Problematischer als gedacht

Dieses Steyr 'SSG' wurde mit einem variablen Swa­rovski-Zielglas bestückt – mittels zweiteiliger Ring-Aufschubmontage.<br>(Foto: W. Reb)


Als Zielfernrohre zur Wende 19./20. Jahrhundert aufkamen, wurden diese sämtlich 'fest' montiert. Das steht gleichzeitig für 'schussfest' sowie 'nicht rasch abnehmbar', dabei aber 'einfach' im Sinne von unkompliziert und deshalb vor allen Dingen preiswert. Schussfest und preiswert sind also die Begründungen für das fest auf der Waffe montierte Zielfernrohr. Hinzu kam die Gleichung 'fest = präzise'. So ist es kein Wunder, dass vor allem Sportwaffen mit den günstigen Festmontagen ausgestattet sind.
In Mitteleuropa waren Festmontagen ziemlich lange verdrängt von der Einhak- und vor allem von der Schwenkmontage. Ihr 'Hauptverbreitungsgebiet' in Jägerkreisen erstreckt sich auf rückstoßschwache Kleinkaliber-Re­petierbüchsen oder auch ­Savage-Schonzeitbockbüchsflinten. Indes widersprechen fest montierte Zielfernrohre dem Jägerwunsch nach dem Schutz seiner teuren und für den Jagderfolg so wichtigen Zieloptik auf Reisen oder in schwerem Gelände vor Beschädigungen und Ausfall. Auch konterkarieren sie die universellere Einsetzbarkeit vor allem von kombinierten Waffen und selbst einläufigen Büchsen, wenn diese für den schnellen Schuss auf engen Schneisen mit Rotpunktoptik oder offener Visierung schnell einmal „oben ohne“ benutzt werden sollen. Das sind für manche Jäger immer noch gute Gründe gegen eine feste Verbindung von Zielglas und Waffe, obwohl variable und strapazierfähige Zielfernrohre aus der Premiumfertigung die Vielseitigkeit der Waffe er­höhen und sowohl ein Rotpunktvisier als auch Kimme und Korn oft funktionell ersetzen können.
Es gibt unzählige Versionen der Festmontage von einer großen Zahl von Herstellern. Technisch vereinfacht, funktionieren sie am Beispiel ­einer Repetierbüchse so, dass ein Unterteil oder zwei ­Unterteile auf Hülsenkopf und Brücke gelegt und mit Schrauben in bereits werksseitig vorhandenen Sackbohrungen befestigt werden. Um den Scherkräften stärkerer Kaliber zu begegnen, können Basen und Schrauben zusätzlich durch Verkleben gesichert werden. Die beiden Oberteile der Festmontagen bestehen aus zwei um den Rohrkörper geschraubten Halb- oder ¾-Ringen, die mit einem Verbindungsstück auf die Basen gesteckt und gekontert werden.

Mit Ringen

Die allermeisten Festmontagen werden am Rohrkörper verschraubt, für Gläser mit Schiene ist der Markt kleiner, wobei sich bereits konstruktiv gut gelöste Typen für Zielfernrohre mit Innenschiene einführen konnten. Das Zielfernrohr sitzt bei der Festmontage 'bombenfest', doch darf dies nicht nur als Vorteil, sondern muss auch als Nachteil gesehen werden: Erstens hat das Glas bei Wärmeausdehnung der Waffe keinerlei Möglichkeit, um dieses Dehnungsmoment auszugleichen. Schussleistung sowie Treffpunktlage beeinträchtigende Verspannungen können die Folge sein. Das wird verstärkt durch Materialmix, wenn Leichtmetall und Stahl mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten zusammen verbaut sind und die Waffe heiß geschossen wird. Dann herrscht im Hülsenkopf eine höhere Temperatur als in der Brücke und dort wieder eine andere als in den Montageteilen. Manchmal treten Verspannungen bereits dann auf, wenn die Umgebungswärme am Einsatzgebiet anders ist, als die des Montageorts war. Festmontagen mit Längenausgleich des Hinterfußes sind daher zu bevorzugen.
Bei der Picatinny-Schiene verfährt man so, dass der vordere Fuß bündig an der vorderen (!) Prallfläche der Nut steht und dem Hinterfuß in seiner Nut ein (geringes) Längenspiel zur Prallfläche belassen wird. Wie bekannt, ist der Hinterfuß nur für die Seitenführung zuständig und allein der Vorderfuß nimmt die Rückstoßkräfte auf.
Der weitere Nachteil einer Festmontage ist kein mon­tageartspezifischer, sondern dem Umstand geschuldet, dass Festmontagen oft ausschließlich mit Ringen um das Mittelrohr des Glases befestigt werden. Leider liegen wichtige optische und mechanische Bauteile des Glases gerade unter den ­Befestigungsflächen für die Ringe, sodass es bei unsachgemäßem Druck der Montageringe zu Beschädigungen oder zumindest Veränderungen des Zielfernrohrs kommt. 'Eingefrorene' ­Vergrößerungswechsler sind das wenigste und sogar das Platzen von Linsen oder ­ganzen Fassungen werden beobachtet. Die Amerikaner als Hauptverwender der Festmontagen sind sich des Problems der deshalb von ihnen 'crush fit' ('Quetschpassung') genannten Ringmontagen bewusst. Sie versuchen, dies durch Läppen der Ringe auf den passenden Durchmesser und durch ­weniger kraftintensive Halb­ringe zu mildern.
Ansonsten wird dazu geraten, auf Festmontagen zu verzichten und lieber Gläser mit Innenschiene zu nehmen. Wer mit Hilfe des Spektrometers fällige Unterschiede in der optischen Belastung eines Zielfernrohrs zwischen 'mit' und 'ohne Quetschpassung' gesehen hat, zählt wohl künftig diese simple Art der 'Rohrschellen-Klemmung' nicht mehr leichtfertig zu seinen Favoriten. In­sofern trifft zwar zu, dass Festmontagen von versierten Laien ausgeführt werden können. Aber es ist nicht richtig – wie oft gerade von 'Billigheimern' behauptet wird – dass man dabei überhaupt keine Fehler machen kann. 'Selbst-ist-der-Mann' hat durchaus Vorteile, kann aber in Verbindung mit verkehrter Technik ins Auge gehen. Richtig ist vielmehr, dass nur sachgerecht ausgeführte und maßlich exakt passende Festmontagen eine Beschädigung des Zielfernrohrs ausschließen.

Steckverbindungen


Billiger als Schwenkmon­tagen oder gar Suhler Einhakmontagen sind Festmontagen allemal und unter Vorliegen bester Technik (wie die auf der Picatinny-­Schiene basierende) jagdlich ausreichend wiederkehrgenau. Das gilt auch für die ebenso einen Zwitter zwischen 'fest montiert' und 'simples Auf- und Absetzen' einnehmenden, aus den USA kommenden Gestecke von Warne, Talley oder die 'Quick Release' von Leupold.
Diese verbindet Ober- und Unterteil mit am Oberteil angefrästen Zap­fen, die in Ausnehmungen im Unterteil einrasten. Steck­verbin­dun­gen also, welche mit seitlich an der Fußplatte sitzenden Schwenkhebeln über halbrunde Ausfräsungen an den Hinterseiten der Zapfen ­verriegeln. Seitensupport oder Höhenausgleich ist jedoch nicht möglich, was die Verwendbarkeit einschränkt, wenn die Montagebohrungen an der Waffe nicht fluchten. Und das ist bei vielen (preisgünstigen) Waffen der Fall. Wenn dadurch der Verstellbereich des Glases überstrapaziert wird, können sich wegen des dann nicht mittig stehenden Absehens optische Nachteile selbst bei sonst guten Optiken ein­stellen. Was bei manchen dieser einfachen Teile ebenso fehlt, sind Sicherungen für die Schwenkhebel, die im Jagdbetrieb deshalb aufgehen können. Selbst wenn dabei das Zielglas nicht gleich verloren geht, können nicht stramm sitzende ­Montagehebel doch eine Verlagerung der Treffpunktlage verursachen.
Diese Einschränkungen geben ausreichend Anlass zu der Überlegung, ob man ­einerseits nicht doch eine 'ganz feste', nur mit Werkzeug zu lösende Festmontage wählt – das ist die beste Lösung, wenn das Glas immer auf der Waffe bleibt – oder andererseits gleich eine zwar teurere, aber konstruktiv ausgereifte Schwenkmontage finanziert. Letzteres ist optimal für den Fall, wenn man das Zielfernrohr zum Beispiel beim Transport regelmäßig abnehmen will oder mehrere Optiken, zum Beispiel ein Dämmerungs­ziel­fernrohr plus Drückjagd­optik plus Rotpunktvisier, auf einer Waffe verwenden möchte.