer mit einem Schleifband 80er- bis 120er Körnung einsetzen. Die Schneide kann dabei wahlweise in oder gegen die Bandlaufrichtung zeigen. Gegen die Laufrichtung ist das Einhalten des Schleifwinkels aus der Hand vielleicht sogar etwas besser zu steuern, außerdem entsteht an der Schneide kein Metallgrat.
Baumärkte bieten oft recht preisgünstige kombinierte elek­trische Nass- und Trockenschleifer an. Die schnell drehende trockene Scheibe ist allerdings ebenfalls ein sehr aggressiver Materialfresser und erhitzt das Metall rasch. Ich benutze ihn nur als Einstieg (zum Beispiel, wenn ich eine alte, restlos stumpfe Axtschneide neu aufbauen muss), kühle aber das Metall zwischendurch immer wieder in einem Eimer mit kaltem Wasser ab. Im Vergleich dazu läuft der nasse Stein im Wasserbad erheblich langsamer und schleift das Metall sehr sanft und moderat ab.
Auf einem Flohmarkt habe ich vor einigen Jahren einen alten Nassschleifstein mit Handkurbel und hölzernem Wassertrog für wenig Geld erstanden. Nach ein paar kleineren Reparaturen lief die Sandsteinscheibe wieder gleich­mäßig rund in den Lagern. Beile und Äxte werden damit wunderbar scharf. Bei Nassschleifern darf man übrigens nie vergessen, am Ende den Wasserbehälter zu entleeren, sonst saugt sich der Stein einseitig voll und wird unwuchtig.
Zum Schluss wird die Schneide noch mit einem feinen Stein 'abgezogen'. So wird der beim Schärfen entstandene Metallgrat entfernt und die Oberfläche geglättet. Im Handel gibt es dafür sehr praktische handliche rechteckige oder runde Steine mit einer raueren Seite zum Schleifen und einer feinen zum Abziehen, die sich problemlos an jeden Einsatzort mitführen lassen. Ich verwende einfach ein faustgroßes Stück einer Marmorplatte aus dem Res­te­haufen eines Steinmetz­betriebs. Hier noch ein Tipp von erfahrenen Waldarbeitern, um die Schneide grundsätzlich zu schonen: Schlagen Sie tote und damit besonders harte Äste einfach mit dem Nacken der Axt weg.
Die Schärfe einer Axtschneide lässt sich schnell beurteilen, indem man sie nach oben weisend in Längsrichtung gegen eine Lichtquelle hält. Falls kleine Reflexionen auf der Schneide winzige Uneben­heiten anzeigen, kommt ­zumindest wieder der Abziehstein zum Einsatz. Gute Äxte werden oft mit einem Schneidenschutz aus Gummi oder Leder geliefert. Lassen Sie die Schneide nur dann ohne diese Schutzkappe, wenn Sie gerade mit der Axt arbeiten.
Bei Spaltbeilen, -äxten oder -hämmern spielt grundsätzlich weniger die absolute Schärfe der Schneide eine Rolle. Wichtig sind glatte, reibungsarme Wangen des Blattes, um den Widerstand beim Eindringen in den sich stetig vergrößernden Holzspalt so gering wie möglich zu halten. Regelmäßiges Einölen, Fetten oder Einwachsen der Wangen fördert die Spalteffizienz und schützt das Metall nebenbei gegen Rost. Da ich aber eine makellose Schneide trotzdem nicht für schädlich halte, gönne ich auch meinen Spaltäxten und -hämmern des Öfteren einen kurzen Feinschliff mit dem Abziehstein, um aus kleineren Verformungen an der Schneide keine größeren werden zu lassen.

Gut gestielt

(Fotos: H. Eiber)


Ein nicht mehr einwandfrei erscheinender Stiel wird grund­sätzlich erneuert. Häufig ist direkt unter dem ­Axtkopf der Stielansatz beschädigt, denn bei schlecht gezielten Hieben knallt diese Stelle gerne auf das Holz. Manche Hersteller schützen deswegen ihre Spaltäxte und Spalthämmer dort mit einer Metallverkleidung.
Zum Entfernen des Stiels wird der Axtkopf ebenfalls in einen soliden Schraubstock eingespannt und der Stiel ­anschließend mithilfe eines Durchschlageisens und eines schweren Hammers oder Fäus­tels aus dem Öhr heraus­getrieben. Sitzt das Holz un­verrückbar fest, wird das Öhr vorsichtig mit einem größeren Bohrer aufgebohrt, um den Druck zur Öhrwand zu verringern. Dabei muss man natürlich auf eventuell vorhandene Metallkeile achten. Manchmal ist es auch leichter, den Stiel bündig am Kopf abzusägen und dann nach oben herauszutreiben.
Erste Wahl für einen neuen Stiel ist das sehr zähe und strapazierfähige amerikani­sche Hickory-Holz. Esche oder Eukalyptus ist etwas preisgünstiger, aber ebenfalls sehr widerstandsfähig und gut verwendbar. Auf den unterschiedlichen Größen und Längen von Markenstielen ist in der Regel angegeben, für welches Kopfgewicht die jeweilige Ausführung gedacht ist (z.B. 600, 800 oder 1000 g). Zum Zeitpunkt des Einbaus des neuen Stiels sollte das Holz so trocken sein wie möglich. Geben Sie ihm keine Gelegenheit, durch falsche Lagerung bis zum Einstielen Feuchtigkeit aufzunehmen, sonst wäre der dauerhafte feste Sitz im Axtöhr nicht gewährleistet. Trockenes Holz kann nicht weiter schrumpfen, feuchtes schon.
Weitere notwendige Kleinteile für den fachgerechten Einbau des neuen Stiels sind ein Hartholzkeil sowie ein flacher oder ein ringförmiger Metallkeil. Der obere Teil des neuen Stiels ist normalerweise schon werkmäßig längs eingeschlitzt, er nimmt später den Hartholzkeil auf. Sollte dieser Spalt fehlen, muss er nachträglich mit einer Handsäge eingesägt werden. Danach wird das Stiel­ende mit einer Holzraspel so passgenau geformt, dass es zwar etwas Mühe macht, ihn ins Öhr zu treiben, der Längsspalt aber dabei nicht zugedrückt wird. Damit ­wäre das Einschlagen des Keils nicht mehr möglich.
Den Axtkörper nun senkrecht auf ebenen und harten Boden stellen und das vor­bereitete Stielende mit einem Hammer einklopfen, bis es wenige Millimeter aus dem Auge herausragt. Dann die Axt umdrehen, mit dem Stiel auf den Boden setzen und etwas Holzleim oder Epoxy-Kleber in den Spalt geben. Der flüssige Kleber erleichtert das Eintreiben des Hartholzkeils und sorgt nach dem Aushärten für eine solide Verbindung mit dem Holz des Stiels. Das Einschlagen geschieht mit einem schweren Hammer oder einem Fäustel, drückt das etwas aus dem Öhr herausragende Stielende geringfügig pilzförmig auseinander und schützt so den Axtkopf zuverlässig gegen Abrutschen. Lässt sich der Hartholzkeil nicht gänzlich einschlagen, wird der überstehende Teil bündig abgesägt.
Die abschließende Sicherung ist ein passender Metallkeil. Flache Keile kommen quer oder schräg über den Hartholzkeil, Ringkeile mittig. Letztere verteilen den Druck gleichmäßig nach allen Seiten. Bei schweren Äxten werden auch mehr Keile gesetzt. Auch hier darf man das Einschlagen nicht mit Gewalt betreiben. Die Keile können mit der Metallsäge angepasst werden.
Ein roher Holzstiel wird lackiert oder geölt. Ich ziehe das Einölen als Schutz gegen Feuchtigkeit vor, es betont auch die natürliche Maserung des Holzes auf attraktive Weise. In Baumärkten findet man geeignete Produkte wie Teak- oder Holzöl für Gartenmöbel. Ein altes bewährtes Mittel ist Leinöl oder Leinölfirnis. Beachten Sie die Anwendungs- und Sicherheitshinweise auf den Packungen: Mit Ölen dieser Art getränkte Lappen oder Papiertücher können sich selbst entzünden! Ein ungefährlicher Geheimtipp und preislich nicht unbedingt teurer ist Walnussöl aus der Lebensmittelabteilung eines Supermarktes.

Effektiv spalten

(Fotos/Zeichnung: H. Eiber)


Wer pro Jahr größere Mengen Brennholz spaltet, wird irgendwann auf technische Hilfsmittel nicht verzichten wollen und sich die Unterstützung eines hydraulischen Spalters sichern. Kommt man dagegen mit einigen Ster Holz über den Winter, dann reicht auch die eigene Muskelkraft, richtiges Spaltwerkzeug vorausgesetzt. Frisches Holz, also solches mit hohem Wassergehalt, ist immer besser spaltbar als altes trockenes. Das enthaltene Wasser wirkt als Gleitmittel und nasse Holzfasern lösen sich besser voneinander. Gespaltenes Holz trocknet zudem deutlich schneller als ungespaltenes Rundholz. Zwei wichtige Gründe, warum man Brennholz nach der Gewinnung zügig klein machen sollte. Stellen Sie das zu spaltende Holzstück aber niemals einfach auf den Boden. Schlägt die Axt ganz durch und trifft dann auf Stein oder Beton, wird die Schneide unweigerlich beschädigt. Sie brauchen also einen guten Hack- oder Haustock.
Die besten sind aus harter, zäher Eiche und so hoch, dass die Axt möglichst senkrecht auf das zu spaltende Holzstück auftrifft und es mit einem Hieb der Länge nach spaltet. Die Axt bleibt dann in der Oberfläche des Hackstocks stecken. Aus Sicherheitsgründen ist der Stock auch nicht zu schmal, seine Kronenbreite beträgt rund 50 bis 60 Zentimeter, und er muss auf einer harten Unterlage stehen. Stellen Sie das zu spaltende Holzstück immer auf die Ihnen gegenüberliegende Seite des Hackstocks.
Misslingt ein Hieb und gleitet die Axt vom Holz ab, wird sie von der breiten Fläche des Stocks aufgefangen und saust nicht auf gefährliche Weise in Richtung Ihrer Beine. Holzstücke, deren Durchmesser größer ist als die Länge der Axtschneide, sollen möglichst nicht in ihrer Mitte getroffen werden. Dort befindet sich nämlich das ­zähe, wasserarme Kernholz. Zielen Sie stattdessen auf die Ihnen zugewandte Seite des Holzstücks im Bereich des außen liegenden feuchten und damit leichter spaltbaren Splintholzes. Astige Holzrundlinge werden so abgestellt, dass sich die Äste möglichst weit oben befinden. Zielen Sie mit der Axt zwischen die Astwurzeln. So wird die kinetische Energie des Axthiebes optimal verwertet.
Ist das Holz gespalten, muss es richtig gelagert werden, damit es ofentauglich austrocknen kann. Wird der Stapel im Frühjahr angelegt und darf über den folgenden Sommer und Winter stehen, verliert das Holz in dieser Zeit seinen natürlichen Wassergehalt bis zur durchschnittlich vorherrschenden Luftfeuchtigkeit, da es von allen Seiten gut durchlüftet wird. Wenn es dann ab dem nächsten Frühjahr unter Dach kommt und ab dann auch gegen Regen geschützt ist, kann es im folgenden Winter verheizt werden.