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Es liegt was in der Luft

Die jagdlich ideale wetterkarte kann für die einzelnen Wildarten ganz unterschiedlich aussehen. Foto: dlv-Jagdmedien/CST


Auf Regen folgt Sonne: Ein klassisches Beispiel ist die Zeit unmittelbar nach einem heftigen Regenguss oder Gewitter, am besten gegen Abend, kurz bevor das Wild seinem gewohnten Äsungsrhythmus nachgeht. Jetzt riecht es förmlich nach Anblick! Gerade in der Bockjagdzeit kann man solche Momente ideal nutzen. Denn sobald sich die Wolkendecke wieder öffnet und es im Wald von allen Bäumen noch tropft, zieht es das Wild raus – auf Blößen im Wald oder auf die Felder und Wiesen am Waldrand. Hier ist es jetzt trocken, und gerade das Rehwild mag es keineswegs, nur mit nasser Decke umherzuziehen.

Brennend heißer Wüstensand: Regnet es hingegen unentwegt, kommt es vor allem darauf an, worauf gejagt werden soll. Denn die meisten Wildarten mögen das kühle Nass von oben nicht wirklich – besonders dann nicht, wenn es wie aus Eimern gießt. Etwas anders sieht die Situation aus, wenn es im Sommer zum Beispiel längere Zeit sehr trocken war. Fällt dann der erste Regen, ist das Wild meist auf den Läufen. Besonders trockene Phasen werden bei sämtlichen Schalenwildarten nämlich vor allem im Wald meist mit geringen Bewegungsradien „quittiert“. Also Abwarten und auf Regen hoffen, dann ist das Wild wieder entsprechend aktiv und der Ansitz kann sehr Erfolg versprechend sein.

„Regenwetter ist Sauwetter“: Tatsächlich – Schwarzwild ist auch was mieses Wetter angeht sehr robust. Während sich Hase, Fuchs und Reh bei Regen lieber „verstecken“, ziehen die Sauen gerne umher. Schließlich lässt es sich bei nassem Boden nicht nur leichter, sondern auch „geräuschloser“ brechen. Wer als Jäger entsprechend unempfindlich ist und regendichte Kleidung besitzt, kommt bei Regen – sogar im Wald – oft sehr nahe an die Sauen heran. Im Feld habe ich sehr gute Erfahrungen in Mondphasen gemacht, wenn der Himmel verhangen ist und leichter Nieselregel fällt. Gerade im Grünland kann man die im Gebrech stehenden Sauen dann bestens angehen.


Vom Winde verweht: Wenn es allerdings extrem windig oder gar stürmisch wird, ist man als Jäger gut beraten, besser daheim zu bleiben. Bei Wind fühlt sich auch das Wild nicht wohl. Gerade im Wald rauscht und knackt es nun überall. Kaum eine Chance für Reh oder Sau, natürliche Geräusche wie das Herabfallen kleiner Äste von „feindlichen“ (durch Beutegreifer wie den Jäger) zu unterscheiden. Wenn überhaupt, kann man es dann im Feld versuchen.

Insgesamt gesehen ist die Kombination aus feuchtem Boden, jahreszeitlich „normalen“ Temperaturen und wenig Wind eine sehr Erfolg versprechende! Das Wild zieht gerne und kann vom Jäger – bedingt durch relative Windstille – beim Anwechseln auch besser vernommen werden. So ist man oft schon vor dem Austreten des oder der Stücke vorbereitet. Ein enormer Vorteil! Gerade dann, wenn es zum Beipiel an einer Schneise auch mal schnell gehen muss…

Bleiben noch Wetterextreme wie große Hitze oder starke Kälte/ Frost. Wenn im Sommer die Temperaturen die 30 ° C-Marke überschreiten und auch in der Nacht kaum geringer werden, ist im Revier oft „tote Hose“. Auf Schwarzwild kann bei sommerlicher Hitze unterdessen ein Ansitz an der Suhle im Wald lohnen oder am Wasserloch inmitten großer Raps-, Roggen- oder Maisschläge, falls sich die Schwarzkittel dort auch über Tag stecken. Ein „Jagdwetterphänomen“ erleben wir häufig zur Rotwildbrunft. Baut sich das Brunftgeschehen oft nur sehr zaghaft auf, kann es sich innerhalb einer Nacht zum wahren Platzkonzert entwickeln. Und zwar meist nach der ersten kühlen Nacht Ende September/ Anfang Oktober (idealerweise mit leichtem Bodenfrost). War es zur Hauptbrunft verhältnismäßig warm, kann ein kühler Wetterumschwung die Brunft zum Ende noch sehr beleben oder sogar eine ordentliche Nachbrunft „initiieren“. Gilt es also in der Brunft, einen reifen Recken strecken zu wollen, kann der Blick auf die Wetterkarte sehr lohnenswert sein… Sobald es frostig wird, ist das Wild auf den Läufen – Ähnliches bei Schnee. Allerdings gilt hier: Fallen die ersten Flocken, sollte man frühestens am zweiten oder dritten Tag bei einer Schneedecke sein Glück versuchen. Am ersten Tag bzw. in der ersten Nacht nach längerem Schneefall, bei dem die weiße Pracht auch liegen bleibt, zieht das Wild in der Regel kaum.


Vor allem unter Anglern kennt man den Spruch „Nicht jeder Tag ist Fangtag“. Das gilt genauso bei der Jagd! Mit etwas „Wetter-Wissen“ kann man jedoch die eigenen Erfolgschancen deutlich erhöhen. Wer also den richtigen „Fangtag“ abwartet, wird sicher nicht ohne Beute heimkehren.
DIT

Link: Die Wetterdaten für Ihr Revier mit Mondhelligkeitsindex

 


Jens Dittrich PIRSCH-Chef vom Dienst, passionierter Schalenwildjäger. Befasst sich mit sämtlichen Themen zur Jagd- und Revierpraxis, Jagdhunden und Jagdpolitik.
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