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Was sind die orangenen Ränder an den Augen?  – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Dienstag, 10.08.2021 - 09:37
Die Lichter der Gams sind stark mit Herbstgrasmilben befallen. © Dr. Armin Deutz
Die Lichter der Gams sind stark mit Herbstgrasmilben befallen.
Nicht nur Rehe, auch Hasen, Füchse, Dachse und sogar Fasanen können von den Milben befallen werden. © Dr. Armin Deutz

Nicht nur Rehe, auch Hasen, Füchse, Dachse und sogar Fasanen können von den Milben befallen werden.

Herbstgrasmilben (Synonyme sind: Ernte-, Herbst oder Grasmilbe, Herbstbeiß oder Erntekrätze) und verwandte Laufmilbenarten haben als sechsbeinige Larven eine Bedeutung als Ektoparasit bei Tier und Mensch. Die erwachsenen Milben leben im und am Erdboden. Die im Boden überwinternden Weibchen legen im Frühjahr einige Hundert Eier ab, woraus die Larven schlüpfen. Die Larven kriechen bis etwa Kniehöhe an Pflanzen hoch und warten auf Wirte, ähnlich wie es Zecken auch tun.

Sehr viele Tierarten und sogar der Mensch kann befallen werden!

Die 0,3 bis 0,7 mm großen Larven befallen bevorzugt bei sonnigem Wetter ihre Wirte. Sie bleiben bis zu einer Woche, ritzen mit den Mundwerkzeugen die Haut an und nehmen dabei Gewebsflüssigkeit, Lymphe, selten auch Blut auf. Die erwachsenen, rund 2 mm großen Milben leben räuberisch am oder im Erdboden. In klimatisch günstigen Jahren treten sie im Spätsommer, in manchen Gebieten auch im Frühjahr massenhaft auf. Gerne werden dünnhäutige, unpigmentierte Körperstellen, wie der Augen- und Nasenbereich, Ohrmuschel oder Zwischenzehenraum befallen. Größere Milbenansammlungen erscheinen als ziegelrote Flecken wie in den vorliegenden Fällen an den Augenlidern.

Milbenlarven verursachen durch die Hautirritationen und das Saugen von Nahrung rote, runde bis ovale Quaddeln, Pusteln oder Geschwüre, oft mit Krustenbildung. Beim Menschen zeigen sich typische, im Gegensatz zu Mückenstichen nicht erhabene und nach außen scharf begrenzte etwa 4 - 5 mm große Rötungen, von denen sehr starker Juckreiz ausgeht.

Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) werden recht häufig beim Rehwild gefunden. In Räudegebieten kann der Herbstgrasmilbenbefall bei Gams- oder Steinwild durch den starken Juckreiz eine beginnende Räude vortäuschen. Befallen werden außerdem Kleinsäuger, Feldhase, Kaninchen, Fuchs, Dachs sowie Fasan und Rebhuhn. Von den Haustieren sind vor allem Hunde und Katzen betroffen. Bei Menschen machen sie sich besonders an den Unterschenkeln bemerkbar. Möglicherweise profitieren auch Herbstgrasmilben vom Klimawandel, beachtlich ist in diesen beiden Fällen ein Massenbefall auf 1200 m Seehöhe und darüber.