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Pansenegel beim Reh – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 14.02.2022 - 10:00
Pansenegel-Reh © Heinz Rappold
Der linke Pansen eines Rehs ist stark mit Pansenegeln befallen – zum Vergleich ein parasitenfreier Pansen rechts daneben.

Bei diesen Gebilden im Pansen des Rehs handelt es sich um Pansenegel, einen Befall mit diesen Parasiten nennt man Paramphistomose. Das sind birnenförmige, rund einen Zentimeter große Parasiten von Haus- und Wildwiederkäuern mit einem kleineren Saugnapf am Vorder- und einem größeren am Hinterende.

Schnecken als Zwischenwirte

In Mitteleuropa kommt Paramphistomum cervi bei Wildwiederkäuern, Rind und Schaf, Paramphistomum ichikawai bei Rindern, Rot- und Muffelwild sowie Calicophoron daubneyi bei Mufflons und Rind vor. Ältere Untersuchung aus Osteuropa zeigten eine Befallsrate beim Rotwild von 11 %. Großflächige systematische Untersuchungen von Wildwiederkäuern auf Pansenegel liegen aber nicht vor. Wie auch Leberegel haben Pansenegel einen Entwicklungszyklus über Schnecken als Zwischenwirte.

Vom Endwirt werden die infektiösen Metazerkarien aus Schnecken, die an Pflanzen haften, über die Äsung aufgenommen.

Durchfall, Gewichtsverlust und Kümmern als Symptome

Sie siedeln sich zuerst im Dünndarm an und wandern dann in den Pansen zurück. Besonders während der Phase, in der die Egel an der Dünndarmschleimhaut angeheftet sind, kommt es zu auffälligen Erscheinungen infolge der Schleimhautreizung durch die jungen Egel. Klinische Symptome eines Pansenegelbefalls sind Durchfall, Gewichtsverlust, Kehlgangsödem (Schwellung im Bereich zwischen den Kieferästen) und Reduktion der Äsungsaufnahme. Bei hoher Befallsintensität kann die Paramphistomose in Einzelfällen zum Verenden führen. Betroffen sind vor allem immunologisch naive Jungtiere. Ältere Tiere scheinen – wie auch bei anderen Parasitosen – eine gewisse Immunität zu erlangen, die dazu führt, dass kaum klinische Symptome auftreten.

Die Diagnose Pansenegelbefall erfolgt entweder grobsinnlich, wenn die Egel bei einem erlegten Stück sichtbar im Pansen aufgefunden werden, oder alternativ über einen mikroskopischen Ei-Nachweis aus der Losung. Hier besteht aber aufgrund der Ähnlichkeit die Gefahr der Verwechslung mit Eiern des Großen Leberegels. Ohne weitere bedenkliche Merkmale ist das Wildbret verzehrtauglich.