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Rehkitzrettung mit der Wärmebilddrohne von Blaser

Drohnenstart © Helena v. Hardenberg
Früh am Morgen startet der Pilot die Wärmebilddrohne.

Die Schreie des Kitzes zerreißen die morgendliche Stille. Wild strampelt das kleine Reh im Kescher und versucht sich zu befreien. Vergebens. Schon nähern sich die behandschuhten Hände des Jägers und greifen es, mit reichlich Wiesengras gepolstert, vorsichtig unter den Bauch, um es hochzuheben. „Wenn man ein Wort für Unschuld sucht, beschreibt es dieser Anblick am besten“, bemerkt Jagdaufseher Christoph Böttcher andächtig, bevor er das etwa zwei Wochen alte Rehkitz in einen Obstkorb setzt und diesen sorgfältig mit Kabelbinder verschließt.

Schwer zu händeln: Das recht agile Kitz ruft auf dem Arm seines Retters zappelnd nach seiner Mutter.

Dann trägt er das vorrübergehende Gefängnis behutsam in den Schatten einer Schwarzdornhecke. Die Ricke, angelockt vom Kitzfiep, springt hochflüchtig ab, als sie den Mann erblickt. Diese herzzerreißende Szene ist nötig, um das Rehkitz vor dem sicheren Mähtod zu bewahren.

Rehkitz gerettet

Die Männer packen das Kitz im Kescher vorsichtig aber schnell, damit es ihnen nicht entwischt.

Die Wildtierrettung Wildenhorst e.V. aus der Gemeinde Oldenburg in Holstein ist einer von zehn Kitz-Retter-Teams, denen die Firma Blaser eine Yuneec Typhoon H520E für diese Saison zur Verfügung stellt. „Die Idee für diese Aktion entstand aus unserer Passion heraus. Denn Jagen bedeutet auch Schutz und Hege, wofür wir uns gerne aktiv einsetzen möchten“, erklärt Alexandra Berton, PR-Leiterin der Blaser-Group GmbH. „Die Auswahl ist uns sehr schwergefallen.

 

Es gibt so viele engagierte Vereine“, erklärt Berton, die selbst Jägerin ist. „Die Rückmeldung aus den Teams ist großartig! In der vergangenen Saison konnten mit dem Einsatz unserer Drohnen bis Ende Mai insgesamt 278 Kitze, drei Jungkraniche, drei Junghasen, drei Stockentengelege sowie ein Hirschkalb retten“, freut sich die PR-Leiterin über den bisherigen Erfolg des Projekts.

Die Blaser Kitz-Retter

Effektiver Drohneneinsatz zur Kitzrettung

„Vergangenes Jahr hatten wir Ende Mai bereits 97 Kitze gefunden“, berichtet Constantin Engel, Jäger und Pilot der „Blaser-Drohne“. „Es gibt keine andere Methode der Jungwildrettung, die ähnlich effektiv ist wie der Drohneneinsatz“, pflichtet ihm Karsten Jacobs bei, der den zweiten Multicopter des Vereins, einen Mavic 2, fliegt. Über den stellvertretenden Hegeringleiter entstand zu Beginn des Jahres der Kontakt zu Blaser. Jacobs stieß bei der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten zur Wildtierrettung auf die Blaser-Kitz-Retter-Aktion.

Nach erfolgreicher Bewerbung erschien Anfang Mai ein Mitarbeiter der Firma CopterPro und arbeitete die Piloten einen Tag lang in die technischen Details des Hexacopters ein. Zudem haben die über ganz Deutschland verteilten Jungwildretter-Teams eine WhatsApp-Gruppe gegründet, über die sich die Piloten über optimale Flughöhe und den „Teufel im Detail“ austauschen.

Ein Kitz, ein Akku

Kitzretter Karsten Jacobs startet die Drohne über dem Kopf.

„Der Vorteil der ,Blaser-Drohne‘ liegt darin, dass ich mit ihr durch die hohe Auflösung der Wärmebildkamera die meiste Zeit 60 Meter hoch fliegen kann. Dadurch schaffe ich mehr Strecke“, erklärt Engel. Der VWL-Student arbeitet mit seinem Bodentrupp permanent gegen die Zeit, da ein Akku – je nach Flächenstruktur – nur ungefähr 25 Minuten durchhält. „Im Schnitt gilt: Ein Kitz, ein Akku. Darum war ich begeistert, dass Blaser noch drei Extra-Akkus gespendet hat.“ Der zweibeinige Teil eines Nachsuchen-Gespanns ist seit drei Wochen fast jeden Morgen und Abend mit der Drohne im Einsatz.

Verunreinigtes Futter durch ausgemähte Kitze

Dank der guten Wärmebildleistung des Hexacopters ist auch ein Flug in den kühler werdenden Abendstunden erfolgreich. Doch nicht nur die Jungs von der Wildtierrettung Wildenhorst sind unterwegs. Den heutigen Suchtrupp, der seit 4.30 Uhr morgens unterwegs ist, bilden hiesige Jäger und Landwirte. In der 490 ha großen Gemeinschaftsjagd kommen neben einigen Rebhühnern und Fasanen vor allem Dam-, Schwarz- und Rehwild vor. „Wir arbeiten sehr gut mit den Jägern von der Wildtierrettung zusammen“, sagt Mutterkuhhalter Carsten Rohde, dessen Wiesen heute vor der Mahd abgesucht werden. „Zum einen finde ich die Kitz-Rettung wichtig, um den Tieren Leid zu ersparen und zum anderen, um sauberes Futter ohne Aas für meine Kühe zu erhalten.“

Engel und Jacobs entlassen das Kitz nahe der gemähten Wiese in die Freiheit.

Engel und Jacobs sind mit ihrer „kleinen, aber feinen“ Truppe und mit viel Herzblut dabei. Die Kitz-Retter freuen sich über die durchweg positive Rückmeldung der Landwirte. „Wenn man sieht, dass die Bauern direkt mähen, wenn wir aus den Flächen raus sind, dann ist das eine schöne Wertschätzung“, sagt Karsten Jacobs. Doch es gibt auch noch einige Leute, die für den Drohnen-Einsatz kein Verständnis aufbringen. „Die holen dann aber auch noch ihre Milch im Drahtkorb“, meint er trocken.


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