Home Praxis Marlin: Firmengeschichte und das Kaliber .45-70 Government

Marlin: Firmengeschichte und das Kaliber .45-70 Government

Marlin-offen © Roland Zeitler

Marlin Firearms, 1870 in New Haven (Connecticut) gegründet, ist einer der großen US-amerikanischen Hersteller von Lever-Action-Büchsen – der Hauptkonkurrent in puncto „lever action rifles“ für Winchester, Browning, Savage und Ruger, die im Lauf ihrer Geschichte auch Unterhebelrepetierbüchsen herstellten. Firmengründer war der Werkzeugmacher John Mahlon Marlin (1836 – 1901). Zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 – 1865) hatte er für Colt in Hartford gearbeitet. Früh machte er sich als Kurzwaffenbauer einen Namen. 1879 folgte die erste Langwaffe.

Im Lauf seines Lebens vereinte Marlin 25 Patente auf sich. Hohe Schussleistung, Robustheit und Zuverlässigkeit zeichneten seine Gewehre aus. So wurde er zum Player im Geschäft mit Unterhebelrepetierbüchsen. Das Mod. 1881 war das erste Zentralfeuermodell, das Mod. 1891 das erste Randfeuermodell. Es wurde auch von Annie Oakley, einer berühmten Kunstschützin (Buffalo Bill Show) benutzt. Als der Firmengründer starb, ging das Unternehmen an seine Söhne über. 1950 kamen die typischen Micro-Groove-Läufe auf den Markt.

Tochterfirma von Remington Arms

Marlin 1895 ABL Aimpoint © Roland Zeitler

Der Unterhebelrepetierer Marlin 1895 ABL mit einem Aimpoint.

Seit 2007 ist Marlin eine Tochterfirma von Remington Arms. 2010 wurde der Firmensitz nach Madison (North Carolina) verlagert. Heute verlassen in Madison eine Vielzahl von Lever-Action-Büchsen das Werk. Sie werden vom Kaliber .22 l.r. bis hin zu .444 Marlin und .45-70 Gov’t gefertigt. Das Kaliber .450 Marlin konnte sich nicht richtig durchsetzen.

Es gibt Modelle aus Stainlessstahl mit Schichtholzschaft genauso wie solche mit Ahornholzschaft. Daneben die Klassiker aus brüniertem Kohlenstoffstahl mit Walnussschaft. Aber auch ein Kunststoffschaft ist wählbar. Darüber hinaus verwirklicht Marlins Customshop individuelle Wünsche. Ich führe seit Jahrzehnten Marlin-Unterhebelrepetierer in .30-30 WCF und .444 Marlin. Deren Robustheit und Zuverlässigkeit kann ich nur bestätigen.

Kurzstreckenpatrone .45-70 Government

.45-70 Government © Roland Zeitler

Das Kaliber .45-70 Government.

Die – damalige – Schwarzpulverpatrone .45-70 Government wurde 1873 als vom U.S.-Militär als Ordonanzpatrone in der einschüssigen Springfield „Trapdoor“-Rifle angenommen. Sie war die folgenden 19 Jahre Militärpatrone, ehe sie von der .30-40 Krag abgelöst wurde. Mit .45 wird das gerundete Kaliber in Hundertstel Zoll/ Inch angegeben. 70 steht für die übliche Schwarzpulverladung in Grains. Es ist eine Randpatrone mit fast zylindrischer Hülse. Sie verjüngt sich von 12,84 mm auf 12,19 mm Durchmesser. Die volumige Randhülse ist 53,47 mm lang und hat einen Bodendurchmesser von 15,44 mm.

Die .45-70 Gov’t wird mit großen Büchsenzündhütchen, offensivem Büchsenpulver und Geschossen im Diameter .458“ (11,63 mm) versorgt. Die Patronenlänge beträgt maximal 64,77 mm. Der maximal zulässige Gasdruck (C.I.P.) beträgt nur 2200 bar. Aufgrund der großen Hülsenfläche erfordert die .45-70 Gov’t dennoch stabile Systeme. Sie wurde ursprünglich mit 405 gr schweren Rund- und Flachkopf-Bleigeschossen geladen. Heute sind 250, 300, 325, 350 und 400 gr schwere Mantelgeschosse üblich. Werden sie in Röhrenmagazinen geladen, dann müssen sie einen flachen Geschosskopf haben, damit es nicht zur Selbstzündung kommt. Extrem fortschrittlich sind Hornadys Flex Tip X- und Monoflex-Geschosse (bleifrei) mit der spitzen, eindrückbaren Flex Tip-Kunststoffspitze. Diese Geschosse sind sicher in Röhrenmagazinen. Sie haben höhere B.C.-Werte als Flachkopfgeschosse. Damit eine bessere Außenballistik mit gestreckterer Flugbahn sowie mit weniger Geschwindigkeitsverlust.

Einige Laborierungen nicht auf Hochwild zugelassen

400 gr schwere Geschosse erreichen eine V0 von rund 405 m/s (2152 Joule). Auf 100 m sind es nur noch 351 m/s und 1619 Joule. Mit 375 gr Geschossen sind es 457 m/s (2538 Joule) sowie 388 m/s und 1826 Joule auf 100 m. Mit 300 gr Geschossen wird eine V0 von 564 m/s (3092 Joule) angegeben. Auf 100 m bleiben noch 484 m/s und 2272 Joule übrig. Hornadys 325 gr FTX erbringen eine V0 von 610 m/s (3914 Joule) und auf 100 m noch 504 m/s mit 2671 Joule an Energie. Einige Laborierungen sind nach deutschem Recht damit nicht auf Hochwild zugelassen! Bei der Hochwildjagd ist somit auf eine geeignete Laborierungswahl zu achten. Die .45-70 Gov’t ist für Kurzstrecken geeignet. Praktisch liegen die maximalen sinnvollen Schussentfernungen bei 150 m, mit schweren Geschossen wegen des starken Geschossabfalls eher bei 100 m. Auf Schwarzwild war ich mit der .45-70 Gov’t voll zufrieden: Viele Sauen lagen im Feuer. Bei Kammertreffern ergaben sich sehr kurze Fluchtstrecken. Auch bei Weichschüssen kamen die Sauen gut zur Strecke. Auf moderate Entfernung ist die .45-70 Gov’t sicherlich eine sehr wirkungsvolle Patrone auf Schwarzwild, aber auch Rotwild.


Roland Zeitler Er ist ständiger freier Mitarbeiter der PIRSCH und Buchautor mit den Themenschwerpunkten: Waffen, Munition, Wiederladen, Optik und sonstige Jagdausrüstung. Darüber hinaus verfügt er über Jagderfahrungen auf fünf Kontinenten.
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