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Rätselhafte Erblindung eines Rehbocks – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 08.11.2021 - 17:28
Reh_erblindet © Ralf Menzel
Die Erblindung beider Lichter scheint unterschiedliche Ursachen zu haben.
Reh_erblindet_rechts © Ralf Menzel

Der rechte Augapfel ist deutlich vergrößert.

Ohne weiterführende histologische und bakteriologische Untersuchungen der Hornhaut, Augäpfel und eventuell des Sehnervs des Rehbocks ist eine endgültige Diagnose, welche Ursachen zu der Erblindung geführt haben, nicht möglich. Aus der reinen Beurteilung der Fotos ist auch zu vermuten, dass nicht unbedingt an beiden Lichtern dieselbe Krankheitsursache für die Erblindung verantwortlich gewesen sein muss, zumal der rechte Augapfel vergrößert ist und deutlich aus der Augenhöhle hervortritt.

Das Hervortreten könnte unter anderem auch mit einem raumgreifenden Prozess in der Augenhöhle oder mit einer Abflussstörung des Augenkammerwassers zusammenhängen. Eine Blindheit kann ein- oder beidseitig sein und von einer Hornhauttrübung, Erkrankung des Augapfels, des Sehnervs oder des Gehirns ausgehen. Sehr bekannt ist die sogenannte Gamsblindheit, die durch eine bakterielle Lidbindehaut- und Hornhautentzündung entsteht und die bei Gams-, Stein- und Muffelwild sowie Hausschafen und -ziegen auftritt.

Abflussstörung als Grund

„Monstergams“ mit einer schweren Erkrankung des linken Auges.

Ein dem aktuellen Fall sehr ähnliches Beispiel konnte der Verfasser im Jahr 2008 bei einer Gamsgeiß aufklären. Die Diagnose für die einseitige Blindheit, die dem rechten Auge des oben angeführten Rehbocks stark ähnelt, lautete damals „chronisch proliferierende Keratitis (Hornhautentzündung), beginnende Katarakt (Linsentrübung) wohl infolge einer überstandenen Verletzung der Hornhaut“. Die Vergrößerung des Augapfels weist auf eine Abflussstörung des Kammerwassers hin. Ein Tumor am Augenhintergrund konnte als Ursache ausgeschlossen werden, eine Abflussstörung des Kammerwassers ist eine plausible Erklärung für die extreme und auch schmerzhafte Vergrößerung des Augapfels.