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OP- und Krankenversicherung für Hunde: Darauf ist zu achten!

Anna Lena Kaufmann © dlv
Anna Lena Kaufmann
am
Samstag, 01.08.2020 - 10:59
Tierarzt-Spritze © ALK
Es ist genau zu prüfen, welche Tierärztliche Leistung die Versicherung abdeckt.

Brauchbare Jagdhunde sind für die tierschutz- und waidgerechte Jagdausübung – wie bei der Verloren- oder Nachsuche von Wild – nicht nur unabdingbar, sondern tragen auch wesentlich zum Jagderfolg bei. Doch der jagdliche Einsatz geht immer mit einem gewissen Risiko einher. Begegnungen mit wehrhaftem Wild und dem Straßenverkehr können zu Verletzungen oder schlimmstenfalls zum Tod der vierläufigen Jagdhelfer führen. In beiden Fällen drohen dem Hundeführer erhebliche finanzielle Belastungen – vom immateriellen Wert ganz zu schweigen. „Wer frühzeitig vorsorgt, ist auf der sicheren Seite“, sagt Albrecht Stahl von GS-Jagdversicherungen. Da die Jagdhaftpflichtversicherung ausschließlich für „Schäden an Dritten“ aufkommt – zum Beispiel Schäden, die der Jagdhund verursacht (aber nicht selbst erleidet) –, kann ein zusätzlicher Versicherungsschutz hilfreich sein.

Für eine Jagd oder jährlich versichern

Muss der Vierbeiner auf den OP-Tisch, kann das schnell ins Geld gehen.

Zum einen besteht die Möglichkeit, einen Hund oder eine Meute für die Dauer eines Jagdtages zu versichern. Die von den meisten Anbietern (z.B. Gothaer Allgemeine Versicherung AG; Münchener & Magdeburger) sogenannte „Drückjagdversicherung“ greift bei Verletzungen oder Verlust infolge von Unfällen während des Jagdbetriebes. Sollte der Hund während der Jagdveranstaltung verschwinden oder am nächsten Tag bei Nachsuchen, ist auch dieses Risiko mitversichert. Jedoch ist die Versicherung lediglich für die Dauer der Jagdveranstaltung gedacht. Bei der „Meutenversicherung zur Drückjagd“ der GHV sind die Hunde außerdem an den zwei darauffolgenden Tagen für die Nachsuche von verletztem Wild versichert. Die „Bewegungsjagd-Versicherungen“ der Gothaer Allgemeinen Versicherung AG und Münchener & Magdeburger schließen auch Bau- und Maisjagden ein. Abschließen kann eine solche Versicherung entweder der Hundehalter selbst oder der Veranstalter für alle an der Jagd teilnehmenden Hunde.

Im Versicherungsumfang der Gothaer „Bewegungsjagd-Versicherungen“ sind auch ein mögliches Abhandenkommen des Hundes, die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut) oder Schäden durch Wolfsangriffe enthalten. Nicht versichert sind Jagden im Gatter und kommerziell eingesetzte Jagdhunde. Sie kostet für einen Hund ab 15 Euro pro Tag, wobei eine Mindestprämie von 59,50 Euro gilt. Der Versicherungsnehmer kann zwischen zwei Optionen wählen – je nachdem, ob verstärkt Tierarztkosten oder der Todesfall abgesichert werden soll(en). Variante A übernimmt Tierarztkosten in Höhe von bis zu 1.500 und leistet 750 Euro im Todesfall, Variante B deckt Tierarztkosten von bis zu 750 Euro ab und zahlt 1.500 Euro beim Tod des Hundes; Tierarztkosten immer mit 100 Euro Selbstbehalt. Zum anderen können Hundeführer ihre(n) Vierläufer ganzjährig versichern, zum Beispiel über eine Jagdhundeunfall- (z.B. Gothaer – gekoppelt an die Jagdhaftpflicht) und/ oder Lebensversicherung (z.B. Münchener & Magdeburger und LVM). „Am Markt gibt es auch OP- und Krankenversicherungen mit und ohne Heilbehandlung für Hunde; eigentlich immer verbunden mit einem Aufschlag für Jagdhunde. Da sind die Leistungen individuell wählbar und die Prämie zudem von der Rasse abhängig“, erklärt Albrecht Stahl. Vorteile der beiden Erstgenannten: Sie greifen das ganze Jahr über, gelten im Jagdeinsatz und bei der jagdlichen Ausbildung, und je nach Anbieter kann der Versicherungsschutz auch auf das europäische Ausland ausgeweitet werden.

Operation-Hund-Naehen © FS

Eine Operationen fällt schnell an und kostet ruckzuck mehrere 100 Euro.

Viele verschiedene Versicherungsmodelle

Bei der GVO Versicherung ist die Jagdhund-Unfallversicherung sogar bereits Bestandteil der Jagdhaft-Pflichtversicherung (TOP-VIT und TOP-VIT Plus). Sie schützt vor den finanziellen Folgen aller Verletzungen des Hundes im Zusammenhang mit der Jagd – ob durch Wildangriff, Autounfall, Erreger der Aujeszky-Krankheit oder einen Schuss verursacht. Möglich sind bis zu 4.000 Euro Tierarztkosten pro Schaden und im schlimmsten Fall eine Todesfallleistung von 2.000 Euro (auch bei Verlust des Hundes). Variante A (TOP-VIT) übernimmt tierärztliche Behandlungskosten bis 750 Euro je Schaden, bei Tötung bis 1.500 Euro. Sie gilt bundesweit und im angrenzenden Ausland. Kostenpunkt: 56,50 Euro/Jahr. Variante B (TOP-VIT Plus) kommt für tierärztliche Behandlungskosten bis 4.000 Euro je Schaden auf und zahlt bei Tötung bis 2.000 Euro. Sie gilt weltweit und kostet 110 Euro/Jahr. Voraussetzung für eine Versicherung ist in der Regel eine namentliche Meldung des Hundes mit Wurfdatum, Name, Tätoo- oder Chip-Nummer und einer Kopie der Ahnentafel.

Hunde aus der eigenen Zucht zum Teil nicht versicherungsfähig

Daneben gibt es zum Teil Anbieter mit Altersbeschränkungen beim Versicherungseintritt des Hundes. Die Versicherungsfähigkeit endet meist – auch wieder vom Anbieter abhängig – mit der Vollendung des 12. Lebensjahres. Damit Versicherungsgesellschaften im Schadensfall die entstandenen Kosten ersetzen, verlangen sie häufig Nachweise. Einige Anbieter leisten nur dann eine Entschädigung, wenn der Versicherte z.B. belegen kann, dass er den getöteten Jagdhund käuflich erworben hatte. Somit sind bei einigen Versicherungen Hunde, welche aus der eigenen Zucht stammen oder verschenkt wurden, nicht versicherungsfähig. Auch die Brauchbarkeit der Hunde ist im Versicherungsfall oft nachzuweisen. Alle vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) anerkannten Rassen besitzen diesen Status. „Um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren, ist es wichtig, Belege zu haben und ggf. Zeugen benennen zu können. Wichtig ist z.B., dass aus der Tierarztrechnung hervorgeht, welcher Hund warum behandelt wurde. Hinweise wie ,Verletzung durch Schwarzwild‘ helfen. Bei mehreren Hunden sind separate Rechnungen sinnvoll“, sagt Albrecht Stahl. Extraleistungen (Impfungen oder Hustensaft), die nicht im Zusammenhang mit dem Jagdunfall stehen, dürfen nicht abgerechnet werden.

Landesjagdverbände unterstützen zum Teil im Notfall

Neben den genannten Optionen bieten viele Landesjagdverbände für ihre Mitglieder eine Jagdhundeunfallversicherung in Verbindung mit einer über den LJV gelösten Jagdhaftpflichtversicherung an. In beispielsweise Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein gibt es überdies einen „Fond“, aus dem der Verlust von Jagdgebrauchshunden – jedenfalls teilweise – entschädigt werden kann.

In z.B. Baden-Württemberg und Bayern sind Jagdhunde der Mitglieder bei Bewegungsjagden über die Gruppenversicherung des Landesjagdverbandes bzw. die Kreisgruppen versichert. In Bayern existiert für anerkannte Nachsuchengespanne eine speziell abgestimmte Versicherung (Gothaer), die über die Jagdabgabe finanziert wird. Aber Achtung, bei Jagden des Landes (Forsts) greifen manche Versicherung nicht! Ein Schaden wird dann von den Landesforsten beglichen.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. fördert – zusätzlich zum Rahmenvertrag mit der VGH für Jagdhundeunfallversicherungen – auf Antrag des Vorsitzenden einer Jägerschaft beim Verlust eines brauchbaren Jagdhundes im Jagdbetrieb in Niedersachsen über Mittel aus der Jagdabgabe des Landes einen Zuschuss für den Ankauf eines neuen Jagdhundes in Höhe von 300 Euro (mit Abstammungsnachweis einer beim JGHV anerkannten Jagdhunderasse) oder zahlt 200 Euro bei Jagdhunden ohne Abstammungsnachweis, sofern von der Jägerschaft ebenfalls ein Zuschuss in gleicher Höhe gewährt wird. Voraussetzung ist, dass niemand für den Verlust des Jagdhundes Ersatz leisten muss.

Da es bei jeder Versicherung Besonderheiten gibt, muss man abwägen, welche Leistungen sinnvoll sind – ob es ausreicht, wenn der Hund in heimischen Revieren nur für bestimmte Tage im Jahr versichert ist, oder ob es sein muss, dass man europaweit und ganzjährig Versicherungsschutz genießt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, hält es so wie Revierjäger Paul Rößler: „Grundsätzlich nehme ich mit meinen Hunden an keiner Drückjagd teil, bei der die Hunde nicht zu 100 Prozent vom Jagdherrn abgesichert sind.“


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