Home Praxis Kunstbaue für den Fuchs: Bauen, beziehen, bejagen

Kunstbaue für den Fuchs: Bauen, beziehen, bejagen

In der Regel werden Kunstbaue aus 20er Rohren von Füchsen angenommen – doch ein Anti-Dachs-Garant sind sie nicht.


Wie bei der Fangjagd gilt auch beim Einsatz von Revierkunstbauen: Erst die Vielzahl an Anlagen wird Wirkung zeigen. Wer hier hohe Kosten erwartet und diese scheut, kommt vielleicht mit einer der folgenden Lösungen auf den Geschmack. Denn eins ist sicher – wenn man gern erfolgreich auf den Fuchs jagen will, jedoch keine oder keine geeigneten Naturbaue im Revier hat, ist man mit Kunstbauen auf der richtigen Seite. Gleiches gilt natürlich auch dann, wenn die Jagd am Naturbau gesetzlich verboten ist, wie dies beispielsweise in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen der Fall ist.

Die Revierkunstbaue werden aus langlebigen und nahezu unverwüstlichen Materialien wie Beton oder Kunststoff so angelegt, dass der Röhrenverlauf nicht nur bekannt ist, sondern aufgrund der geringen Tiefe mit wenigen Spatenstichen geöffnet und dem Hund notfalls geholfen werden kann. Zudem behält der Bau diese praktischen Eigenschaften viele Jahre, wenn er richtig angelegt wurde, denn das Raubwild kann ihn nicht erweitern. Nicht zuletzt übersteht der einmal angelegte Kunstbau nicht nur viele Pachtperioden, sondern seine Annahme durch Füchse steigt mit den Jahren seines Bestehens.

Der Graben sollte etwa doppelt so breit sein wie die zu verlegenden Rohre, damit man Platz hat, diese auch im Bogen zu verlegen. © Matthias Meyer

Der Graben sollte etwa doppelt so breit sein wie die zu verlegenden Rohre, damit man Platz hat, diese auch im Bogen zu verlegen.

Je geringer das Angebot an natürlicher Deckung ist, desto lieber nimmt der Rotrock den Kunstbau an. Aus ­Reinekes Sicht wird der gut platzierte Bau häufig im Jahr angelaufen. Der Fuchs steckt sich nicht nur bei ­ent­sprechendem  Wetter, sondern zieht nicht ­selten sogar sein Geheck darin auf. Bei der Suche nach ­geeigneten Standorten verfährt man ähnlich wie bei guten Fangplätzen: Stets beliebte Orte sind exponiert gelegene Geländeteile wie Hecken, Steinhaufen, Buschgruppen im freien Feld, Remisen, Feldgehölze und Ödlandhügel. Auch Sand- und Kiesgruben sowie Gräben und Wasserläufe mit erhöhten Uferböschungen werden häufig und gern frequentiert.

­Haben wir solche vielversprechenden Plätze gefunden, klären wir zunächst mit dem Grundeigentümer ab, ob wir dort einen Kunstbau errichten dürfen. Wenn wir alles richtig gemacht haben, wird der im Frühjahr oder Sommer angelegte Kunstbau bereits ab dem kommenden Spätherbst angenommen – und die ersten Jagderfolge lassen dann gewiss nicht lange auf sich warten.

Dazu schachten wir je nach Bodenbeschaffenheit den Röhrenverlauf mit dem Spaten oder Minibagger aus. Sinnvoll ist vorab ein Anzeichnen der Anlage mit Farbspray. Idealerweise fangen wir mit dem Kesselbereich an und öffnen dann von dort rückwärts bis zur Ausfahrt den Graben für die Röhren. Ein absolutes Muss ist dabei ein leichtes Gefälle vom Kessel in Richtung Ausfahrt, da der Kunstbau bei Starkregen wie eine Drainage funktioniert und eindringendes Wasser schließlich nicht im Kessel stehen soll.


Ein Bagger, zwei Helfer, zwei Stunden

Während nun der Kessel eingebaut wird, öffnet der Bagger den Graben für die Röhren. Ist dieser fertig, verlegen zwei Mann die Betonröhren bereits vom Kessel her. Unterdessen kann der Bagger die Anlage schon wieder zudecken. So lässt sich ein Bau mit Bagger und zwei Helfern in zwei Stunden komplett einbauen.

Es gibt eine Reihe von Kunstbaumodellen. Einige haben zwei Röhren und ein oder zwei Kessel, wieder andere haben lediglich eine Röhre. Manche Erbauer schwören auf lange Röhren, andere halten das nicht für so wichtig. Damit der Kunstbau aber in jedem Fall seinen Zweck nach einer leicht zu bejagenden sowie für Hund und Fuchs tierschutzkonformen Reviereinrichtung erfüllt, sind einige in der Praxis bewährte Punkte allerdings absolut wichtig.

Der Einröhrenbau

Der Einröhrenbau ist kostengünstig, schnell einzubauen und aufgrund seiner geringen Gesamtlänge auch dort angebracht, wo das Gelände zum Beispiel vom Platz her beschränkt ist. Zum Kessel laufen entweder zwei Zugänge, die sich in einem Y-Stück treffen, oder wir arbeiten mit einer Mittelsäule im Kessel selber.

Während die im Handel erhältlichen Kesselmodelle nicht nur sehr sperrig, sondern auch ihren entsprechenden Preis haben, arbeite ich seit über zwanzig Jahren mit dem Mittelsäulenkessel (s. Grafik 1). Die ersten Exemplare waren noch sehr aufwändig mit Ziegelsteinen gemauert. Bei der Nachfolgegeneration lasse ich mir bei einem Betonwerk ganz normale Brunnenschachtringe gießen und in der oberen Hälfte einen Zugang für ein zwanziger Betonrohr bereits in den frischen Beton drehen.

So spare ich mir das sehr mühevolle spätere Ausbohren und Ausbrechen der Zugangsöffnung. Als Kesselboden verwende ich entweder Betonplatten oder verlege ein entsprechendes Stück Estrichgitter. Der Schachtring wird nun darauf abgestellt. Er hat eine Wandhöhe von 50 Zentimetern.

Grafik 1: Einröhrenbau mit Rundkessel und Mittelsäule


Für die Mittelsäule schneide ich ein Betonrohr mit 20 oder 25 Zentimeter Durchmesser in der Hälfte ab und hefte es mit Baukleber an den Betonplatten so an, dass es in der Mitte des Schacht­rings steht. Diese Mittelsäule fülle ich mit normalem Maurersand wegen der Schalldämmung. Besonders zu empfehlen: Der Gang ringsherum wird ebenfalls bis an die Unterkante des zwanziger Rohrzugangs mit diesem Sand aufgefüllt.

So kann eindringendes Regenwasser schnell aufgesaugt werden, und der Fuchs liegt immer in einem sauberen und trockenen Kessel. Zudem muss er nur den geringen Raum zwischen Sand und Deckel erwärmen. Als Kesselabdeckung eignen sich ebenfalls Betonplatten. Für den Fall, dass der Bau eventuell ein Befahren durch landwirtschaftliche Fahrzeuge aushalten muss, sollte man sicherheitshalber am besten gleich Beton- bzw. Schwerlastdeckel verlegen.

Schlieft der Hund bei dieser Konstruktion bis zum Kessel, muss er sich für einen Weg um die Mittelsäule entscheiden. Dem Fuchs bleibt der Fluchtweg offen. Sollte einmal mehr als ein Roter im Bau sein, werden merkwürdigerweise nicht alle Füchse gleichzeitig vor dem Hund springen, sondern immer nur einzelne!

Ich habe es bisher nie anders erlebt und nehme an, dass ein Fuchs die Röhre beim Verlassen des Kessels annimmt, ein weiterer es aber vor dem folgenden Hund nicht schafft und daraufhin eine Ehrenrunde hinter dem Hund dreht. Dieser erscheint jedoch nach jedem Fuchs auf der Erde und schlieft erneut ein. So muss man sich nur auf einen Ausgang konzentrieren und hat bei jedem Fuchs die reelle Chance von zwei Schuss!

Der Zweiröhrenbau

Grafik 2: Zweiröhrenbau mit 30er-Kessel


Der Zweiröhrenbau (s. Grafik 2) hingegen braucht zwar mehr Gelände und fast das Doppelte an Material, ist jedoch in aller Regel für den Hund leichter zu sprengen. Wenn der Jäger sich außerhalb entsprechend umsichtig verhält, springt der Fuchs bereits, wenn er die Schliefgeräusche des Hundes hört. Das Zweiröhrenmodell ist deshalb ideal für die Einarbeitung des jungen Hundes geeignet. Als Kessel verwende ich in diesem Fall ein ganz normales Betonrohr mit 30 Zentimeter Innendurchmesser.

Das zwanziger Rohr passt nämlich genau in das dreißiger Rohr hinein. In das Kesselrohr schiebe ich eine Holzdiele, auf der der Fuchs trocken und warm liegen kann. Man könnte auch Sand einbringen, jedoch bestünde dann immer die Gefahr, dass dieser Sand in die engen Röhren gelangen und für unnötige Engstellen sorgt.

Damit der Bau in der Ranzzeit nicht nur die Fähe, sondern auch den oder die aufdringlichen Rüden beherbergen kann, arbeite ich gerne mit zwei Kesseln, die ich mit einem oder besser zwei zwanziger Röhren Abstand einbaue. Das Kesselrohr verlege ich normalerweise ohne Zugriffsvariante. Wer es im Notfall nicht zerschlagen und dann bei der Reparatur des Baues nicht ersetzen möchte, kann es umdrehen und mit Flex und Steinscheibe in das Bodenstück einen Öffnungsschlitz schneiden, der sich mit einer Beton-Beet-Rabattenplatte abdecken lässt.

Grafik 3: Einröhrenbau mit 30er-Kessel


Diese Kunstbauvariante können wir aber auch als Einröhrenbau verwenden (s. Grafik 3). Dazu schließen wir an das 30er-Kesselrohr noch zwei 20er-Röhren an, die die Aufgabe haben, dass der springende Fuchs so viel Vorsprung vor dem nachfolgenden Hund bekommt, dass er ohne Gefahr für den Hund draußen erlegt werden kann.

Dieser Ausgang bleibt solange mit einer Gehwegplatte zugfrei verschlossen, bis wir sprengen wollen. Erst dann entfernen wir sie leise und setzen den Hund an. Die restliche Zeit arretieren wir sie mit einem dicken Stein oder einem Pflock und decken sie aus Sichtgründen mit ­einem Strohballen oder Fichtenreisig ab.

Vor einem zweiten Kessel setzen wir noch ein, besser zwei 20er-Röhren, damit in der Ranzzeit mehrere Füchse im Bau Platz finden.


Revierkunstbaue müssen nicht sonderlich tief vergraben werden. Eine Überdeckung mit 20 bis 30 Zentimeter Erde reicht nicht nur aus, sondern garantiert auch bei starkem Frost im Ernstfall eine rasche Hilfe für den Bauhund. In Revieren mit hoch anstehenden Grundwasser oder entsprechend felsigem Untergrund brauchen wir auf die Anlage der hocheffizienten Revierkunstbaue trotzdem nicht zu verzichten.

In diesem Fall verlegen wir den Bau einfach oberirdisch und decken ihn mit Strohballen ab. Wir können aber auch Erdaushub anfahren lassen und ihn damit abdecken. Hierbei ist insbesondere der Bereich des Kessels wichtig. Er muss ausreichend dick angehäuft sein, da er sonst von anderen Füchsen angegraben und seine Schall und ­Zugluft gedämmte Funktion be­einträchtigt wird.

Mit etwa einem Kunstbau auf 50 Hektar Feldfläche ist das Revier schon wirksam ausgestattet. Diese Einrichtungen bieten dem Jäger vielfältige Überraschungen, denn es kommen dort nicht nur Füchse zur Strecke, sondern gelegentlich auch Steinmarder, Iltis und Waschbär. Manchmal bereichern sogar Bisam, Nutria oder die verwilderte Hauskatze die Baujagdstrecke.


Wildmeister Matthias Meyer Als Berufsjäger leitet er den Jagdbetrieb in der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung in Oettingen/ Bayern. Er ist außerdem erfahrener Schweißhundeführer und langjähriger PIRSCH-Autor.
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