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Rotwild-Fieber

Wenn es nicht regnete, zog im Thüringer Wald Nebel auf. Foto: Philipp Eisele


In aller Herrgottsfrühe brechen wir am Morgen des ersten Jagdtages vom „Goldenen Hirschen” auf. Wir lassen die noch menschenleere Waffenstadt Suhl hinter uns und werden schon bald von idyllischer Waldeinsamkeit begrüßt. Die Landstraße schlängelt sich in engen Serpentinen den Kamm hinauf. Noch liegen Berg und Tal im zarten Nebelschleier. Nach rund einer halben Stunde erreichen wir unser Ziel: das Forstamt Frauenwald im 27-Seelen Örtchen Allzunah. Im Volksmund heißt der Ort auch „Franzhütte”, weil sich dort früher eine Glashütte befand.
Das Forstamt bewirtschaftet rund 18.500 Hektar Waldfläche im mittleren Thüringer Wald. Der größte Teil liegt im Ilm-Kreis rund um die Universitäts- und Goethe-Stadt Ilmenau, ein kleiner Teil im Landkreis Hildburghausen um die Trinkwassertalsperre Schönbrunn. Wir befinden uns im nord-östlichen Teil direkt am bekanntesten Wanderweg Deutschlands, dem „Rennsteig“. Im Forstamtsbereich kommen Rot-, Reh- und Schwarzwild als Standwild vor. Auch die Wildkatze hinterlässt hier ihre Spuren. Die Jagdflächen befinden sich fast ausschließlich im Wald und werden intervallartig bejagt. In den Sommermonaten herrscht absolute Jagd­ruhe. Unser Interesse gilt in diesen Tagen vornehmlich dem Rotwild. Ein Hirsch der Klasse drei und Kahlwild sind frei. Aber auch weibliches Rehwild und Sauen können bejagt werden.
Die Jahresmitteltemperaturen liegen in der Region je nach Höhenlage zwischen vier und sechseinhalb Grad Celsius, die durchschnittlichen Jahresniederschläge zwischen 650 und 1340 Millimetern. Beste Bedingungen für unsere Produkttester, die mit einer Merkel RX. Helix, Bekleidung aus der brandneuen Merkel Gear Kollektion, dem neuen Zeiss SF Fernglas sowie einem Victory V8 1.8-14x50 ausgestattet sind. Kaum sind die Stände eingenommen, fällt auch schon der erste Schuss. ­Daniel Schlittenhardt, der aus dem nördlichen Schwarzwald angereist ist, hat einen Überläufer aus einer zehnköpfigen Rotte beschossen, dessen kurze Todesflucht jäh in einer am Boden liegenden Fichtenkrone endet. Das Wetter schlägt um, und leichter Nieselregen setzt ein. In ­Minutenschnelle verändert sich das Landschaftsbild. Inzwischen dämmert es. Plötzlich lässt ein lautes Knacken meinen Mitjäger Philipp Oswald und mich aufhorchen. Sauen? Bereits beim Angehen war uns das umgebrochene Grün in der Harvesterspur aufgefallen.
 

Das Eichhörnchen und der Rotspießer

Der glücklicher Gewinner Dominik Windmüller (Mitte) mit seinem erlegten Spießer. Foto: Philipp Eisele


Fehlalarm! Ein Eichhörnchen ist auf Nahrungssuche. Um kurz nach halb neun durchbricht ein Schuss die Stille. Kurz zuvor war Jungjäger Dominik Windmüller auf zirka 120 Meter ein Rudel Rotwild, bestehend aus einem Spießer, zwei Tieren mit Kälbern, einem Kronenzehner und einem Sechser in Anblick gekommen. „Als die Stücke auf rund 45 Meter den Stand passierten, konnte ich einen weiteren Spießer ausmachen. Nach schnellem Ansprechen und Freigabe durch Pirschführer Sebastian von Stauffenberg konnte ich dem Hirsch die Kugel antragen“, erzählt Dominik später. Der Beschossene habe zwar deutlich gezeichnet, sei aber trotz Blattschuss abgesprungen. „Vermutlich aufgeschreckt durch den Schuss­knall zog anschließend der Kronenzehner bis auf 25 Meter zurück in unsere Richtung. Kam argwöhnisch auf den Sitz zu gezogen und holte laufend Wind – bis er hochflüchtig abging”, berichtet der Berliner weiter.
„Bei der Kontrolle des Anschusses mussten wir feststellen, dass der Spießer noch auf den Läufen ist. Leider konnte ich keinen Fangschuss antragen, denn er verschwand hinter einer Kuppe.” An dieser Stelle brechen ­Dominik und ­Sebastian ab, um den Hirsch nicht noch einmal aufzumüden. Gut, dass Felix Wilmes, einer der Merkel Gear ­Produktmanager, seinen Kopov „Justus“ mitführt. Vom Wundbett bis zum verendeten Stück sind es schließlich nur wenige Meter.
 

Gewinner hinter den Kulissen

Bunte Truppe, gute Stimmung. Foto: Philipp Eisele


Dem Wetter geschuldet, kommt in den darauffolgenden Jagdtagen leider kein weiteres Stück zur Strecke. Dies tut ­jedoch der guten Stimmung keinen ­Abbruch. Bei einer Merkel-Werksbesichtigung dürfen wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Suhler Manufaktur werfen – kunsthandwerklich gefertigte, traditionelle Meister­stücke finden sich hier ebenso wie ­modern und zeitgemäß produzierte Jagdgewehre – und erfahren alles über die Waffenfertigung. Für allgemeine Erheiterung sorgen obendrein die ­Anekdoten von Revierleiter Thomas Fischer, „ein Forstmann par excellence” – um ­Teilnehmerin Benita Ewig zu ­zitieren. Der Thüringer hat in 34 Dienstjahren teils Unglaubliches erlebt. Er hat schon so manche politische Größe geführt, Wilderer „gefangen“ und viele Stunden in Eiseskälte ausgeharrt, um ­Rotwild zu besendern. Um es kurz zu machen: Förster Fischer ist eine eigene Geschichte wert.
Anna L. Kaufmann


 


Anna Lena Kaufmann ist freie Journalistin, Jägerin und Falknerin. Ihr Büro liegt im Herzogtum Lauenburg, wo sie lebt und jagt.
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