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Neues Revier gepachtet: So machen Sie es zum Traumrevier

Wildmeister Matthias Meyer © dlv
Matthias Meyer
am
Mittwoch, 31.03.2021 - 11:32
Hochsitz-wird-aufgestellt © Michael Breuer
Ein neues Revier bedeutet viel Arbeit aber wo fängt man am besten an?

Revierinhaber zu sein, bringt viele Freiheiten, aber noch mehr Verantwortung. Denn mit der getätigten Unterschrift auf dem Pachtvertrag verpflichtet man sich nicht nur zur Zahlung eines gewissen Geldbetrags auf das Konto der Jagdgenossen. In erster Linie geht es darum, die Lebensgrundlage aller Wildtiere – auch der nichtjagdbaren – in den vorhandenen Lebensräumen nachhaltig zu gestalten. Egal ob es um schwindende Niederwildbesätze oder ausufernde Schwarzwildbestände geht, dies ist mit Arbeit verbunden. Bevor man sich also an ein konkretes Konzept mit einem festen Zeitrahmen für das neue Revier macht, ist es zuallererst notwendig, den gegenwärtigen Zustand zu erfassen.

Revierkarte-digitalisieren © Rasso Walch

Die Anlage einer Revier- bzw. Jagdbetriebskarte bringt viele Vorteile – egal ob analog oder digital.

Anlage einer Jagdbetriebskarte

Bei der Übernahme eines Jagdreviers kommt der Pächter nicht an der Erstellung einer Revierkarte vorbei. Sie dient hauptsächlich zur Orientierung und enthält topografische Daten über Wald-, Feld- und Wasserflächen, Straßen und Reviergrenzen. Noch interessanter gestaltet sich allerdings die Anlage einer Jagdbetriebskarte entweder in Form mehrerer Themenkarten oder mit Themenfolien, die auf der Basiskarte aufbauen. Sie unterstützt mit ihren Eintragungen über Jahre hinweg das Gedächtnis des Jägers, und mit der Zeit werden rätselhafte Vorgänge im Revier leichter verständlich. So entsteht ein hochinteressantes „Buch“, das den Jagdbetrieb und den Jagderfolg effektiver machen kann.

Für „normale“ Reviergrößen von bis zu 1.000 ha sind Flurkarten im Maßstab 1:5.000 oder Luftbildaufnahmen am besten geeignet. Für einzelne Maßnahmen im Revier, die genauerer Unterlagen bedürfen, lässt sich das Vorhaben sehr gut und vor allem maßstabsgerecht auf Messtischblättern (1:1.000) anfertigen. Natürlich lässt sich das Ganze heute auch digital – beispielsweise per App für das Smartphone – umsetzen.

Wildbestände frühzeitig erfassen

Solange die Vegetation noch kurz ist, steht als nächster Schritt die Erfassung der Wildbestände an. Im Niederwild-/ Feldrevier erfassen wir Hasen- und Kaninchenbesätze sowie Rehsprünge mithilfe der Scheinwerfertaxation. Ratsam ist die Zählung auf der kompletten freien Feldfläche. Bei fortschreitender Vegetation leistet der Vorstehhund gute Dienste beim Zählen von Rebhuhn und Fasan. In der Dämmerung kann man zusätzlich die lockenden Paarhühner verhören.

Raubwild, das ebenfalls nachts mit dem Scheinwerfer erfasst wird, zählen wir mit. Allerdings ist die Zahl nicht unbedingt repräsentativ, reicht aber, um Tendenzen zu erkennen. Es muss mit weitaus höherem Besatz gerechnet werden, da die Streifgebiete regelmäßig Reviergrenzen überschreiten. Andere Tierarten, wie z.B. Rabenvögel, schätzen wir. Horste können mit kartiert werden. Schalenwildbestände beobachten wir und gleichen unsere Zählungen mit den Reviernachbarn ab. Wertvolle Dienste bietet die flächige Erfassung mithilfe von Wildkameras. Bereits nach einer Woche liefern sie – ausgebracht an Wechseln und Äsungsflächen – einen ersten Überblick.

Im April stört der Jäger in den Wildeinständen am wenigsten. Daher sollten Remisen und Feldgehölze jetzt ausgekundschaftet werden. Mit diesen ersten Tätigkeiten haben wir zu Beginn des Jagdjahres schon einen guten Informationsstand erreicht. Zusätzlich haben wir an Ortskenntnis gewonnen und erkannt, welche Revierteile bereits wertvoll für das Wild sind und in welchen wir noch etwas unternehmen müssen.

Ziele in der Wildbewirtschaftung

Nach einer gründlichen Inventur kann man nun überlegen, in welche Richtung die Zielsetzungen für das Revier laufen könnten, und was sich verwirklichen lässt. Ein jagdliches Ziel kann in einem Schalenwildrevier z.B. die Verbesserung der körperlichen Kondition einer bestimmten Wildart sein oder aber die notwendige Reduktion aufgrund untragbarer Wildschäden – bzw. auch beides, denn das eine schließt das andere nicht aus.

In einem Niederwildrevier sollte es neben einer für die Revierverhältnisse repräsentativen Strecke Ziel sein, Strukturelemente zu schaffen, die dem Wild zum einen notwendigen Lebensraum und Äsung bieten, aber auch jagdbetriebliche Ansprüche befriedigen. So benötigen wir beispielsweise getrennte Deckungs- und Äsungsflächen für gute Fasanentreiben, eingewachsene Uferstreifen und tiefes Schilfwasser für Ententreibjagden usw.

Ein starkes Team führt zum Ziel

2 Nur gemeinsam können Jagdgenossen und -pächter etwas bewegen.

Zur Vollständigkeit unserer Unterlagen brauchen wir noch eine Liste mit allen das Revier betreffenden Kontakten. Gute Beziehungen zum Vorpächter, zu den Jagdgenossen und den örtlichen Jägern erleichtern unser Vorhaben immens! Vorgänger und frühere Mitjäger können uns mit ihrer Erfahrung helfen, sodass wir in der Anfangsphase Zeit sparen. Vielleicht lässt sich sogar der eine oder andere als Begeher einsetzen. Schließlich ist es mit einem verlässlichen Team deutlich einfacher.

Auch die Jagdgenossen sind wichtige Partner, da sie täglich draußen auf der Fläche sind. Ein auf Vertrauen aufgebautes Verhältnis erleichtert obendrein Gespräche wegen Wildschäden.

Ein Antrittsbesuch bei den Reviernachbarn sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Denn bei den heute leider üblichen kleinen Revieren kommt keiner ohne den Nachbarn aus. Bei Hegemaßnahmen, Nachsuchenvereinbarungen, gemeinsamen revierübergreifenden Jagden festigt ein guter Kontakt das Vertrauen und erleichtert die Wildbewirtschaftung. Je mehr etwas für das Wild tun wollen, desto angenehmer und erlebnisreicher wird die Jagd für den Einzelnen. Somit steht auch der aktiven Mitarbeit auf Ebene von Hegering und Kreisgruppe nichts im Weg.

Bei Wildunfall-Schwerpunkten hilft es, auf Erfahrungen des Vorpächters zurückzugreifen.

Gute Verbindungen zur Polizei und zum Landratsamt vervollständigen den Kreis der notwendigen Partner. In Schalenwildrevieren dürfen dem Revierinhaber natürlich die Telefonnummern guter Schweißhundeführer nicht fehlen.

Bau-Kanzel © Matthias Meyer

Ansitzeinrichtungen stehen in allen aussichtsreichen Revierteilen. Ohne fleißige Jagdhelfer geht bei Revierarbeiten nichts!

Richtig planen statt sinnlos möblieren

Um ab 1. Mai mit dem Bock- und Schmalrehabschuss beginnen zu können bzw. ab Juni das im milchreifen Getreide zu Schaden gehende Schwarzwild zu bejagen, bedarf es erster Ansitzeinrichtungen. Eventuell kann ein Altbestand des Vorgängers übernommen werden kann, falls dieser noch intakt ist. Für aussichtsreiche Revierteile sollten zügig zusätzliche Ansitzeinrichtungen gebaut werden. Darüber ob es wirklich an jeder Waldecke die Panoramakanzel sein muss, oder ob nicht ein unauffälliger Schirm oder eine Leiter den gleichen Dienst erfüllen, muss sich jeder Revierinhaber selbst Gedanken machen. Allerdings macht es Sinn, wenn geschlossene Kanzeln den wenigen guten Plätzen vorbehalten bleiben, wo wir im Winter lange auf Fuchs und Sau passen.

Mindestens eine fahrbare Einrichtung braucht es, um den Einsatz an den Schadflächen im Feld zu gewährleisten. Wo Bewegungsjagden abgehalten werden sollen, verwenden wir besser niedrige freistehende Ansitzböcke als angelehnte Leitern oder Bodenstände. Sie bieten Rundumsicht und sicheren Kugelfang. Zudem sind Sie einfach zu versetzen, wenn der Standort nicht passt oder zuwächst.

Im ersten Jahr haben sich wenige Sitze im Feld bewährt, von denen man viel Überblick hat. So lassen sich das Wild, sein Rhythmus und die bevorzugten Wechsel am schnellsten und ohne zu stören beobachten. Im Wald ist ein gut angelegtes Netz von Pirschwegen sinnvoller, um so bei den wichtigsten Hauptwindrichtungen in die den meisten Erfolg versprechenden Ecken zu gelangen. Wo wir ein bisschen Sicht haben, kombinieren wir vorerst Pirschweg und Ansitzschirm. Im ersten Jahr ist häufige Präsenz gefragt, bis wir wissen, „wo und wie der Hase läuft“.

Logistik ist auch im Jagdrevier nötig

Neben einer Wildkammer mit entsprechender Ausrüstung und Kühleinrichtung ist eine Werkstatt für den Bau von Reviereinrichtungen unentbehrlich. Auch hier machen sich gute Kontakte bezahlt. Damit Sichtbeobachtungen und Abschüsse kein Zufall bleiben, sollten mit der Zeit, von den Ansitzeinrichtungen einsehbar, z.B. Salzlecken, Suhlen und Luderplätze angelegt werden. Gegebenenfalls kommen auf die Einstände verteilt noch Fütterungen für Schalenwild hinzu. Diese richten sich natürlich nach den gesetzlichen Vorgaben, nach Reviergröße und -struktur sowie dem Wildbestand.

Im Gegensatz dazu wird im Niederwildrevier jede Hecke und Remise mit Fütterungseinrichtungen bestückt, damit der Federwildbesatz ortsgebunden bleibt. Zusätzlich werden diese Plätze mit Fangeinrichtungen für Raubwild versehen. Auch alle Gewässer, Deckungsstreifen, Wildäcker und Wege aus der Ortschaft ins Revier sollten am Anfang und Ende mit Fallen gesichert werden. Nur das sichert einen gleichbleibenden und wirkungsvollen Schutz für Niederwild und Bodenbrüter. Als Faustregel gilt: Eine große Kasten- oder Betonrohrfalle auf 50 ha Revierfläche.

Mit wenig Aufwand lassen sich Wild lenken und Besätze/ Bestände sichern.

Im Herbst und Winter setzen wir auf geeignete Gewässer Bruthilfen für Stockenten und bauen Revierkunstbaue ein, damit der Fuchs in den folgenden Jahren leichter und effektiver zu kontrollieren ist. Der Abschuss sollte sich anfangs vor allem auf Wildunfallschwerpunkte und stark durch Wildschaden gefährdete Flächen in Land- und Forstwirtschaft konzentrieren.

Bluehmischung © Matthias Meyer

Gemeinsam mit den Jagdgenossen sollte beraten werden, wo im Revier Ausgleichsmaßnahmen in Form von Blühflächen am sinnvollsten wären.

Investitionen in den Wildlebensraum

Nach der Ernte oder auch schon früher bietet es sich an, für kurzfristige Deckung und verteilt liegende Äsungsflächen zu sorgen. Neben geeigneten Flächen benötigen wir entweder eine eigene Maschine oder die Unterstützung durch Landwirte. Auch die geeigneten Flächen bekommen wir von Letzteren, aus kirchlicher oder öffentlicher Hand. Maßnahmen wie z.B. Teiche oder Hecken sind auf langfristig gepachteten oder gekauften Flächen am besten realisierbar. Oftmals hilft es allerdings schon, wenn man sich der Pflege bereits bestehender Biotope annimmt. Durch Ausbringen von Gehölzstecklingen, Topinambur- sowie Chinaschilfknollen schaffen wir in Kürze Äsung und Deckung. Mit all diesen Maßnahmen verfolgt der Jäger ein Ziel – Ruhezonen! Denn leidet der Wildbestand unter Stress – egal ob unter zu hohen Beständen oder unter Feinddruck, wozu auch die Störung durch den Menschen zählt – ist er nicht nur anfällig für Krankheiten, sondern verursacht z.B. Wildschäden. Die optimale Bewirtschaftung eines Reviers benötigt neben einem gehörigen Maß an finanziellen Mitteln viel Zeit. Je größer und gepflegter Revier und Wildbestand sein sollen, desto professioneller sollte die Revieraufsicht sein, um dem ersehnten Ziel einer eigenen Jagd mit vielen interessanten Erlebnissen nahezukommen.


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