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Schalldämpfer: Das müssen Jäger zur Pflege und Trocknung wissen

Sascha Numßen, Chefredakteur © dlv
Sascha Numßen
am
Donnerstag, 23.12.2021 - 12:11
Zerfressenes-SD-Gewinde © Sascha Numßen
Nie getrocknet: Andreas Jakele hat seinen ersten Dämpfer nie getrocknet. Eine Frage der Zeit, wann das Gewinde abgerissen und das Innenleben im Schuss mit entsprechendem Rückstoß nach vorn weggeflogen wäre.

Mittlerweile habe ich den dritten Schalldämpfer gekauft und damit einen Repetierer in .223 Remington und zwei in .308 Winchester – optimale Kaliber für kurze Läufe – ausgestattet. Meine Begeisterung steigt von Schuss zu Schuss und von Jagderlebnis zu Jagderlebnis. Doch ein Büchsenmacher sagte neulich im Gespräch, dass für ihn Schalldämpfer Verbrauchsgüter seien. Wie Munition oder Benzin. Ganz schön teurer Spaß, denke ich mir.

"Wer nicht pflegt und trocknet, bei dem bildet sich schneller als gedacht Lochfraß“

Verbrauchsgut – vielleicht in Norwegen, wo man sich „Schallis“ einfach kaufen kann. Bei uns, mit Eintrag und Austrag in die Waffenbesitzkarte (WBK), ist das irgendwie was anderes. Was mich aber schon immer etwas verunsichert hat, ist, dass der Schalldämpfer wie eine Art „Black Box“ anmutet: Man kann nicht reinschauen und weiß daher auch nicht, was drin vorgeht. Mein A-Tec H2 bildet da eine schöne Ausnahme, da man ihn zerlegen kann. Bei ihm sieht man sehr gut, was sich da nach jedem Schuss an neuen Pulverrückständen ablagert.

„Bis der Jäger merkt, dass im Innern etwas kaputt ist, hat er im günstigsten Fall die plötzlich abnehmende Präzision auf dem Schießstand bemerkt oder im schlimmsten Fall draußen ein paar Stücke krankgeschossen“, stimmt mich Büchsenmachermeister Andreas Jakele zusätzlich nachdenklich.

Aus den Pulverrückständen bildet sich in Kombination mit Feuchtigkeit Salpeter und Ammoniak. Beides setzt dem Dämpfermaterial arg zu. „Den scharfen Geruch bemerkt man sofort an der Schalldämpfermündung“, hält mir Jakele einen dreckigen Dämpfer unter die Nase. „Es ist egal, ob Sie Alu oder Stahl haben und wie dick die Wandung ist. Wer nicht pflegt und trocknet, bei dem bildet sich schneller als gedacht Lochfraß“, weiß Jakele aus der praktischen Erfahrung in seinem Büchsenmacherbetrieb in Weitnau bei Isny zu berichten. Innerhalb von nur zwei bis drei Monaten kann ein schlecht gewarteter Dämpfer mit dünnen Wandungen schon das Zeitliche segnen. Jakele wunderte auch der freiwillige Rückruf der R8 und S404 Silence nicht. „Der untere Teil des Dämpfers war quasi Auffangbecken für die aggressiven Pulverrückstände. Der Hersteller hat proaktiv reagiert und ersetzt ohne Aufpreis das Überrohr jetzt sogar durch eines aus Titan.“ Der einzige Werkstoff laut Jakele, der dem brisanten Mix aus Pulverrückständen auf Dauer standhält!

Lochfrass © Sascha Numßen

Lochfraß: Pulverrückstände sammeln sich hinterm Gewinde, trocknen nicht und fressen sich durchs Metall (Pfeile).

Ab ins Schießkino – Feuer frei!?

Dauerfeuer vertragen Stahldämpfer wie Ase Utra u.Ä. Alu und Carbon hingegen sind für solche Belastungen nicht ausgelegt. Die paar Schuss in Folge auf der Jagd sind aber überhaupt kein Problem, sie punkten dafür mit dem geringeren Gewicht. Was ebenfalls gängige Praxis ist, sind Schalldämpfer-Überzieher aus Neopren oder Cordura. Eine praktische Sache! Der Dämpfer schlägt nirgendwo an, ist geschützt und lautlos auf der Jagd einsetzbar. Zudem unterdrückt er das Hitzeflimmern, sollten doch mal vier, fünf Schuss nacheinander abgegeben werden.

Aber im Schießkino sollte der Neoprenschutz besser runter, denn der Dämpfer kann sonst kaum Wärme nach außen abgeben und überhitzt noch schneller.

Wieder nicht zu Schuss gekommen!

Selbst wenn man auf der Jagd keinen Schuss abgegeben hat, sollte der Schalldämpfer trotzdem immer (!) getrocknet werden. Vor allem im Winter, wenn draußen Minusgrade herrschen und der Dämpfer ins warme Haus kommt und sich Kondens- oder Schwitzwasser außen, aber insbesondere auch innen (!) bildet. Dann herrscht Alarmstufe Rot. Dieses Phänomen kennt man von Ferngläsern oder Zielfernrohren, deren Linsen bei Zimmertemperatur auch beschlagen. Im Winter mehr, im Sommer allerdings auch, wenn man etwa morgens das Fernglas aus dem kalten Auto in die gute Stube holt. Der Schalldämpfer muss dann unbedingt getrocknet werden, weil das Kondenswasser die Pulverrückstände aktiviert und die dann in bester „Karius-und-Baktus-Manier“ Löcher in die Dämpferwand fressen.

Gutes Werkzeug braucht gute Pflege!

Den magnetisch haftenden SD-Halter von Masimo gibt es in S (bis 35 mm), L (bis 55 mm) und XL (bis 65 mm) für 16,90 bis 34,90 Euro.

Das Trocknen ist keine Garantie dafür, dass Ihr Schalldämpfer ein Leben lang hält. Denn in einem Dämpfer und an seiner Mündung werden bei jedem Schuss enorme Kräfte und Hitze freigesetzt. Die sorgen für Materialbelastung und -ermüdung. Dass man durch die richtige Pflege und Trocknung ein absehbares Ende aber weiter in die Zukunft hinauszögern kann, sollte jedoch Grund genug sein, sich mit dem Thema zu befassen. Gutes Werkzeug braucht eben immer gute Pflege!