Home Praxis Maisdrückjagd vor der Ernte: Beim Schwarzwild Strecke machen

Maisdrückjagd vor der Ernte: Beim Schwarzwild Strecke machen

Schuetze-Sau-Var.jpg © Florian Standke
Ein strammer Überläufer wird beschossen und gestreckt.
Schuetze-Sau-Var.jpg © Florian Standke

Ein strammer Überläufer wird beschossen und gestreckt.

Da! Der Schütze auf dem Drückjagdbock deutet auf eine Stelle im Mais. Standlaut ist zu vernehmen, keine 60 Meter von ihm entfernt – der Finder hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Er fordert lauthals Verstärkung an, die nicht lange auf sich warten lässt. Das Solo entwickelt sich schnell zum Duett, Terzett und schließlich zum Quartett. Sopran, Tenor, Bariton sowie Bass bilden eine schaurig-schöne Maisdrückjagd-Komposition.

Nun stimmen sogar die Dirigenten ein, feuern ihre Hunde an und bahnen sich einen Weg durchs Maislabyrinth zur Bühne. Dem besungenen Schwarzkittel wird die Aufführung der Interpreten anscheinend zu dramatisch, denn plötzlich stimmt er wütend ein. Die Maisstängel wackeln, und das Geschehen verlagert sich zur Maiskante.

Auf diesen Akt, den Höhepunkt, hat der Zuhörer auf dem Sitz sehnsüchtig gewartet. Gespannt starrt der Jäger zum Ort des Geschehens. Die Sau schüttelt die Hunde für einen Moment ab. Kurz darauf flüchtet sie in eine vom Mais gesäumte, verschilfte Feldholzinsel, durchquert diese, erscheint auf der anderen Seite und will wieder im Süßgras untertauchen. Doch der Schütze ist bereits im Voranschlag, backt an, schwingt mit und schießt. Ohne zu zeichnen, verschwindet das Stück hochflüchtig im Mais.

Finale an der Maiskante – Sau liegt!

Kurz darauf folgen die Hunde auf der Fährte und verschwinden lautgebend im Stängel-Wirrwarr. Nach einigen Metern versammeln sie sich an einer Stelle, werden leiser. Das Ende der Hatz, der letzte Akt – das Finale – wird offenbar. Mit anderen Worten: Sau tot!

Nickend und mit erhobenem Daumen signalisiert einer der Treiber dem Schützen, dass das Stück liegt. Die Gewissheit, dass der Schwarzkittel zur Strecke gekommen ist, löst die Anspannung und zaubert ein zufriedenes Lächeln auf das Gesicht des erfolgreichen Weidmannes.

Kurz darauf ist das Treiben vorbei. Die Veranstalter der zweiten und letzten Maisjagd dieses Jahres, Dirk und Dennis Wortmann aus Barlin, sammeln mit Unterstützung ihrer Jagdhelfer die 15 zahlenden Schützen und teilweise auch deren Ansitzeinrichtungen ein, falls die Sitze fürs nächste Treiben benötigt werden.

Drückjagdböcke bringen Sicherheit bei der Maisjagd

Die Drückjagdböcke werden fürs nächste Treiben auf einen Hänger verladen. © FS

Die Drückjagdböcke werden fürs nächste Treiben auf einen Hänger verladen.

Denn die Schläge sind riesig und die Jagdschneisen zahlreich, sodass es einfach nicht möglich ist, überall ausreichend Sitze zu haben und diese an Ort und Stelle stehen zu lassen. Sicherheit ist bei Wortmanns oberstes Gebot – jeder Jäger ist auf einem Sitz postiert.

Die Drückjagdböcke finden auf eigens umgebauten Hängern Platz. Pro Gefährt transportieren Vater und Sohn so ohne Probleme vier Stück. Dank vorheriger Planung und mithilfe von Revierkarten ist das nächste Treiben daher in der Regel schnell abgestellt.

Somit sind bei diesem Konzept pro Tag durchaus bis zu sechs Treiben möglich, was die Chancen der Maisdrückjagd-Gäste, Strecke zu machen, natürlich deutlich erhöht. Und Erfolge sind dringend nötig, weiß man um den Wildschaden, den Wortmanns jedes Jahr begleichen müssen.

Denn Sauen gibt es rund um Barlin reichlich, da das 2000 Hektar große Feldrevier an riesige, nicht bejagbare Schilfflächen der Peene grenzt. Die Maisliebhaber fühlen sich dort sauwohl und fallen wie Heuschrecken über die Felder her. Die Jahresstrecke beträgt im Durchschnitt übrigens etwa 70 Stück Schwarzwild.

Hohe Belastung für Hunde

Maisdrueckjagd-Hunde-Wasser.JPG © FS

Um Überhitzung zu verhindern und Flüssigkeit zu geben, steht für die Hunde am Ende jedes Schlages Wasser bereit.

Für die Treiber und deren Hunde bedeutet die Vorgehensweise der „Wortmänner“ Schwerstarbeit, da sie weite Wege haben und ordentlich Kilometer machen. Die scharfkantigen Maisblätter hinterlassen bei Mensch und Hund wunde Stellen im Gesicht. Außerdem ist es an diesem Wochenende heiß, was Mensch und Tier plagt.

Vor allem für die Vierläufer ist das nicht ungefährlich, da bei Übereifer und ungenügender Abkühlung Überhitzung droht, was einen Kreislaufzusammenbruch hervorrufen und lebensbedrohliche Folgen haben kann. Daher beobachten die Treiber ihre Hunde genau, um erste Anzeichen sofort zu erkennen. Zusätzlich stehen am Ende jedes Schlages große Mörtelwannen voller Wasser bereit, deren Inhalt die Hunde zum Saufen oder Baden nutzen, was sie sichtlich genießen.

Treiberwehr-Mais.JPG © FS

Die Hundeführer sammeln sich nach jedem Schlag, bevor es weitergeht.

Und weiter gehts zum nächsten Treiben

Auch der eine oder andere Rüdemann schaut so sehnsüchtig zum kühlen Nass, dass man das Gefühl hat, er knurrt gleich die Hunde weg, nimmt dann ein Bad und trinkt anschließend die Wanne leer. Bemerkenswert ist, dass trotz einer Anzahl von etwa 50 Hunden, die aus verschiedenen Meuten stammen und sich nun um die Wannen scharen, keine Aggressionen aufkommen.

Die Vierläufer sind gut sozialisiert und laufen jedes Jahr bei vielen Jagden. Außerdem kennen die Führer ihre Pappenheimer und leinen potenzielle Stänkerer in den Pausen an.Nachdem die Hunde sich erholt haben und das nächste Treiben abgestellt ist, geht’s weiter.

Schwierige Schüsse in den Maisschneisen

Frischling-Maisdrueckjagd.JPG © Fotos: FS

Nicht weit genug vorgehalten: Spät sieht der Schütze den Frischling und hinterschießt das Stück deutlich.

Es fallen einige Schüsse, doch es liegen keine Sauen – insgesamt sind es an zwei Tagen nur zehn Stück. Am Abend bei der Manöverkritik spricht Dirk Wortmann daher auch die mangelnde Tagesausbeute an und fordert für den nächsten Tag bessere Schießleistungen ein.

Allerdings ist es auf den engen Schneisen auch nicht einfach, Strecke zu machen, denn die Sauen kommen den Schützen teilweise im Tiefflug. Aber Konzentration und regelmäßiges Training auf dem Schießstand sorgen sicher für Erfolg.

Grüne Hölle – schwarze Batzen – bunte Hunde

Die Jagdcorona. Foto: FS

Die Jagdcorona. Foto: FS

Lagebesprechung. Foto: FS

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Sicherheitsbelehrung. Foto: FS

Sicherheitsbelehrung. Foto: FS

Foto: FS © FS

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Florian Standke Redakteur bei unsere Jagd seit 2012, Diplom Sportwissenschaftler, Jagdschein seit dem Jahr 2000, Angelscheininhaber, Führer eines Kleinen Münsterländers („Jasko“), Pächter eines Hochwildreviers.
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