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Rehgeiß mit Schwellung an der Flanke – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Dienstag, 14.09.2021 - 17:58
Die Rehgeiss hat eine auffällige Schwellung an der Flanke. © Martin Weber
Die Rehgeiss hat eine auffällige Schwellung an der Flanke.

Die abgebildete Schwellung der Rehgeiß könnte einen Abszess (z.B. ausgehend vom Kniefaltenlymphknoten), einen Tumor oder einen Bauchdeckenbruch als Ursache haben, wobei ein Abszess der wahrscheinlichste Grund ist. Eine klare Diagnose könnte aber erst nach einer Erlegung der Geiß gestellt werden. Ein möglicher Hegeabschuss sollte unter Einhaltung des Tierschutzes (Kitze) vorgenommen werden.

Ein Abszess ist definitionsgemäß eine umkapselte Ansammlung von Eiter in einer nicht vorgeformten Körperhöhle, die durch entzündliche Gewebseinschmelzung entsteht. Die Abstoßung von abgestorbenem Gewebe führt zur Abgrenzung vom gesunden Gewebe (Demarkation) und damit zur Bildung einer Abszesshöhle, die mit Eiter gefüllt ist. Eiter besteht hauptsächlich aus abgestorbenen Zellen, körpereigenen Abwehrzellen sowie Bakterien. Abszesshöhlen können einkammerig oder geteilt sein. Abgegrenzt gegenüber gesundem Gewebe wird diese Höhle bei längerem Verlauf von einer bindegewebigen Kapsel. Abszesse können sich im Gewebe ausbreiten und damit erhebliche Größe erreichen. Kommt die Entzündung zum Stillstand, kann der eitrige Inhalt der Abszesshöhle teilweise vom Körper aufgenommen (resorbiert) werden oder verkalken. Eine weitere Möglichkeit kann die Bildung eines Fistelkanals sein, aus welchem die Abszesshöhle mit einer inneren oder äußeren Körperoberfläche verbunden wird und Eiter abrinnen kann. Ursache von Abszessen sind meist Verletzungen mit nachfolgendem Eindringen von Bakterien.

Wird ein Hegeabschuss in Erwägung gezogen, müssen natürlich trotzdem eventuelle Kitze mitbedacht werden. © Martin Weber

Wird ein Hegeabschuss in Erwägung gezogen, müssen natürlich trotzdem eventuelle Kitze mitbedacht werden.

Verletzungen sind relevant für die Wildbrethygiene!

Ältere, nicht im Zusammenhang mit der Jagd stehende Verletzungen müssen daher unbedingt beachtet werden. Sie haben größte wildbrethygienische Bedeutung, da Eiterherde von infizierten Wunden häufig streuen und Abszesse in anderen Körperregionen hervorrufen können. Veränderungen – wie beispielsweise alte Laufverletzungen – dürfen nicht entfernt werden, sondern müssen für eine tierärztliche Fleischuntersuchung zur Verfügung stehen, falls das Stück in Verkehr gebracht werden soll. Bei der Bildung von Abszessen, besonders wenn sie zahlreich oder verteilt in Organen oder der Muskulatur vorkommen, sind diese Stücke natürlich nicht geeignet für den menschlichen Verzehr.


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