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Ein Markenzeichen erhalten

Rudi Suchant, Leiter der Abteilung Wild­ökologie an der Forst­lichen Versuchsanstalt Freiburg, erläuterte 
die Inhalte des Auerwildkonzepts.
(Foto: J. Brandl)
Vielleicht gelingt es ja – mit viel Anstrengung – der größten Raufußhühnerart eine dauer­hafte Existenz im Schwarzwald zu ermöglichen.
(Foto: E. Marek)

Vielleicht gelingt es ja – mit viel Anstrengung – der größten Raufußhühnerart eine dauer­hafte Existenz im Schwarzwald zu ermöglichen. (Foto: E. Marek)

Mit verschiedenen Maßnahmen soll dem Auerwild im Schwarzwald nun durch eine Lebensraumverbesserung wieder auf die Ständer geholfen werden, um die Bestände des größten Raufußhuhns wieder anzuheben. Hauptursache für den Rückgang der Auerwildbestände ist die „massive Habitatverschlechterung“, so der Leiter des Auerhuhn-Hegerings, Klaus Roth, bei der Vorstellung des „Aktionsplan Auerhuhn im Schwarzwald“ anlässlich einer Pressefahrt am 13. März, zu der das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium in den Nordschwarzwald eingeladen hatte.
Trotz vieler Anstrengungen und auch einiger Teilerfolge gelten die Auerhuhnbestände derzeit als nicht gesichert. Der dem Jagdrecht unterliegende, ganzjährig geschonte Vogel ist in seinem Bestand im Schwarzwald bis auf rund 320 Stück zurückgegangen. Die Gesamtzahl in Baden-Württemberg wird noch auf etwa 600 Vögel geschätzt. Dabei präsentiert sich Freudenstadt, mit dem Auerhahn im Wappen des Landkreises, als auerwildreichste Gegend in ganz Deutschland. Klaus Roth berichtet immerhin noch von 110 balzenden Hähnen allein in dem Gebiet des Grindenschwarzwalds.
„Das Auerhuhn ist ein hervorragender Indikator für die Biodiversität. Auerhühner brauchen jedoch strukturreiche Wälder, Ruhebereiche und einen angepassten Wildbestand der natürlichen Feinde“, erklärte der baden-württembergische Minis­ter für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk. Auerhühner und deren Gelege werden nämlich auch sehr häufig zur Beute von Fuchs, Marder und Schwarzwild. Im Aktionsplan­ ist daher die intensive Jagd auf ­Fressfeinde wie Fuchs und Marder vorgesehen. Dem Schwarzwild wird selbst in Höhenlagen von 800 bis 1000 Metern noch ein erheblicher Störfaktor zugeschrieben. Ganz konkret sind für die Jagd vier Schwerpunkte vorgesehen, in denen vorwiegend die Auswirkungen der Prädatoren auf das Auerwild untersucht werden. Der Einfluss der Fuchsdichte auf das Auerwild sowie entsprechende Bejagungsstrategien sollen erforscht werden.
Weiterhin gilt es, den Eingriff des Habichts auf die Auerwildpopulation zu erfassen. Schließlich soll der Einfluss der Prädatorenbejagung wissenschaftlich exakt ermittelt werden. Dazu wird auch ordent­lich Geld in die Hand genommen: Mindestens ein bis zwei hauptamtliche Mitarbeiter sollen über we­nigstens drei Jahre wissenschaftlich fundierte Daten erheben.

Breite Allianz

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) hat den Aktionsplan im Auftrag des Ministeriums erstellt. Dieser erstreckt sich über 66 000 Hektar „auerhuhn­relevanter Fläch­en“ im gesamten Schwarzwald. Der Leiter der Abteilung Wild­ökologie an der FVA, Rudi Suchant, machte deutlich: „Dieser große Vogel löst einfach Emotionen aus, er ist ein ideales Identifikationsobjekt und kann zu einem Markenzeichen des Schwarzwaldes werden.“ Für die Umsetzung des Aktionsplans bedarf es jedoch einer breiten Allianz. Daher werden Förster, Waldarbeiter und Waldbesitzer bei der Habitatgestaltung geschult, die jagdlichen Konzepte beratend weitergetragen und die räumlichen Gesamt­konzeptionen einer breiten Öffentlichkeit kommuniziert.