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Nachtsichttechnik: Was ist in welchem Bundesland erlaubt?

Hannah Reutter. © Hannah Reutter
Hannah Reutter
am
Samstag, 01.08.2020 - 06:48
In mehreren Bundesländern ist die Jagd mit Nachtischtvorsatztechnik auf Schwarzwild erlaubt. © Eva Grun
In mehreren Bundesländern ist die Jagd mit Nachtischtvorsatztechnik auf Schwarzwild erlaubt.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. Letzte Aktualisierung am 28. August 2020.

Durch das Dritte Waffenänderungsgesetz ist es nun waffenrechtlich möglich, Nachtsichttechnik bei der Jagd auf Schwarzwild einzusetzen. Jedoch muss es auch jagdrechtlich erlaubt sein, weshalb einige Bundesländer mit einer Änderung des jeweiligen Jagdrechts nachgezogen sind. Nur wenn auch eine jagdrechtliche Erlaubnis vorhanden ist, darf die waffenrechtlich zulässige Technik auch bei der Schussabgabe eingesetzt werden.

Laut einem Erlass vom 3. April 2020  des zuständigen Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) dürfen alle Jagdscheininhaber Dual-Use-Geräte zum Erlegen von Schwarzwild verwenden. Weiterhin dürften auch Taschenlampen eingesetzt werden, sofern diese nicht mit der Waffe verbunden sind.

Gegenüber der Redaktion äußerte das MLR sich dahingegend bezüglich IR-Strahlern, dass „für die Spezifikation der Geräte die Positivliste des Bundeskriminalamtes zu den zugelassenen Dual-Use-Nachtzielgeräten heranzuziehen.“ Die Antwort auf nochmalige Nachfrage in dieser Angelegenheit lautete: „Nach unserer Rechtsauffassung ist der Besitz von „Dual-Use-Geräten“ zulässig, wenn diese in der Positivliste des Bundeskriminalamts gelistet sind. Sofern diese Geräte integrierte IR-Strahler besitzen, ist auch deren jagdliche Nutzung nach unserer Auffassung zulässig. Die Zulässigkeit des Einsatzes zu Zwecken der Jagd der genannten Geräte ergibt sich nicht aus der BKA-Liste, sondern jagdrechtlich aus § 9 Abs. 2 DVO-WaffG und waffenrechtlich aus dem neu geänderten WaffG.“

Bayern hat eine Erleichterung der Nachtsichttechnik angekündigt, nach welcher auch Geräte eingesetzt werden, bei denen das Ziel beleuchtet wird. Bislang wurden Einzelpersonen beauftragt, was aber durch eine Anpassung der Verwaltungspraxis wegfällt. Die bisherigen Einzelanordnungen werden widerrufen. Der Einsatz soll gemäß der neuen Regelung erfolgen. 

Mittlerweile gibt es in vielen Landkreisen Allgemeinverfügungen, wodurch nicht das einzelne Revier namentlich genau jede Person benennen muss, sondern die Ausnahme landkreisweit gilt.

Berlin veröffentlichte am 26. Juni eine Allgemeinverfügung, wonach die Jagd mit Nachtsichtvor- und -aufsätzen bei der Jagd auf Schwarzwild erlaubt wird.

Laut §3 der Brandenburger Jagdverordnung dürfen die waffenrechtlich erlaubten Geräte auch bei der Jagd auf Schwarzwild eingesetzt werden. Der Einsatz von Geräten mit künstlichen Lichtquellen in Verbindung mit der Waffe (z. B. Infrarotstrahler in der Zieloptik oder fest montierte Taschenlampen) ist weiterhin nicht zulässig und sowie für alle Jäger verboten. 

In Bremen ist die jagdliche Nutzung von Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen gem. § 19 Abs. 1 Nr. 5 a BJagdG verboten. Es gibt keine landesrechtlichen Vorschriften, die dieses Verbot einschränken. Jäger dürfen somit diese Technik nicht im Rahmen der Schwarzwildjagd einsetzen.

In Hamburg ist die Verwendung von künstlichen Lichtquellen zur Bejagung von Schwarzwild per Allgemeinverfügung gestattet worden. Die Verwendung von Nachtsichttechnik ist Jägern in Hamburg bisher nicht erlaubt – jedoch kann sie im Einzelfall durch die Obersten Jagdbehörde der BWVI genehmigt werden.

Hessen gab Ende März die Verwendung von Nachtsichttechnik für die Jagd auf Schwarzwild frei. Zu diesem Zeitpunkt betonte das Umweltministerium, dass die Verwendung von eingebauten IR-Strahlern nicht gestattet sei. Das Umweltministerium Hessen hat auf nochmalige Rückfrage der Redaktion, wie es sich mit Geräten mit IR-Strahlern verhalte, darauf verwiesen, dass hierzu noch Gespräche zwischen Umweltministerium und hessischem Innenministerium sowie Innenministerium und Bundesinnenministerium (BMI) nötig seien.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Jagdzeitenverordnung um folgenden Artikel ergänzt: „Abweichend von § 19 Absatz 1 Nummer 5a des Bundesjagdgesetzes ist es erlaubt, a) Nachtsichtgeräte mit Montagevorrichtung für Schusswaffen sowie Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel sowie b) künstliche Lichtquellen zum Anstrahlen oder Beleuchten des Zieles beim Erlegen von Schwarzwild zu verwenden. Die waffenrechtlichen Bestimmungen bleiben davon unberührt.“

Demnach und nach Aussagen des Ministeriums gegenüber der Redaktion ist die Verwendung von IR-Strahlern bei der Jagdausübung auf Schwarzwild in Mecklenburg-Vorpommern verboten.

Bei der Erlegung von Schwarzwild dürfen Jäger in Niedersachsen künstliche Lichtquellen und Vorrichtungen zum Anstrahlen, "die nicht für Schusswaffen bestimmt sind" verwenden. Außerdem dürfen Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel, "die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind" bei der Erlegung von Wildschweinen genutzt werden.

In Nordrhein-Westfalen ist zur Vorsorge vor der Afrikanischen Schweinepest bei der Bejagung von Wildschweinen ab dem 30.1.2021 der Einsatz künstlicher Lichtquellen erlaubt. "Gleichzeitig wird der Einsatz von Nachtsichtgeräten in Form von Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen zugelassen, die Restlicht verstärken und sofern sie ohne eigene Montageeinrichtung mittels Adapter an Zielfernrohren befestigt werden." 

Rheinland-Pfalz gab Ende Juni eine Ausnahme des Landesjagdgesetzes bekannt, wonach Nachtsichtvorsatz- und Nachtsichtaufsatzgeräte ohne integrierte Vorrichtung zum Anstrahlen des Wildes (IR-Strahler, Lampen) bei der Jagd auf Schwarzwild verwendet werden dürfen. 

Laut Durchführungsverordnung des Saarländischen Jagdgesetzes ist es erlaubt, Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel (z. B. Zielfernrohre) zu verwenden, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind. 

Gegenüber der Redaktion äußerte sich das Ministerium: "Bereits 2018 hatte der Freistaat Sachsen mit der Änderung des Sächsischen Jagdgesetzes und der Sächsischen Jagdverordnung die jagdrechtlichen Voraussetzungen auf Landesebene geschaffen, dass - abweichend von § 19 Absatz 1 Nummer 5 Buchstabe a des Bundesjagdgesetzes - bei der Jagd auf Schwarzwild u. a. künstliche Lichtquellen und Nachtsichttechnik in Verbindung mit Langwaffen bei der befugten Jagdausübung verwendet und genutzt werden können.Mit Inkrafttreten des Dritten Waffenrechtsänderungsgesetzes im Februar 2020 liegen nunmehr auch die waffenrechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz von Nachtsichttechnik bei der Schwarzwildbejagung im Freistaat Sachsen vor." 

Sachsen-Anhalt hat laut Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt das jagdrechtliche Verbot der Verwendung von Nachtsichtechnik bei der Jagd auf Schwarzwild aufgehoben. Es dürfen nur die waffenrechtlich erlaubten Geräte, ohne integrierte Vorrichtungen zum Beleuchten oder Anstrahlen des Ziels wie z.B. Infrarot-Aufheller, verwendet werden.

Am 27. August 2020 wurde im Gesetzesblatt Schleswig-Holstein veröffentlicht, dass künftig auch Nachtsichtvorsätze sowie Nachtsichtaufsätze beim Fang und Erlegen von Schwarzwild verwendet werden darf. Jedoch gilt dies nur, wenn der Jagdscheininhaber bereits seit einem Jahr in Besitz eines gültigen Jagdscheines ist. Zudem muss der Jäger für die Verwendung volljährig sein. 

Seit dem Jahr 2018 ist es aufgrund der „Landesverordnung zur Erleichterung der Bejagung des Schwarzwildes“ gestattet, bei der Jagd auf Schwarzwild künstliche Lichtquellen zu verwenden oder zu nutzen. Waffenrechtliche Bestimmungen bleiben davon unberührt. 

Die jagdliche Verwendung von Nachtzieltechnik richtet sich nach § 29 Absatz 6 des Thüringer Jagdgesetzes. Danach können die Verbote des § 19 Absatz 1 des Bundesjagdgesetzes durch Rechtsverordnung im Einvernehmen mit dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie erweitert oder aus besonderen Gründen, insbesondere zur Wildseuchenbekämpfung, aus Gründen der Landeskultur, zur Erlegung kranken oder kümmernden Wildes, zur Vermeidung von übermäßigen Wildschäden, zu Wissenschafts-, Lehr- und Forschungszwecken oder bei Störung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes eingeschränkt werden. Eine solche Rechtsverordnung ist derzeit in Vorbereitung.

Außerdem können die Verbote unter den gleichen Voraussetzungen auch durch Einzelanordnung eingeschränkt werden können. Von dieser Möglichkeit wird derzeit in Thüringen in ausgewählten Fällen Gebrauch gemacht.


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