Home Praxis Laika-Hunde: Vielversprechender Jagdhund oder stumme Gefahr?

Laika-Hunde: Vielversprechender Jagdhund oder stumme Gefahr?

Laika-Hundefuehrer-Graben.jpg © EM

Federnd läuft der schwarz-weiße Hund mit den spitzen Behängen hinter seinem Führer nach vorne und wird von den etwa 40 Schützen neugierig beäugt. „Auf dieser Jagd werden nur Laiki laufen. Das sind keine Wölfe!“, erklärt Förster Roland Protz den Jägern. Obwohl der Laika schon seit Längerem eine vom Jagdgebrauchshundverband anerkannte Jagdhunderasse ist, haben ihn viele noch nie arbeiten gesehen. Unsere Nachbarländer in Nord und Ost jagen meistens mit den Laiki. Es sind selbstständig und intelligent jagende Hunde, die für wehrhaftes Wild in schwierigem Gelände gezüchtet wurden. Ein großes Schilfgebiet in der Nähe von Friesack (Brandenburg) bietet den Mitgliedern des Laika Club e. V. und ihren Hunden heute die Möglichkeit zu zeigen, was ihre vierläufigen Jagdhelfer draufhaben.

Nur wenige Würfe in Deutschland

Wasser_Laika_Hundefuehrer © EM

Das Treiben beginnt. Auf geht’s ins Schilfmeer!

Elf Laiki werden heute mit ihren Führern für die nötige Unruhe sorgen. Der Laika Club hat um die 130 Mitglieder in Deutschland und jährlich zwischen zwei und fünf Würfe. Erhard Genschmer ist Prüfungsobmann im Club und hat mit seinen Hunden den schwierigsten Part des Treibens bekommen. „Dieses Jahr steht dort mehr Wasser als sonst. Wenn du Hilfe brauchst, musst du dich melden“, sagt Revierförster Roland Protz. Doch der Gartenbauer hat vorgesorgt und bereits seine Wathose angezogen.
sind Laiki „Stumme Hunde“?

Nur bei direkten Wildkontakt geben Laiki Laut

Laika_Sau © EM

Die junge Hündin findet den angeschweißte Schwarzkittel und stellt ihn.

Nachdem die Schützen ihre Stände eingenommen haben, macht sich Erhard mit seinen beiden Russisch-Europäischen Laikahündinnen „Bija“ und „Faja“ auf ins Schilfmeer. „Bija“ ist zehn Jahre alt und hat eine Menge Erfahrung. Die 14 Monate alte „Faja“ scheut am Anfang noch das kalte Wasser und schaut ihren Chef etwas bedröppelt an, als er sie auffordert, ihm zu folgen.

Doch kaum sind Hund und Mensch im Reet verschwunden, krachen schon die ersten Schüsse. Die beiden nächstgelegenen Schützen feuern mehrmals. Kurz darauf erklingt der erste Hundelaut. Laiki geben nur bei direktem Wildkontakt Laut – hauptsächlich also Stand- und Sichtlaut. Der Name „Laika“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „bellen“. Trotzdem werden sie in Deutschland oft als stumme Hunde bezeichnet. Dem Laut seiner Hunde folgend, stapft der 53-Jährige durchs knietiefe Wasser. Seine Hündinnen haben einen gekrellten Frischling gebunden und halten ihn hinter den Tellern fest. Mit der blanken Waffe erlöst der Hundeführer die kranke Sau. Dann der nächste Laut. Über das weite Schilf sieht man, wie der benachbarte Hundeführertrupp sich in das Halmenmeer schlägt. Kurz darauf verstummt der Laut. Sau liegt.

Fangschuss_Sau © EM

Als „Faja“ aus dem Gefahrenbereich ist, gibt Erhard den Fangschuss und erlöst die Sau.

Vier Rassestandards wurden festgelegt

Laiki gibt es in verschiedenen Größen und Farben. So wurden nach dem zweiten Weltkrieg vier Rassestandards festgelegt. Die Russisch-Europäische Laika ist schwarz-weiß, etwa kniehoch und in Deutschland die häufigste Rasse. Die Westsibirische Laika ist etwas größer und grau-braun-weiß, kann aber auch schneeweiß sein. Die Ostsibirische Laika und die Karelo-Finnische Laika sind bei uns so gut wie nicht vertreten. Für Erhard und seine Hunde geht es durch brusttiefe Gräben und Schlammlöcher in die nächste Schilfkuhle. Schon bricht eine Sau vor ihnen weg. Im entspannten Trab verlässt ein Überläufer die sichere Deckung und wechselt am Hundeführer vorbei. „Hier eine Sau zu erlegen, wäre Schwachsinn, da sie nur mit sehr viel Aufwand zu bergen wäre“, sagt er. Keine drei Minuten später knallt es ein paar hundert Meter weiter. Der Überläufer ist bei einem Schützen angekommen.

Standlaut direkt voraus

Laiki_Sau_halten © EM

Die Hunde halten den gekrellten Frischling, der vom Hundeführer abgefangen wurde.

Jagdfreund Ingo sitzt auf einem Drückjagdbock zwischen Schilf und Wald. Erfahrungsgemäß eine fängige Ecke. „Und? Was kam bei dir an, Ingo?“, will Erhard beim Näherkommen wissen. „Einen Frischling habe ich beschossen, der ist aber noch weggebrochen“, berichtet der. „Wenn du ihn getroffen hast, werden ihn meine Hunde schon finden“, beruhigt ihn der erfahrene Sauenjäger. Tatsächlich nimmt „Faja“ die Nase runter und stößt nach wenigen Metern auf die im Wundbett sitzende Sau. Sofort gibt sie aggressiv laut. Der Schwarzkittel nimmt sie kurz an, dreht dann bei und stellt sich. Im Knall bricht die Sau zusammen. Stolz auf die Leistung seines jungen Hundes, wird „Faja“ am erlegten Stück gelobt. Die routinierte „Bija“ gibt in einem halb abgestorbenen Erlenbruch Laut.

Waschbaer_schlaeft © EM

Kaum zu glauben! Seelenruhig schläft der Waschbär auf der Schilfbülte.

Überraschung im Schilfbülte

Ein Brombeerverhau und zwei tiefe Wassergräben später steht Erhard schwitzend im Schilf neben seinem Hund. Die gestellte Sau hatte sich in der Zwischenzeit allerdings aus dem Staub gemacht. „Wenn wir schon mal hier sind, gehen wir auch ganz durch“, sagt der stämmige Hundeführer zu seiner treuen Hündin und tätschelt ihr den Kopf.

Durch den Schlamm stapfend, kämpfen sich die drei weiter vor. Auf einmal bleibt Erhard verdutzt stehen. Auf einer Schilfbülte liegt ein Fellknäuel und nur ein paar Meter weiter ein zweites. Vorsichtig stakst er näher. Dann erkennt er, dass der graue Haufen ein schlafender Waschbär ist.

Laika-Waschbaer © EM

Im Wasser sind die Kleinbären für den Jagdhund gefährliche Gegner.

Die Kleinbären sind „Bijas“ spezielle Freunde und sie stürzt sich sofort auf den Neubürger. Der Wasch­bär schaltet im Bruchteil einer Sekunde von Tiefschlaf auf Bruce-Lee-Kampfmaschine um und zeigt Zähne und Krallen. Die Hündin stellt den Bären und verbellt ihn. Jeden Fluchtversuch quittiert sie mit Fassen. Im tiefen Wasser sind die Maskenträger für Jagdhunde äußerst gefährlich. Deshalb erlegt Erhard, als sein Hund außer Gefahr ist, mit seiner 9,3 x 62-Durchgehwaffe den Bären. „Bija“ apportiert ihn brav. Nicht, dass durch den Schuss der zweite Bär wach geworden wäre. Seelenruhig schnarcht er weiter. Doch für die Hunde gibt es kein Halten mehr. „Bija“ nimmt sich den zweiten Waschbären vor und auch „Faja“ springt mit einem Satz hinzu.

Laiki geben nur Laut, wenn auch Wild da ist

An einen Schuss ist nicht zu denken. Das Messer muss ran. Leichter gesagt als getan. Mit Kratzen, Beißen und Fauchen versucht er, die Hunde auf Abstand zu halten. Doch die beeindruckt das wenig. Endlich schafft Erhard es, den kleinen Kämpfer ­abzufangen. Die Bälge der etwa fünf Kilogramm schwären Bären werden einen Ehrenplatz im Jagdzimmer finden.
Kurz vor dem Auto horcht der untersetzte Brandenburger noch einmal auf. Ein deutlicher Hundelaut. Er springt in den Wagen und nähert sich dem Standlaut – so gut es geht. „Hexe“, die junge Westsibirische Laikahündin vom Kollegen Uwe steht vor einem Wasserloch und gibt Laut. Auf den ersten Blick ist nichts zu erkennen. Doch Laiki geben nur Laut, wenn auch Wild dort ist. In einer Ecke des Wasserloches schaut die Nase eines Wasch­bären aus dem Wasser. „Hexe“ wird an die Leine genommen und ein Stück zur Seite geführt, bevor der Bär erlegt wird, dann darf sie ihn aus dem Wasser holen und kurz beuteln. Der dritte Balg an diesem Tag.

Laiki sind unerschrockene Vollblut-Jagdhunde

Westsibirische_Laika © EM

„Hexe“, die Westsibirische Laikahündin hatte den Waschbären in einem Wasserloch gestellt.

Nach drei Stunden ist Erhard froh, aus der Wathose rauszukommen. Das Treiben schlaucht selbst einen gut trainierten Aikido-Kampfsportler wie ihn.
Am Streckenplatz geht es hoch her. Wild wird abgeladen und gewogen. Am Ende liegen drei Stück Rotwild, ein Muffel, 21 Sauen, ein Reh und die drei Waschbären. Spätestens jetzt sind die letzten skeptischen Blicke der Schützen vom Morgen verflogen. Rege wird sich über den Anblick des heutigen Tages und die Hundearbeit unterhalten. Eins ist nach diesem Tag allen klar: Laiki sind unerschrockene Vollblut-Jagdhunde! Eike Mross


Redaktion jagderleben Tagesaktuell, multimedial, fachlich kompetent – jagderleben.de versorgt täglich Jägerinnen und Jäger im deutschsprachigen Raum mit Neuigkeiten rund um die Themen Jagd und Natur.
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