Wenn es rundum knallt

(Foto: J. Becker)


Kaum jemand denkt dabei an die Probleme, die für unsere tieri­schen Mitbewohner dadurch entstehen können. Abgesehen von Stallungen, die durch unachtsam abgefeuerte Raketen in Brand geraten und Pferde, Rinder oder Schweine gefährden, wird auch ein großer Teil ­unserer Hunde durch die Horrorgeräusche, die sie nicht einschätzen können, in Panik versetzt. Dabei ist es völlig egal, ob ein Hund schussfest ist oder nicht.
Bei der Jagd oder bei einer Hunde­prüfung wird ein Schuss immer in Situationen abgegeben, die für den Hund nachvollziehbar sind. Am Jahresende jedoch knallt es überall – für den Hund ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang.
Wie ist es nun zu erklären, dass der eine Hund sich hierbei fast im Erdboden verkriechen möchte und der andere Hund davon total begeistert ist? Hierzu zählt zum Beispiel auch mein Teckel, der sich über jeden Knall freut, weil er denkt, es ist Treibjagd. Meist wird der Grundstein dazu bereits im Welpenalter gelegt. Vielfach passiert dies aus Unachtsamkeit oder aber durch einen bewussten ­direkten Kontakt mit dem Silvestertreiben, von dem man meint, es härte den Hund ab.
Meist geht das aber eher nach hinten los. Dafür ist es oft noch nicht einmal notwendig, dass ein Knaller ­direkt zwischen den Beinen des Hundes explodiert, damit der Hund sich in den kommenden Jahren lieber in der hintersten Ecke eines Raums zitternd und mit ängstlichem Blick verkriechen möchte.

Vorsicht bei der Abendrunde

­Auch das Rausgehen des jungen Hundes zur 'Gassi­runde' während der Haupt­feuerwerkszeiten, also wenn Menschen mit Knallkörpern durch die Straßen ziehen, kann für ­diese Negativauswirkungen schon ausreichen. Hauptgrund dafür ist eben, dass der Hund das Knallen und Heulen der Raketen und Böller nicht einordnen kann und auch die Gerüche ihn verunsichern. Aber wie kann man das ­verhindern, werden Sie jetzt fragen. Am einfachsten durch eine gewisse Abschottung vor diesen Szenarien. Gehen Sie also mit dem Hund in der Zeit vor Sil­vester vor allem an Orten spazieren, wo möglichst nicht geknallt wird oder wo ­zumindest eher weniger 'Krieg' herrscht. Selbstverständlich sollten Sie am Silvesterabend noch einmal zeitig zum 'Gassi­gehen' raus, um zwischen 20 Uhr und 1.00 Uhr nachts nicht mitten im Gefecht zu stehen. Ab 20.00 Uhr sollte der Hund in einen Raum gebracht werden, wo er durch eine Verdunklungsmöglichkeit, so weit es eben geht, von der Außenwelt abgeschottet wird. Vor allem lassen wir den Hund nicht allein. Wir machen das Radio oder den Fernseher an und setzen uns gemütlich mit unserem Hund zusammen hin und genießen einen möglichst 'knallfreien' Abend.
Logisch ist dabei, dass wir uns nicht im Fernsehen die Liveübertragung vom größten Feuerwerk der Welt ansehen. Die Untermalung des Abends sollte dabei eine Lautstärke erreichen, die den Außenlärm übertönt. Nach etwa 1.00 Uhr ist draußen wieder 'Waffenstillstand' und man kann dann mit seinem Hund auch noch eine ungestörte Runde drehen.
Aber es gibt ja leider auch den Fall, dass bereits alles zu spät ist und der Hund seine Angst bereits erworben hat. Dann kann es durchaus sinnvoll sein, sich eine Hundepension zu suchen, die weit genug vom 'Kleinkrieg' entfernt ist, sodass der Hund dort seine ­Ruhe findet. Es ist teilweise nicht unüblich, dass Hundebesitzer mit einem ängstlichen Hund auch selber für ein paar Tage in ein ruhig gelegenes Hotel flüchten.

Wohlfühlhormon zersteuben

Wenn dies nicht machbar ist oder nicht reicht, dann hilft der Tierarzt.
  • Seit einiger Zeit gibt es in der Tiermedizin ein Medikament namens D.A.P. (beim Tierarzt erhältlich), das entweder als eine Art Zerstäuber in der Steckdose angebracht oder dem Hund als Halsband angelegt wird. Dieses Medikament erfüllt die Umgebung des Hundes mit einem nur für ihn wahrnehmbaren Wohlfühlhormon in syn­thetischer Form, das dem ­Duftstoff der Hündin beim Säugen nachempfunden ist und so den Hund ­beruhigen soll.
  • Alternativ ist es auch möglich, den Hund in der kritischen Zeit durch Be­ruhigungsmittel von der ­Außenwelt ein wenig abzuschirmen. Mittel und Do­sierung müssen unbedingt mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
  • Auch in der Naturheilkunde sind Stoffe bekannt, die bei machen Hunden ­Erfolg gebracht haben. Unter anderem seien hier ins­besondere die sogenannten Rescue-Tropfen genannt. Auch gibt es auf dem Markt 'Geräusch-Gewöhnungs-CDs'. Diese haben bei einigen Hunden guten Erfolg, sofern man früh genug im Jahr damit beginnt.

Schussfestigkeit ist keine Garantie

Egal wie Sie den Jahreswechsel verbringen, denken Sie immer daran: Auch ein schussfester Hund kann ­Panik an Silvester haben und leider ist kein Hund zu alt, um dieses Problem zu bekommen. Ich wünsche ­Ihnen gleichwohl einen guten und stressfreien Rutsch mit Ihrem Vierbeiner ins Jahr 2009 mit hoffentlich der Erfüllung all Ihrer Wünsche.