Home Praxis Saujagd: Wo liegt der optimale Haltepunkt?

Saujagd: Wo liegt der optimale Haltepunkt?

Wildschwein steht verhoffend in Rapsfeld © Frank Eckler

Setzt man sich mit sofort tödlichen Schüssen auseinander, ist festzuhalten, dass es keinen absolut sicheren Schuss gibt. Ein Schuss, der bei dem einen Stück zum sofortigen Verenden führt, kann selbst bei absolut identischer Trefferlage und vergleichbarem Gewicht bei einem anderen zu einer Flucht führen. Die Ursachen dafür sind sehr komplex und hängen auch mit individuellen Erregungszuständen zusammen.

Die Gretchenfrage nach der optimalen Trefferlage hat insbesondere bei Sauen in der Vergangenheit viele Blüten treiben lassen. Der Schuss hinter den Teller wirkt zweifellos sofort, aber nur dann, wenn er ins Rückenmark, Gehirn oder sehr nah daran auftrifft, bzw. die Carotiden (Halsschlagadern) eröffnet. Dies setzt eine sehr hohe Präzision des Schusses voraus, die unter den jagdlichen Bedingungen nicht immer gewährleistet werden kann.

Ähnlich verhält es sich bei Schüssen auf das Herz. Dieses liegt auf der Höhe der vierten bis fünften Rippe sehr tief in der Brusthöhle. Wird es erfasst, führt der hydrodynamische Effekt zu einer maximalen Zerstörung. Allerdings ist der Bewegungsapparat meistens noch intakt. Außerdem führen nach unten abweichende Treffer schnell zu Fehl- oder Laufschüssen.

Schuss aufs Blatt

Der optimale Haltepunkt: An der Vorderseite des Vorderlaufs nach oben bis zur Mitte des Wildkörpers hochfahren (nicht zu hoch!). So werden Blattschaufel und Wirbelsäule getroffen, was zum blitzartigen Zusammenbrechen führt. © Illustration: dlv-Jagdmedien

Optimales Training für den optimalen Haltepunkt: Das beidseitig bedruckte Schussplakat "Schwarzwild" erleichtert die Vorbereitung auf die Saujagd.

Aus dem gleichen Grund ist vor Treffern hinter dem Blatt zu warnen. Auch hier kommt es bei Abweichungen schnell zu Konsequenzen. Weicht der Sitz der Kugel nur ein wenig nach hinten ab, führen Leberschüsse unter Umständen zu langen Nachsuchen.

Der Schuss aufs Blatt dagegen verspricht die höchste Wahrscheinlichkeit, das Stück im Knall verenden zu lassen. Gleichzeitig bietet diese Trefferlage maximale Sicherheit, da die Schüsse selbst bei etwaigen Abweichungen auf einer großen Fläche im Leben bleiben.

Aus anatomischer Sicht bietet der Blattschuss zudem den Vorzug, dass die Wirbelsäule bei Sauen auf dieser Höhe sich nach unten absenkt und das Geschoss den Wildkörper nahe der Wirbelsäule durchschlägt. Dies hat neben dem Öffnen der Kammer den Vorteil, dass sogenannte Spinalnerven, die aus dem Rückenmark in den Körper ziehen, direkt (Zerstörung) oder zumindest indirekt (Druckwirkung) erfasst werden, was die Wirkung verstärkt.