Die Lebewesen des Jahres 2008

(Foto: M. Breuer)


Der Wisent
Bison bonasus
Zum Wildtier des Jahres 2008 wählte die 'Schutzgemeinschaft Deutsches Wild' den in Europa immer noch existenzgefährdeten Wisent, dessen bekannteste, frei lebender Bestand mit etwa 250 Tieren im polnischen Urwald von Bialowieza registriert wird. Ein deutsches Auswilderungsprojekt mit derzeit 25 Tieren in den Wittgensteiner Wäldern zeigt erfreuliche Fortschritte. Wisente sind Bewohner von Mischwäldern. Im Sommer bevorzugen sie Feuchtgebiete, Sümpfe und nasse Waldwiesen, im Winter trockene Wälder. Kräuter und Gräser machen zwei Drittel der Nahrung aus, Blätter und Rinde, auch von Nadelbäumen, ergänzen die Nahrungsliste. Die unterschiedlich großen Herden werden in der Regel von alten Kühen angeführt. Nur zur Brunft im August und September ­gesellen sich die Stiere zu der Herde. In dieser Zeit kommt es oft zu ernsten Zweikämpfen. Die Wisentkuh, die nicht alle Jahre trächtig wird, bringt nach neun Monaten Tragzeit abseits der Herde das Kalb zur Welt. Mit sechs bis neun Jahren voll erwachsen, setzt die Alterung mit etwa 13 Jahren ein. Das Höchstalter wird mit 40 Jahren an­gegeben.

Der Vogel des Jahres 2008

(Foto: G. Bachmeier)


Der Kuckuck
Cuculus canorus
Gekürt vom Naturschutzbund Deutschland und Landesbund für Vogelschutz Bayern ist er ein allbekannter Zugvogel. Mit seiner sperberartigen Brustbänderung überwintert er als Langstreckenzieher im südlichen Afrika und kehrt wie die meisten seiner 'Wirtsvögel' im Frühjahr in seine mitteleuropäische Heimat zurück. Der Ruf des Männchens ist bekannt, weniger das 'Gickern' oder Fauchen des Weibchens, das seine Eier, vermutlich bis zu 25 pro Saison, in die Nester anderer Vögel legt. Dieser Brutparasitismus führt unter den getäuschten Kleinvögeln zu wahren Tragödien, denn der geschlüpfte Jungkuckuck wirft dank seiner kräftigen Gestalt und einer Mulde im Rücken die Eier der Geschwister aus dem Nest. Er wächst schnell und verzehrt die Nahrungsmenge einer Viererbrut seiner Wirtsvögel.
In der Regel wird ein Gelege jener Art aufgesucht, von welcher das Kuckucksweibchen selber aufgezogen wurde. Die Strategie des Kuckucks ist raffiniert. Nachdem er die zukünftigen Wirtsvögel beim Nestbau beobachtete, wartet er auf die Eiablage derselben und bringt in Abwesenheit der Vögel sein Ei unter; oft entfernt er vorher ein Ei aus dem Gelege. Seltsamerweise erkennen nur wenige Wirtsvögel den Betrug. Sind sie misstrauisch, verlassen sie ihr Nest oder sie bauen ein neues darauf. Experten vermuten, dass die weltweite Klimaerwärmung dem Kuckuck zukünftig Probleme schafft, denn die ebenfalls in warmen Zonen überwinternden Wirtsvögel kehren neuerdings früher in ihr Brutgebiet zurück, während der Kuckuck seine Termine unverändert einhält. Das bedeutet, dass die Weibchen schon stark bebrütete Eier der Wirtsvögel vorfinden oder gar Jungvögel im Nest. Auch bezüglich der Nahrung ist dieser schöne Vogel, im Volksmund 'Gauch', ein Sonderling. Er verzehrt die haarigen Raupen vieler Forst- und Gartenschädlinge. Seinen Bestand in Deutschland schätzt man auf bis zu 100 000 Paare. In Mythen und Märchen hat er seinen festen Platz, als 'geklebter Kuckuck' allerdings löst er Ängste aus.

Der Fisch des Jahres 2008

(Foto: A. Limbrunner)


Der Bitterling
Rhodeus sericeus amarus
Der Verband Deutscher Sportfischer wählte mit dem Bitterling, auch Bitterfisch, Blaukärpfl, Blecke und Plättken genannt, einen stark gefährdeten Fisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zum Fisch des Jahres.
Langsam fließende oder stehende Gewässer mit üppiger Ufervegetation sind die Heimat dieses maximal zehn Zentimeter großen Fisches, dessen Verbreitungsgebiet nördlich der Alpen, des Balkans und der Pyrenäen liegt. In Nordeuropa aber ist seine Art nicht vertreten. Gefährdet ist der Bitterling durch Verunreinigungen seines Lebensraumes, insbesondere aber durch den strengen Schutz der Verlandungszonen; es verschwinden die Stillwasserbereiche und damit die Maler- und Teichmuscheln (Unioniden), mit denen der Bitterling eine überlebensnotwendige Symbiose eingeht. Das Weibchen legt zwischen April und Juni seine Eier mit Hilfe einer langen Legeröhre in die Atemöffnung der Muschel. Das Männchen spritzt seine Milch darüber. Die Brut entwickelt sich in der Muschel. Pro Laichsaison werden zwischen 40 und 100 Eier gelegt. Die Muscheln wiederum revanchieren sich für diese Ammentätigkeit, indem ihre jungen Larven sich, im Wasser schwimmend, auf der Haut der Fische ansiedeln, dabei allerdings winzige Wucherungen dort verursachen. Der Schutz dieses interessanten Kleinfisches kann nur über den Schutz seines Lebensraumes wirkungsvoll sein; darauf möchte der Verband mit seiner Wahl aufmerksam machen.

Der Baum des Jahres 2008

(Foto: A. Limbrunner)


Die Walnuss
Juglans regia
Gewählt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, kann der stattliche, breitkronige Baum, auf tiefgründigem, nährstoff- und kalkreichem Boden eine Höhe bis zu 25 Meter erreichen; er ist mit etwa 15 verschiedenen Arten weit verbreitet. Sein Areal reicht von Nord­amerika über China, Japan bis nach Nordasien. 'Juglans' bedeutet 'Nuss des Jupiter' und zeugt von der geschätzten Qualität des Baumes. Sein verschieden braunes Holz ist zäh, fest und elastisch und in der Möbelindustrie sehr begehrt. Im Forst gilt es als das wertvollste Nutzholz. Geschätzt sind aber auch die schmackhaften Nüsse, die nach der Blütezeit im Mai im September reifen und bis zu einem halben Jahr keim­fähig bleiben. Der frostempfindliche Walnussbaum ist rasch­wüchsig und kann an günstigen Standorten 150 Jahre alt werden.

Die Wildblume des Jahres 2008

(Foto: H. Schrempp)


Die Nickende Distel
Carduus nutans
Ausschlaggebend für die Wahl zur 'Wildblume des Jahres' war für die Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen die zunehmende Bedrohung dieser schönen Distel durch unterschiedliche Landschaftszerstörungen. Heimat der Nickenden Distel sind Wegränder, Schutthalden und Weiden, die einer ständigen Veränderung durch Land­verbrauch unterliegen. Erdschüttungen, Bebauung und Intensivnutzung von Weide­flächen zerstören ihre Lebensgrundlage.
Der über weite Gebiete Klein- und Westasiens, des Kaukasus und Nordafrikas verbreitete Korbblütler wird etwa einen Meter hoch, ist im oberen Drittel seines Stängels weißlich verfilzt und bis zu den Blüten, deren äußere Blätter eingeschnürt wirken, beblättert; die stechenden Blätter sind fiederteilig. Die Nickende Distel blüht zwischen Juli und September und lockt viele Insekten an. Sie ist 'Wirtspflanze' des Distelfalters, der seine Eier einzeln an den Blättern ablegt, wo die Raupen im Schutze zusammengesponnener Blätter fressen und sich darin auch verpuppen.

Der Lurch des Jahres 2008

(Foto: A. Limbrunner)


Der Laubfrosch
Hyla arborea
Der Lurch des Jahres (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) ist der Baum und Hecken bewohnende Laubfrosch, im Volksmund Wetterfrosch, Heckenfrosch oder Laubkleber genannt, was wohl auf seine Lebensweise hinweist. Feuchte Wiesen, Auen, Wald­ränder und Gärten sind bevorzugte Aufenthaltsorte, wo er vor allem in der Abenddämmerung im Geäst 'singt'. Oft sind mehrere Exemplare gleichzeitig zu vernehmen. Experten sprechen vom 'Konzert der Chöre'.
Als Baumkletterer verfügt der Laubfrosch über Haftscheiben an den Fingern und Zehen, die ihm das Festhalten und Klettern auch an glatten, steilen Flächen ermöglichen. Überwiegend wohl ein Bewohner des Tieflandes, wird er auch in Gebirgslagen bis 2000 Meter beobachtet. Zur Paarung von März bis Juni ist sein helles, knarrendes 'Quäk' oder 'Krack' zu hören.
Zum Ablaichen bevorzugen die Pärchen klare Kleingewässer. Die Laichklumpen sinken auf den Gewässergrund. Während des Laichens im Frühsommer sind sie nicht ruffreudig. Später aber, zum Beispiel nach warmen Sommerregen, sind vor allem die lauten Rufe der Männchen in den Baumkronen zu hören. Etwa Ende August oder Anfang September ist die Verwandlung der Kaulquappen abgeschlossen.
Der Laubfrosch im Glas als Wetteranzeiger ist Tierquälerei; Wetterwechsel vermag er nicht anzuzeigen! Der etwa fünf Zentimeter große, hübsche Frosch leidet wie alle Lurche unter der Landschaftszerstörung und Verschmutzungen, die seine Nahrung, Fliegen, Spinnen, kleine Käfer, Raupen und Kleinschmetterlinge, belasten.

Die Orchidee des Jahres 2008

(Foto: H. Presser)


Das Übersehene Knabenkraut
Dactylorhiza praetermissa

Die Arbeitskreise Heimische Orchideen kürten zur Jahresorchidee 2008 eine Pflanze, die ihre südöstliche Verbreitungsgrenze in Deutsch­lands Norden erreicht. Sie wächst bevorzugt auf Feuchtwiesen mit basischen Böden. Dort kann sie mitunter in großen und dichten Beständen vorkommen. Eine Gefährdung ihrer Bestände besteht in der Verbuschung ihres Lebensraumes. Regelmäßige Biotoppflege in Form von Mahd und Entbuschung sind zur Arterhaltung erforderlich. Auch Entwässerungsmaßnahmen und Überdüngung der Böden bedrohen die Bestände. Entdeckt wurde das Übersehene Knabenkraut Anfang des 20. Jahrhunderts von dem englischen Botaniker George Claridge Druce, der ihr den Namen gab; vielleicht wollte Druce damit andeuten, dass diese Orchidee nicht leicht zu bestimmen ist. Sie wird ­zwischen 20 und 70 Zentimeter hoch. Der Blütenstand kann bis zu 80 Blüten tragen. In Deutschland erstmals 1965 sicher nachgewiesen, erscheint sie in zwei Varietäten. Bastardi sierungen mit anderen Arten sind bekannt.

Der Pilz des Jahres 2008

(Foto: H. E. Laux/A. Limbrunner)


Der Bronze-Röhrling
Boletus aereus

Der von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie auch Schwarzer Steinpilz, Schwarzhütiger Steinpilz und Weißer Bronze-Röhrling genannte Speisepilz ist sehr selten und erscheint zwischen Juli und September in trockenen Laubwäldern. Er wurde im Süden aber auch in offenen Parkanlagen und auf alten Friedhöfen entdeckt. Sein größtes Verbreitungsgebiet hat der Wärme liebende Pilz im Mittelmeerraum, wo man ihn meistens in Eichen- und Edelkastanienwäldern findet. Er gehört zur Gruppe der Mykorrhizapilze, die mit bestimmten Pflanzenwurzeln eine Symbiose eingehen. Auffallend ist sein schwarzbrauner bis bronzefarbiger, fleischiger Hut, der beim ausgewachsenen Exemplar eine Breite von bis zu 25 Zentimeter erreichen kann; der keulige Stiel ist fünf Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Das Fleisch dieses Röhrlings ist weiß und verfärbt sich bei Druck nicht bläulich. Feinschmecker loben den nussartigen Geschmack. Aufgrund der Klimaerwärmung wird der Bronze-Röhrling möglicherweise seinen Siegeszug auch in Norddeutschland antreten.

Die Heilpflanze des Jahres 2008

(Foto: A. Limbrunner)


Der Echte Lavendel
Lavandula angustifolia
Als Begründung für die von dem Naturheilverein Theophrastus gewählte Heilpflanze wird seine Nerven beruhigende Wirkung in einer Zeit der Hektik genannt. Die beruhigende und entspannende Wirkung von Lavendelöl ist durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Auch wirken seine Stoffe wundheilend, schmerzlindernd und entkrampfend.
Im Handel ist der Echte Lavendel als Tee, Tropfen, Tinktur, Öl, Küchengewürz und als Wein erhältlich. Der Halbstrauch wird bis 60 Zentimeter hoch. Seine violetten Blüten duften angenehm. Zwar ist er ein Gewächs des Südens, wo er zum Beispiel in der Provence seine ganze Schönheit auf weiten Feldern entfaltet, aber er lässt sich problemlos im licht­durchfluteten Garten anpflanzen. Auch auf Trockenmauern gedeiht er gut und verleiht dem Naturstein eine besondere Note. Nach der Blüte­zeit und noch einmal im Frühjahr sollte er heruntergeschnitten werden, um einer starken Verholzung entgegenzuwirken.

Die Spinne des Jahres 2008

(Illustration: Eberhard Gabler)


Die Große Winkelspinne
Tegenaria atrica
Gewählt von der Arachnologischen Gesellschaft, zählt die bekannte Hausspinne zur Familie der Trichterspinnen (Agelenidae), die ihr kleines Trichternetz bevorzugt in stille Winkel und Ecken von Zimmern, Fluren und Kellergewölben baut. Diese Gattung ist mit sieben Arten bei uns vertreten. Charakteristisch sind die auffallenden Muster ihrer Brustschilder als sicherstes Unterscheidungsmerkmal. Das Weibchen wird etwa 18 Millimeter, das Männchen etwa 14 Millimeter lang. In der Grundfärbung sind sie braun bis dunkelbraun. Auffallend sind die langen Beine, die ein flinkes Fortbewegen ermöglichen. Verfängt sich ein Beutetier in einem der vom Trichter ausgehenden Fangfäden, springt die Spinne hervor und schlägt die dolchartigen Giftklauen in die Beute. Das eingespritzte Gift lähmt sofort. Der danach abgegebene Verdauungssaft löst das Körpereiweiß des Beutetiers auf, das als organischer Brei von der Spinne aufgenommen wird.

Das Weichtier des Jahres 2008

(Illustration: Eberhard Gabler)


Das Mäuseöhrchen
Myosotella myosotiss
Gewählt von der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft (DMG), ist die kleine Gehäuseschnecke der küstennahen Salzwiesen vielerorts in ihrer Existenz bedroht. Mäuseöhrchen bewohnen den Schlammboden zwischen Gras und allerlei für die Salz­wiesenvegetation typischen Pflanzen, wie etwa Strandastern, Strandflieder und Beifuß. Bevorzugter Lebensraum sind wenig bewirtschaftete Flächen. In Europa lebt die kleine Schnecke von Großbritannien bis zum Schwarzen Meer, in Deutschland sind es die Regionen an Nord- und Ostsee, aber auch Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern und in der Wismarbucht. Die ausgewachsenen Tiere werden etwa drei bis vier Jahre alt und erreichen einen Gehäusedurchmesser von etwa fünf bis ein Millimeter. Sie haben nur zwei Fühler im Gegensatz zu den höher entwickelten Land-Lungenschnecken, die vier Fühler aufweisen. Zur Überwinterung verkriechen sich Mäuseöhrchen gruppenweise im tiefen Wurzelbereich der Salzwiesenvegetation.

Das Insekt des Jahres 2008

(Illustration: Eberhard Gabler)


Das Krainer Widderchen
Zygaena carniolica

Vom Kuratorium 'Insekt des Jahres' gewählter, selten gewordener Schmetterling, im Volksmund, mit anderen der 20 Arten, als 'Blutströpfchen' bezeichnet. Das Krainer Widderchen ist an seinen großen Fühlern zu erkennen, die ihm den Namen 'Widderchen' einbrachten. Die Funde auf der Schwäbischen Alb belegen, dass es das Widderchen seit 20 Millionen Jahren gibt. Die nur zwei Wochen lebenden Falter legen die Eier vorzugsweise auf den Gemeinen Hornklee und auf die Esparsette. Die grünliche Raupe geht nach zwei­maliger Häutung in die Winterruhe, die sie im April/Mai beendet, sich satt frisst und viermal häutet. Sie spinnt sich schließlich in einen ­gelblichen Kokon ein und schlüpft nach etwa zwei Wochen als fertiges Widderchen. Haupt­nahrungspflanze ist die Esparsette. Da die ­Magerrasen, die Heimat der Futterpflanzen, immer seltener werden, ist das Krainer Widderchen im Bestand gefährdet.