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Sind Salzsteine mit Zusatzstoffen sinnvoll? – Frag den Tierarzt

Dr. Armin Deutz
am
Montag, 29.11.2021 - 07:22
Stangensulze-Salz © Dr. Armin Deutz
Salz ist für unsere heimischen Wildtiere ein lebenswichtiger Mineralstoff.

Grundsätzlich wird die Frage, wie notwendig die Gabe von Salz an Wildwiederkäuer wirklich ist, schon lange unterschiedlich diskutiert. Obwohl Pflanzenfresser mit ihren Salzvorräten gut haushalten können, sind Salzvorlagen im Sommerhalbjahr (Haarwechsel, Milchbildung) durchaus anzuraten. Im Winter können Salzgaben jedoch Verbissschäden provozieren. Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlor, Magnesium oder Spurenelemente werden entweder direkt im Gewebe eingebaut, sind für den Stoffwechsel notwendig oder spielen eine Rolle in der Regulierung des osmotischen Drucks und pH-Werts von Körperflüssigkeiten. Über den Blutweg gelangen sie in alle Zellen und wirken entweder alleine oder als Teil körpereigener Wirkstoffe (z.B. Hormone und Enzyme).

Kochsalz (Natriumchlorid) besteht aus den Elementen Natrium und Chlor. Natrium kommt im Körper besonders im Speichel (als Natriumbicarbonat mit Pufferfunktion im Pansen!), Blutserum und in der Muskulatur vor, wo es am Ablauf der Muskelbewegungen beteiligt ist. Chlor kommt im Blut vor und ist darüber hinaus notwendig bei der Verdauung. Chlor-Mangelerscheinungen sind nicht bekannt. Bei Natrium könnte es eine leichte Unterversorgung geben, auch weil Pflanzen vier bis 80-mal mehr Kalium als Natrium enthalten und Wiederkäuer täglich große Kaliummengen ausscheiden müssen. Ein Natriummangel senkt die Eiweiß- und Energieverwertung und wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Weiterhin werden bei Wildtieren dadurch Wachstum, Milchproduktion sowie Milchfettgehalt vermindert.

Salz-mit-Zusatzstoffen © Dr. Armin Deutz

Ergänzungsfuttermittel sind hingegen lebensmittelrechtlich oft problematisch.

Wenn Salz mit weiteren Futtermittelkomponenten (wie Melasse, Haferflocken, Mais, Weizenkleie) zu einer Leckmasse vermengt wird, ist zu bedenken, dass einerseits eine zusätzliche Lockwirkung besteht und eine solche Vorlage damit in jedem Fall unter den Begriff „Kirrung“ fällt und je nach landesgesetzlichen Vorgaben verboten sein kann. Andererseits ist unbedingt zu berücksichtigen, dass die Beimengung von nicht zugelassenen Ergänzungsfuttermitteln (wie Aromastoffen) eine erhebliche futter- und lebensmittelrechtliche Relevanz haben, die auch das Image des Wildbrets als naturnahes Lebensmittel massiv gefährden können.