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Respekt & Anerkennung

Ein faires Miteinander zwischen dem Oldenburger Jagdgast und seinen türkischen Jagdführern hat zum verdienten Waidmannheil beigetragen. (Foto: SYS)


Auf einer Auslandsjagdreise ist man als „Klient“ in der Regel vom Jagdführer abhängig. Damit steht und fällt nicht zuletzt der erhoffte Jagd­erfolg. Es ist also besonders wichtig, im Umgang mit dem Jagdführer Fingerspitzen­gefühl walten zu lassen...
Folgende Handlungsweisen empfehlen sich dabei „über Kontinente hinweg“:
Das Wichtigste vorweg – da auch der Jagdführer an seinem ­Leben hängt, seien wir im Umgang mit der Jagdwaffe diszipliniert und folgen diskussionslos seinen Anweisungen, wann ge- oder ent­laden wird oder wann die Büchse in einem Futteral zu verstauen ist (z. B. Reviertransfer). Merkt der Jagd­führer, dass er nicht ständig mit einem Auge auf die Position unserer Mündung zu schauen braucht, kann er sich umso konzentrierter dem Ausmachen von Wild widmen.
Beim Eintreffen im Camp ist je nach Landessprache ein Dolmetscher nützlich, um im „Vorstellungsgespräch“ Missverständnissen vorzubeugen und die eigenen Ziele klar zu umschreiben. Das gilt insbesondere für die Zahl und Qualität der zu erbeutenden Trophäen. In Bezug auf Geweihträger gilt es unbedingt zu erfragen, ob beim Ansprechen Brutto- oder Nettotrophäengewichte genannt werden!
Die Frage nach unserer sportlichen Kondition und unseren Schießfähigkeiten (Entfernung; freihändig, Bergstock oder Dreibein gewohnt?) beantworten wir ehrlich, damit der Jagdführer effektiver planen kann.
Im Revier schleppen wir unser Jagdgerät selber und helfen beim Bergen des Wildes, denn der Jagdführer ist zwar ein bezahlter Dienstleister, nicht aber Lakai.
Ebenso respektieren wir ein Schuss-Verbot.
Das Jagdquartier betreten wir nicht mit dreckigen Stiefeln. Und die Küchenhilfen sind kein Freiwild. Wer zu viel Energie besitzt, kann schließlich beim Hacken von Brennholz helfen.
Als Zeichen der Achtung vor der Kultur unserer Gastgeber erlernen wir ein paar Worte der Höflichkeit, etwa „Guten Tag, Bitte, Danke, Verzeihung, guten Appetit“ (Literaturhinweis: Buchreihe „Kauderwelsch“, REISE KNOW-HOW Verlag, Bielefeld). Das kommt immer bestens an. So mancher „Dienstleister“ ist nur vorgeblich des Deutschen unkundig. Vorsicht also bei kritischen oder abfälligen Bemerkungen zu Mitreisenden im Beisein Einheimischer. Da ist schon manches diplomatische Porzellan zersprungen (womöglich auch der Jagderfolg!). Bei Gesprächen am Lagerfeuer meiden wir grund­sätzlich Themen wie Politik, Religion und schlüpfrige Witze oder – typisch deutsch – „gut gemeinte Ratschläge“; erst recht, wenn wir unsere Gastgeber noch nicht genau kennen.
Auch das Vorzeigen jagdlicher Renommierfotos ist nicht immer angesagt: Vielleicht wird man für einen Angeber gehalten oder den Jagdführer beschleicht – ­allzu menschlich – Neid mit allen möglichen Folgeerscheinungen („Dem Wichtigtuer werde ich’s mal zeigen“).
Eine klassische Frage ist die des Trinkgeldes. Eine Erkundigung vorab beim Jagdvermittler oder Outfitter ist zwingend erforderlich, damit das ­Augenmaß gewahrt wird und künftige Gäste nicht der überhöhten Erwartungs­haltung der Jagdführer ausgesetzt werden. Auch Sachgeschenke sind möglich, doch besitzt so mancher Jagdführer schon eine stattliche Sammlung an Messern und Taschenlampen. Ist man ­öfter in demselben Revier, kann man nützliche Sach­geschenke (z. B. Werkzeug) nach vor­heriger Absprache mitbringen.
Alles in allem: Bei gegen­seitigem menschlichen Respekt zwischen Jagdgast und -führer verläuft der Urlaub harmonischer und oft erfolgreicher.