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Raubwildtrophäen

Kinderleichte Bewertungsformel

Fuchs- vs. Dachsschädel: Obwohl Schmalzmann (r.) deutlich schwerer als Reineke (l.) werden kann, ist sein Schädel kleiner.


In Ländern wie Tschechien, Ungarn oder  Rumänien hat die Bewertung von Raubwildschädeln und Bälgen eine lange Tradition. Auf den alljährlichen Trophäenschauen werden daher nicht nur Geweihe, Gehörne und Gewaffe ausgepunktet, sondern auch Bälge und Schädel des Raubwildes bewertet. Da in Deutschland Wildkatze, Luchs und Wolf keine Jagdzeit haben, und Bären nicht vorkommen, wollen wir es bei der Bewertung der Schädel von Dachs, Fuchs und Marderhund belassen. Die Formel ist so simpel wie einleuchtend. Anders als beim Schwarz­wild spielt die Waffen- beziehungsweise Fangzahnlänge keine Rolle.

 

Länge und Breite des Schädels messen

Um die CIC-Punktzahl zu ermitteln, müssen lediglich Länge und Breite des Schädels (cm) addiert werden.


Um zu bestimmen, ob es eine Raubwildtrophäe in die Medaillenklasse schafft, müssen lediglich Länge und Breite des Schädels addiert werden. Die Messung hat dabei auf 1/10 Millimeter genau – also bis auf zwei Stellen hinter dem Komma – zu erfolgen. Die Schädellänge wird von den Schneidezähnen bis zum Ende des Schädels gemessen. Die breiteste Stelle des Schädels (Jochbein) ergibt den zweiten Wert. Beide Werte werden in Zentimetern angegeben. Das heißt im konkreten Fall eines Fuchses: 17,38 Zentimeter (cm) Länge plus 8,43 cm Breite ergibt in der Summe 25,81 cm.

Mit Faktor eins multipliziert, erhält der Jäger die CIC-Punktzahl. In unserem Beispiel würde das einer Goldmedaille (Bronze: 24,00-24,49 Pkt.; Silber: 24,50-24,99 Pkt.; Gold: ab 25,00 Pkt.) entsprechen. Die Bewertung bei den anderen beiden Raubwildarten ist identisch. Wegen der artspezifischen Schädelformen weichen die Mindestpunktzahlen jedoch ein wenig von der des Fuchses ab. Obwohl der Dachs mit über 20 Kilogramm deutlich schwerer werden kann als Reineke, ist sein Schädel in der Summe kleiner. Bronze gibt es daher ab 22,00 Pkt., Silber ab 22,50 Pkt. und Gold ab 23,00 Pkt.. Für Marderhunde gelten folgende Grenzen: Bronze: 20,50-20,99 Pkt.; Silber: 21,00-21,49 Pkt.; Gold: ab 21,50 Pkt..

Im Vergleich: Jungdachsschädel (vorn), alte Fähe (M.) und kapitaler Dachsschädel mit Kamm (hinten). © CS

Im Vergleich: Jungdachsschädel (vorn), alte Fähe (M.) und kapitaler Dachsschädel mit Kamm (hinten).

Alte Rüden bekommen oft die Medaillen

Im Gegensatz zum Schalenwild kann der Weidmann den Räubern kaum ansehen, wie stark die Trophäe ist. Schließlich verbirgt sie sich unter Balg und Muskulatur. Das ist jedoch kein Problem, denn kaum ein Jäger käme auf die Idee, einen Fuchs schnüren zu lassen, weil er noch nicht stark genug wäre. Ob es sich jedoch lohnt, den Schädel des gestreckten Rotrocks zu präparieren und nicht nur die Haken auszulösen, verrät das Wildbretgewicht. Je schwerer das Stück, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es für eine Medaille reicht.

Da der Ernährungszustand unseres Raubwildes jahreszeitlich bedingt starken Schwankungen unterliegt, sind folgende Angaben als Richtgrößen anzusehen. Ein Dachs sollte wenigstens 16 Kilogramm auf die Waage bringen. Beim Fuchs wird es ab neun Kilogramm interessant. Und beim Marderhund sollte der Zeiger nicht vor zehn Kilogramm zum Stehen kommen.

In der Regel handelt es sich bei solchen Stücken um alte Rüden mit abgenutzten Fangzähnen. Es lohnt sich also auch bei diesen einen Blick in den Fang zu riskieren. Und selbst wenn es nicht ganz für eine Medaille reicht, ein schöner Blickfang im Jagdzimmer sind Raubwildschädel allemal. Und auch Jagdschulen und Jungjäger freuen sich über gut präpariertes Anschauungsmaterial.


Christian Schätze Seit März 2011 Redakteur bei UNSERE JAGD, seit Mai 2013 Chefredakteur; Bankkaufmann, Jagdschein seit 1996
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