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Rückblick: Der Jagd viel zu verdanken

Fast jeden Tag geht die Jägerin raus in die Natur. Die 83-Jährige liebt es, im Revier zu sein und die Landschaft zu genießen.


Auf die Jagd angesprochen, muss die ehemalige Angestellte eines großen Stahlkonzerns nicht lange überlegen: „Im Alter jage ich inzwischen weniger, aber mein Leben ist von der Jagd geprägt. Ich habe unendlich viele schöne Erlebnisse, die ich nur der Jagd verdanke.

Die tollsten Reisen habe ich gemacht, viele, viele Bekanntschaften geschlossen und ich war fast überall auf der Welt. In Ungarn und Rumänien, in Argentinien, in der Türkei, in Britisch-Kolumbien mit der Schneeziege, in Zimbabwe mit dem kapitalen Kaffern-Büffel“, erinnert sich die heute 83-Jährig. Und weiter: „Meine erste große Jagdreise führte mich nach Kamerun“.

Monatelang war sie damals mit einem pensionierten Landforstmeister unterwegs, den sie über eine Anzeige in der Jagdzeitschrift kennenlernte. Dort hatte er inseriert und „ein bis zwei Jäger“ gesucht, die mit ihm gemeinsam einen alten Unimog von Deutschland nach Kamerun überführen sollten. Friedel Burgstahler-Lederer kündigte kurz entschlossen ihre damalige Anstellung als Fremdsprachenkorrespondentin und stürzte sich Kopf über ins Abenteuer.

Toller Nervenkitzel

Von Deutschland bis nach Kamerun: Quer durch Afrika mit einem Unimog – dieses Abenteuer ist unvergesslich.


Die Strapazen wurden belohnt: „Dort habe ich meinen ersten Büffel geschossen, meinen Savannenbüffel. Und - einen Bongo. Der hat mich zwar viel Schweiß gekostet, aber kaum ein deutscher Jäger hat einen Bongo erlegt.“

Doch vor dem Jagdglück lag die beschwerliche Reise quer durch Afrika. Die Fahrt mit dem Unimog aus alten Wehrmachtsbeständen von Deutschland nach Kamerun war lang und spannend. Besonders pikant: Die vielen Grenzübergänge.

„Wir hatten die Waffe 9,3x64 in eine Kiste mit doppelten Boden verstaut und darauf meine Dessous gelegt. An den Grenzen habe ich mich dann immer schick gemacht, eine weiße Bluse angezogen und Lippenstift aufgelegt“, schmunzelt sie. Charmant verwickelte sie die Grenzer in Gespräche, bot Zigaretten, Pfefferminz und Platz auf ihren beiden Campingstühlen an. Nach einem kurzen Blick auf die Unterwäsche in der Kiste waren die Kontrollen immer schnell beendet.

Fürs Kochen wäre die angehende Großwildjägerin eigentlich auch zuständig gewesen. Ihre Lösung: Morgens gab es Müsli mit Dosenmilch und warmen Wasser angerührt als nahrhafte Grundlage für den Tag. Abends stand Reis mit Rindfleisch aus der Dose auf der Speisekarte.

„Zuhause machte man sich Sorgen, ob wir genug Diesel haben“, erinnert sie sich, „aber das war gar nicht das Problem, sondern das Wasser.“ Nur zwölf Kanister waren geladen, gerade genug fürs Nötigste. Heute würde sie das nicht mehr riskieren: „Aber damals war das ein toller Nervenkitzel.“

Durchsetzungskraft: Bei der Jagd und im Leben

Gams-Jagd in Österreich in den 1970er Jahren.


Dabei hatte die gebürtige Rheinländerin ja erst mit 40 Jahren die Jägerprüfung abgelegt, nachdem sie ihren ersten Mann verloren hatte. Schon ihre Mutter war Jägerin und hatte im Zweiten Weltkrieg ihre sieben Kinder mit Wild versorgt. Die Tochter wollte damit neuen Mut fassen und am besten auch einen neuen Partner kennenlernen, wie sie unumwunden zugibt.

Das hatte so seine Tücken, wie sich bei einer Jagd-Reise in die Türkei zeigte. Einer von den Mitreisenden kam ihr unaufgefordert zu nahe, worauf die zierliche Frau ihn kurzerhand mit gekonntem Judogriff abwehrte.

Auf einer Jagd in Österreich schaffte sie es kaum durch den hüfttiefen Schnee, als sie einen Gams in einer steilen Wand gesichtet und niedergestreckt hatte. Anschließend schickte der Jagdführer die Beute auf einem Eiskanal talwärts, doch plötzlich war der Gams in ein Loch gerutscht und verschwunden. Erst nach stundenlangem Graben tauchte er wieder auf. Noch heute denkt die Jägerin gerne an dieses gelungene Weihnachtsfest in Schladming. Bis zu ihrer Ankunft hatte der österreichische Jagdführer übrigens einen männlichen Gast namens „Friedel“ erwartet.

Bleibende Erinnerungen

Rund 80 Trophäen schmücken das Jagdzimmer von Friedel Burgstahler-Lederer.


„Am Anstrengendsten war es den Bongo zu erlegen - und die Schneeziege“, resümiert Friedel Burgstahler-Lederer ihre Jagderlebnisse. Die Schneeziege hatte sie in Britisch-Kolumbien gestreckt: „Da ging es auf einem steilen Schotterweg drei Schritte vor und zwei rutschte man wieder zurück.“

Knapp 80 Trophäen hängen in ihrem Jagdzimmer und zu jeder gibt es eine interessante Geschichte. Eine ganz besondere Bedeutung hat jedochder der kapitalen Kaffern-Büffel, den die Jägerin in Zimbabwe mit zwei Schuss zur Strecke brachte. Die Jagdreise hatte sie sich selbst zum 70. Geburtstag geschenkt und sich damit ihren größten Wunsch erfüllt. Auch ein Flußpferd hätte Friedel Burgstahler-Lederer eigentlich noch gern erlegt. Aber jetzt ist sie glücklich, wenn sie mit ihrem zweiten Ehemann, der – natürlich – Jäger ist, auf der Kanzel sitzt und einen Fuchs oder ein Wildschwein zu Strecke bringen kann.

 

Ein Video-Interview mit Friedel Burgstahler-Lederer sehen Sie hier:

Heike Parakenings Journalistin, lebt in Wiesbaden und arbeitet als freie Mitarbeiterin für den dlv.
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