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Saujagd im Feld: Ansitz und Pirsch im Sommer auf Wildschweine

Florian Standke © Florian Standke
Florian Standke
am
Freitag, 13.08.2021 - 16:49
Wildschweine im Feld © WildMedia - stock.adobe.com
Bei der Bejagung von Wildschweinen im Sommer ist einiges zu beachten.

Welche Optik sollte der Jäger bei der Jagd auf Sauen im Feld wählen?

Bezüglich der Zielfernrohre sind variable Ansitzgläser mit mindestens zehnfacher Vergrößerung das Mittel der Wahl (z.B. Swarovski Z8i 2-16x50). Mit ihnen lässt sich sowohl bei Tageslicht auf weite Distanz schießen, als auch nachts mit Vor- oder Aufsatzgeräten weidwerken. Bei Letzteren kann Wärmebild- oder Nachtsichttechnik zum Einsatz kommen – letztlich ist dies Geschmackssache. Zielfernrohre mit einer festen Vergrößerung (z.B. achtfach) sind in Kombination mit Vor- und Aufsatzgeräten nahezu unbrauchbar, da man in der Regel mit maximal sechsfach schießen sollte. Ansonsten wird das Bild zu pixelig. Ein hochauflösendes Wärmebild-Handgerät zum "Spotten" sowie ein herkömmliches Doppelglas runden das Optik-Paket ab.

Warum ist Wärmebild- und/ oder Nachtsichttechnik so hilfreich?

Mit Wärmebild- oder Nachtsichttechnik ist der Jäger vom Mondlicht unabhängig. Dies ist vor allem in ASP-Zeiten aber auch bei der Wildschadensverhütung wichtig, um dauerhaft Strecke machen zu können. Zudem erleichtert die Technik die Schussabgabe. Der Jäger muss nicht wie früher auf "dunkle Klumpen" schießen. Das anvisierte Stück und der korrekte Haltepunkt sind klar erkennbar. Hinzu kommt, dass der Schütze führende Bachen ansprechen und ebenfalls deren Frischlinge erkennen kann. Ein Wärmebild-Handgerät leistet auch bei Nachsuchen (Totsuchen) gute Dienste. Darüber hinaus werden Personen (z.B. Spaziergänger, Geocacher, „Gassigeher“), die sich im Gefahrenbereich aufhalten, sichtbar. Besonders in Stadt- oder Dorfnähe ist das ein wichtiger Sicherheitsaspekt

Welche Jagdarten bieten sich bei der Jagd auf Schwarzwild im Feld an?

In erster Linie bieten sich sowohl die Pirsch als auch der Ansitz an. Eine Kombination aus beiden Methoden ist bei der Saujagd selbstverständlich auch möglich. Vor allem bei Dunkelheit und in den frühen Morgenstunden ist die Jagd vielversprechend. Weiterhin sind Maisdrückjagden und Erntejagden relevant, bei denen der Schuss auf flüchtiges Schwarzwild die Regel ist.

Welche Waffen sind für die sommerliche Schwarzwildjagd im Feld geeignet?

Im Prinzip eignen sich alle Gewehre mit gezogenen Läufen (z.B. Repetierer, Drillinge, Bockbüchsflinten), auf denen eine passende Zieloptik (variabel) montiert ist. Die effektivste Kombination ist gewiss ein Repetierer samt Schalldämpfer sowie montiertem Vor- oder Aufsatzgerät. Häufig besteht damit die Chance auf eine Dublette, denn aufgrund der Dunkelheit und des Schalldämpfers können die Sauen die Lage nach dem Schuss schlecht einschätzen. Sie verhoffen nach einer kurzen Flucht gern noch mal, um sich zu orientieren. Nutzt der Jäger ein Wärmebildvorsatz, kann er ggf. ein weiteres Stück schnell anvisieren und erlegen.

Welche Ausrüstung darf bei der Saujagd nicht fehlen?

Wichtig sind – speziell bei der Nachtjagd – eine Stirnlampe sowie eine leistungsstarke Taschenlampe. Beide kommen hauptsächlich nach dem Schuss zum Einsatz, um z.B. den Anschuss zu finden. Vor allem bei der Pirsch ist ein vierbeiniger Schießstock, auf dem Vorder- und Hinterschaft ruhen, extrem praktisch. Er bietet auch bei weiten Schüssen im offenen Feld ausreichend Stabilität. Ansonsten sollte im Sommer eine Flasche Trinkwasser im Rucksack oder am Gürtel nicht fehlen. Weiterhin sind Mücken- und Zeckenschutz empfehlenswert.

Wo befinden sich im Feld die aussichtsreichen Stellen?

Vor allem Raps- und Maiskanten sind absolute Hotspots, da die Sauen in den Schlägen Deckung und Fraß finden. Früher oder später wechseln sie jedoch auch mal hinaus. Zweifellos sind besonders während der Milchreife Getreideschläge und die Wechsel dorthin attraktiv. Speziell bei Hitze und Trockenheit ziehen Wasser und Suhlen das Schwarzwild magisch an. Auch Stoppeln – vor allem abgeerntete Weizenschläge – sind besonders während den ersten Tagen nach der Ernte verlockend.

Welche Kleidung sollte man tragen?

Auf der Feldpirsch legt der Jäger längere Strecken zurück. Gerade im Sommer darf die Kleidung deswegen nicht zu warm sein – sonst läuft der Schweiß. In der Regel ist man richtig angezogen, wenn einem vor dem Loslaufen ein wenig kühl ist. Atmungsaktive Jacken und Hosen eignen sich deswegen besonders gut. Allerdings dürfen die Kleidungsstücke nicht zu laut sein. Moderne synthetische Stoffe rascheln oft in der Bewegung. Das kann im letzten Moment aufmerksame Stücke zur Flucht verleiten. Schuhe mit weichen (leisen) Sohlen sind außerdem empfehlenswert.

Was gilt es bei Nachsuchen zu beachten?

Ein Wärmebild-Handgerät ist enorm hilfreich, verendetes Wild zu finden. Teilweise wird sogar die Schweißfährte sichtbar, solange sie noch warm genug ist. Der Schütze sollte bei zu erwartenden Totsuchen (Anschusskontrolle!) alles daransetzen, das Stück noch am Abend zu finden, denn morgens ist es nicht mehr verwertbar. Allerdings muss die Sicherheit gegeben sein! Sobald das Gelände bzw. der Bewuchs (z.B. Raps, Mais, Weizen) die Sicht behindert, oder die Pirschzeichen am Anschuss nicht auf eine Totsuche schließen lassen (Lungenschweiß), muss die Suche abgebrochen werden. Gleiches gilt, falls das Stück nach etwa 100 m nicht liegt. Es droht bei größeren Stücken Lebensgefahr für den Jäger! Einige Vor- und Aufsatzgeräte verfügen über eine Videofunktion. Flüchtet das beschossene Stück, kann eine Sichtung des Materials wichtige Informationen über den Treffersitz liefern (z.B. Totsuche).


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