+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 4.046 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 29.6.2022) +++
Home Praxis Rehlunge mit Pilzbefall – Frag den Tierarzt

Rehlunge mit Pilzbefall – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 03.01.2022 - 12:05
Rehlunge-Pilzbefall © Melanie Althans
Ein Lungenflügel der Geiß war fast ganz von dem Pilzabszess verdrängt.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dieser Umfangsvermehrung in der Lunge des Rehs um ein durch Schimmelpilze der Gattung Aspergillus (sogenannter Gießkannenschimmel) verursachtes Abszess. Diese derben, oft zwiebelschalenartig geschichteten und von einer Bindegewebskapsel umgebenen Pilzabszesse entstehen durch Einatmen von Schimmelpilzsporen.

Pilzsporen und andere Keime, die Abszessbildungen auslösen, können leicht bei der Verfütterung von staubigem, verpilztem Getreide bzw. Getreideschrot eingeatmet werden. Besonders, wenn ein Wildtier während der Futteraufnahme in den Trog hustet oder niest und dabei Staub aufwirbelt und diesen beim nächsten Atemzug einatmet.

Reh-geschwollene-Laeufe © Dr. Armin Deutz

Raumgreifende Lungenerkrankungen können weitere Symptome hervorrufen.

Stoffwechselstörung bewirkt verdickte Läufe

In weiterer Folge können solche Umfangsvermehrungen in der Lunge schwere Knochenstoffwechselstörungen mit Knochenverdickungen an den Läufen provozieren. Die sogenannte Hypertrophe pulmonale Osteopathie kann bei allen Säugetieren und auch beim Menschen auftreten, am häufigsten bei Rehen und Hunden. Beim Menschen ist diese Erkrankung auch als Marie-Bamberger-Syndrom bekannt.

Geschwollene Läufe noch nicht eindeutig erklärbar

Die genauen Zusammenhänge zwischen den raumgreifenden Prozessen in der Lunge (seltener in der Bauchhöhle) und den Knochenauflagerungen an den Läufen sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Als Auslöser diskutiert werden neurale (nervliche), humorale (Körperabwehr) oder hormonell bedingte Ursachen, die zu einer stark erhöhten Durchblutung in den Gliedmaßen führen, wobei auch lediglich strömungstechnische Effekte durch die Druckveränderungen im Brustraum in Erwägung gezogen werden müssen. Die Erkrankung beginnt an den Gliedmaßenenden und zeigt sich als teigige Schwellung und Knochenauflagerung vor allem an den Mittelfuß- und -handknochen sowie an Unterarm- und Unterschenkelknochen. Die Wucherungen sind das Ergebnis eines stark erhöhten Stoffwechsels infolge deutlich gesteigerter Durchblutung. Neben Abszessen im Brustraum kommen noch schlecht abheilende Lungenwurminfektionen, Tumoren oder auch Tuberkulose als Ursachen in Betracht.

Wildtiere mit derartigen Veränderungen sind natürlich untauglich für den menschlichen Verzehr und müssen verworfen werden.