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Neu konzipiert

Das Waffenmuseum birgt auch eine Schauwerkstatt. Hier eine weißfertige Merkel Bockdoppelbüchse 323 mit Wechsellauf.<br>(Foto: Waffenmuseum Suhl)



Das Waffenmuseum Suhl wurde nach zweijähriger Rekonstruktion Anfang Juni 2008 neu eröffnet. Vollständig saniert, präsentiert das Haus zudem eine völlig neu gestaltete Ausstellung, die mit ihren zahlreichen Prunk-, Jagd-, Sport- und Militärwaffen einen Überblick über die Geschichte des wichtigsten Handwerks der Stadt erlaubt. Das Waffenmuseum Suhl ist Deutschlands einziges Spezial­museum für Handfeuerwaffen und der touristische Anziehungspunkt der Stadt Suhl. Es ist eine städtische Institution mit europäischer Ausstrahlung, indem es den internationalen Ruf der Suhler Waffenproduktion in Vergangenheit und Gegenwart gebührend beachtet. Das Museum entwickelt sich auch zum Kommunikationszentrum zur Geschichte der ­Suhler Handfeuerwaffen-Herstellung. Seine Räume bieten einem Forum Platz, welches dem interdisziplinären wissenschaftlichen Meinungsaustausch auf dem ­Gebiet der kulturgeschichtlichen Waffenkunst dient.
Die neue Konzeption der Dauerausstellung legt Schwerpunkt auf die Geschichte der Suhler Handfeuerwaffenfertigung. Erstmals wird es gelingen, die fast 600-jährige Geschichte der Suhler Fer­tigung von Handfeuerwaffen mit Originalexponaten aus allen Epochen darzustellen. Durch die Aufteilung in fünf Kernbereiche
  • Welt der Waffen,
  • Heimat der Büchsenmacher,
  • Militärwaffen,
  • Jagdwaffen,
  • Sportwaffen
ist es möglich, einen umfassenden Einblick zu geben.
Die Ausstellung beginnt mit dem Suhler Bergbau. Das gefundene und durch die Hammerwerke verarbeitete Erz eignete sich vorzüglich für den Waffenbau und war somit eine wichtige Grundvoraussetzung für die Entstehung der Waffenwerkstätten. Bisher konnten rund 700 selbständige Büchsen­macher und Firmen nachgewiesen werden, die über die Jahrhunderte in Suhl wirkten.
Es folgt der Bereich „Welt der Waffen“. In diesem wird anschaulich und zum Anfassen die Entwicklung der einzelnen Handfeuerwaffenarten von der Haken­büchse bis zum Maschinen­gewehr dokumentiert. Man kann nachvollziehen, wie sich die drei Hauptbestandteile einer Handfeuerwaffe – Schaft, Lauf und Schlosssystem – entwickelten und veränderten.
In gestalterisch unterschiedlicher Form und Aussehen kommen die Bereiche ­Militär-, Jagd- und Sportwaffen zur Geltung. Im Militärwaffenbereich werden die immer perfekteren Kriegsgeräte gezeigt. Leichte Bedienbarkeit, universeller Austausch der einzelnen Teile und hohe Feuerkraft bestimmen diese Entwicklung.
Ganz anders stellt sich der Jagdwaffenbereich dar. Hier wird bei der Handfeuerwaffe Wert gelegt auf eine hohe Sicherheit, vollendete Form und das Verschönern durch Gravur und Schaftverschneidung. Die Gestaltung im grünen Farbton – der Farbe der Jagd – lassen die Jagdwaffen in ihrem ganzen Glanz erscheinen. Die ­Sportwaffen haben ihren eigenen Charakter, gekennzeichnet von Funktionalität, Individualität und hoher Treffgenauigkeit. Die Faszination des Sportschießens wird in allen Facetten aufgezeigt. Ein Laser-Schießstand ermöglicht jedem Besucher, sein persönliches Können zu testen.
Die Suhler Büchsenmacherheimat würdigt das besondere Geschick der hiesigen Waffenhandwerker über die Jahrhunderte beim Umgang mit Holz und Metall. Von Generation zu Generation geben sie ihr Wissen und Können weiter. Am Ende der Ausstellung präsentieren sich die heutigen Suhler Büchsenmacher. Eingebettet in die Dauerausstellung sind die Leistungen der Suhler Graveure und Medailleure. Einblicke ­werden gegeben in das Schießsportzentrum Suhl, das Suhler Beschussamt und die Suhler Berufsfachschule für Büchsen­macher und Graveure. In einer kleinen Rüstkammer werden Suhler Prunk- und Luxuswaffen gezeigt, die an die Herrscherhäuser Europas gingen. ­Diese erlesenen Handfeuerwaffen sind kunsthandwerkliche Produkte und zählen zu den Spitzenleistungen europäischer Büchsenmachergeschichte.

Historische Werkstatt

Historische Darstellung (Ende 19. Jh.): Verschiedene Arbeitsschritte beim Jagdwaffenbau.<br>(Foto: Waffenmuseum Suhl)


Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die eingerichtete historische Büchsenmacher­werkstatt. Darin integriert sind drei moderne Arbeitsplätze: des Graveurs, des Schäfters und des Systemmachers. Lehrlinge zeigen den Besuchern, wie eine Handfeuerwaffe entsteht.
In Vorbereitung des neuen Konzepts und in Erarbeitung des Drehbuches setzte ein intensives Forschen ein. Gerade in dieser sehr aktiven Zeit kamen viele neue Erkenntnisse zutage. Genannt seien die Nachweise, dass bereits Ende des 15. Jahrhunderts in Suhl Handfeuerwaffen gefertigt worden waren. Eine Urkunde aus dem Jahr 1547 belegt ein aktives Suhler Sportschützenleben. Zu aller Erstaunen war auch das ­Laserschießsystem IROSA eine Entwicklung aus Suhl.
Der gesamte Fundus des Waffenmuseums Suhl mit seinen über 30 000 Exponaten, darunter 2500 Handfeuerwaffen, wurde unter die Lupe genommen, um ziel­gerichtet aussagekräftige und bedeutungsvolle Exponate für die neue Ausstellung auszuwählen. So lockt das Waffen­museum auch Besucher, die schon einmal da waren. In jedem Fall ist Suhl für Jäger und Waffen-Enthu­siasten eine Reise wert.