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Marderhund in Deutschland: Biologie, Verhalten und Jagd auf Enok

Kathrin-Fuehres © Kathrin Führes
Kathrin Führes
am
Dienstag, 27.07.2021 - 11:02
Eine Nahaufnahme eines Marderhundes. © AnneGM - stock.adobe.com
Die Allesfresser kommen mittlerweile in ganz Deutschland vor.

Der Neozoon ist schon lange kein seltener Gast mehr in Deutschland. Immer häufiger liegt der Marderhund auf den Jagdstrecken unserer heimischen Reviere. Doch woher kommt der Marderhund eigentlich und was ist über Biologie und Bejagung zu wissen?

Woher stammt der Marderhund?

Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides) war ursprünglich in Ostasien von Sibirien bis Vietnam und Japan beheimatet. Nachdem der Marderhund zur Pelzproduktion in Russland gezüchtet und auch ausgewildert wurde, breitete sich Enok oder Tanuki von Russland weiter in Richtung Westen in Europa aus. In Deutschland wurde er erstmal im Jahr 1961 nachgewiesen.

Wie sieht ein Marderhund aus?

Marderhunde besitzen eine Schulterhöhe von rund 20 bis 30 Zentimetern und wiegen zwischen vier und zehn Kilogramm. Die Kopfrumlänge der Tiere beträgt circa50 bis 68 Zentimeter, hinzu kommt noch die 13 bis 25 Zentimeter lange Rute.

Der Balg des Marderhundes ist beige-grau an den Flanken und am Bauch und Rücken schwarzbraun. Marderhunde machen einen Fellwechsel, jedoch gleichen sich die Balge in der Farbe. Im Winter ist der Balg nur deutlich dichter und schwerer.

Ist der Waschbär mit dem Marderhund verwandt?

Der Marderhund weist Ähnlichkeiten zu Waschbären auf, ist mit diesen aber nicht verwandt. Ein Unterschied zum Waschbären ist die geteilte Gesichtsmaske.

Wo gibt es Marderhunde?

In Deutschland kommt der Marderhund in allen deutschen Bundesländern vor. Besonders häufig wurde der Marderhund im Jagdjahr 2019/ 2020 in Brandenburg (6.210), Mecklenburg-Vorpommern (7.261), Niedersachsen (4.715), Sachsen (2.475) und Sachsen-Anhalt (2.654) von Jägern erlegt. Insgesamt lagen im Jagdjahr 2019/ 2020 rund 33.430 Marderhunde auf der Strecke.

Wie gefährlich ist ein Marderhund?

Der Marderhund gilt als scheu. Einen Kontakt mit Menschen versucht Enok zu vermeiden. Kranke Marderhund können aggressiv reagieren und auch den Menschen verletzten. Doch solche Vorfälle passieren nur äußerst selten.

Jedoch kann der Marderhund die gleichen Krankheiten wie der Fuchs haben und kann auch den Fuchsbandwurm sowie Tollwut übertragen.

Was tun gegen Marderhunde?

Der Marderhund unterliegt in Deutschland dem Jagdrecht und darf von Nichtjägern nicht bekämpft werden.

Was fressen Enok oder Tanuki?

Ein seltener Anblick: Marderhunde sind heimlich und man bekommt ihn nur selten zu Gesicht.

Marderhunde sind Allesfresser. Als Nahrung dienen den Tieren Eier, Mäuse, Fische aber auch Vögel, Kröten Schnecken oder Insekten. Dazu stehen auch Eicheln, Nüsse, Beeren und Obst auf den Speiseplan der Allesfresser. Bei jungen Marderhunden besteht die Nahrung hauptsächlich aus Früchten, bei Alttieren ist der Anteil an kleinen Wirbeltieren höher.

Wie lebt der Marderhund (Nyctereutes procyonoides)?

Der Marderhund lebt monogam. Die Tiere bleiben ein Leben lang als Paar zusammen und kümmern sich gemeinsam um die sechs bis zehn Welpen. In Regionen mit einem harten Winter halten Marderhunde Winterruhe. Dazu ziehen sie sich in ihren sicheren Bau zurück und polstern diesen gut aus. In Breiten mit einem milden Winter sind sie allerdings das ganz Jahr über aktiv.

Marderhunde bevorzugen als Lebensraum Wälder mit dichtem Unterholz oder Uferböschungen. Zur Aufzucht der Jungtiere sucht der Marderhund verlassene Bauten von Fuchs und Dachs auf und nutzt diese.

Wie klingen Marderhunde?

Die Laute vom Marderhunde klingeln ähnlich einem Winseln und Miauen. In der Ranzzeit können in der Nacht auch heulende Schreie der Rüden vernommen werden. Bei Gefahr ist auch ein Knurren der Tiere möglich. Obwohl Marderhunde zu den Hundeartigen gehören, können sie nicht bellen.

Ist der Marderhund scheu?

Da die Tiere ist dämmerungs- und nachtaktiv sind und sich gerne im Unterholz verstecken, bekommen ihn Menschen nur selten zu Gesicht. Generell gilt der Marderhund als sehr scheu. Das macht auch eine Bejagung schwierig. Oftmals wird die Anwesenheit von Enok erst dann bemerkt, wenn mehrere Tiere im Revier heimisch geworden sind.

Hat der Marderhund Feinde?

Natürliche Feinde hat der Marderhund bei uns kaum, da er nur als Beute für großes Raubwild wie Luchs, Wolf oder Bär in Frage kommt. Die Welpen des Marderhundes können jedoch auch zur Beute vom Uhu werden.

Wie erkennt man die Anwesenheit des Marderhundes?

Meist bringt nur die intensive Suche nach Spuren und Losung Gewissheit über das Vorhandensein dieser Art. Wie für Angehörige der Familie der Hundeartigen typisch, finden sich auch in der Spur des Enoks nur vier Zehenabdrücke pro Brante.

Ebenso wie Dachs und Waschbär setzt der Marderhund seine Losung, deren Aussehen und Konsistenz keine Rückschlüsse auf die Herkunft zulässt, auf Latrinen ab. Während Dachslatrinen leicht an den kleinen, aufgegrabenen Vertiefungen zu erkennen sind, in denen die Losung abgesetzt wird, nutzen Waschbär und Marderhund feste Losungsplätze. Beim Enok sind diese „Toiletten“ mit 30–80 Meter weiter weg vom Bau als beim Waschbären.

Wird der Marderhund bejagt?

Die gezielte Jagd auf Marderhunde ist nicht einfach.

In den meisten Bundesländern steht der Marderhund in der Liste der jagdbaren Arten und darf bejagt werden. Durch die heimliche Lebensweise ist der Marderhund schwer zu bejagen. Eine gezielte Bejagung findet daher meist nicht statt. Auch die Fangjagd ist auf die Allesfresser nicht unbedingt einfach durchzuführen. Während sich Waschbär oder Mink relativ einfach in Lebendfallen fangen lassen, ist die Fangjagd auf erwachsene Marderhunde auch im Gegensatz zum Fang der Welpen etwas schwieriger. Als Vertreter der Hundeartigen ist er gegenüber Fallen, besonders Kastenfallen, sehr vorsichtig. Das gilt auch für Fangbunker.


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