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Woher kommen Schädeldeformationen beim Wild? – Frag den Tierarzt

Dr. Armin Winter
am
Montag, 15.11.2021 - 12:18
Reh mit verkürztem Nasenbein. © Dr. Armin Deutz
Reh mit verkürztem Nasenbein.

An Missbildungen des Kopfskeletts können unter anderem Verkürzungen beziehungsweise Verbiegungen des Ober- oder Unterkiefers vorkommen. Auch können Verkürzungen der Gesichtsknochen in Form der „Mopsköpfigkeit“ und Kiefer- sowie Zahnanomalien auftreten. Diese Veränderungen sind entweder erblich oder umweltbedingt. Vielfach kann die Ursache aber nicht eindeutig geklärt werden.

Bei den abgebildeten Nasenbeinverkürzungen und -verbiegungen der Rehgeiß ist davon auszugehen, dass sie das Stück stark in der Äsungs- und Futteraufnahme behinderten. Damit können sie zu einem Kümmern geführt haben. Aus der Schwächung der missgebildeten Tiere können sich dann weitere Erkrankungen, wie Parasitosen ergeben. Die Verbiegung des Nasenbeines und Oberkiefers bei der Rehgeiß dürfte wie jene beim Rottier bereits vorgeburtliche Gründe (beengte Lage im Tragsack) haben.

 

Rotwildschädel mit "verbogenem" Nasenbein. © Dr. Armin Deutz

Rotwildschädel mit "verbogenem" Nasenbein.

Das abgebildete Rottier erlegte der Autor in der Gemeindejagd St. Lambrecht, Bezirk Murau. Das acht- bis neunjährige Alttier war nicht abgekommen (69 kg aufgebrochen, ohne Haupt) und zeigte sogar einen relativ regelmäßigen Zahnabschliff.

In den meisten Fällen liegt der Grund für Verformungen des Nasenbeines in einer Fehllagerung der Frucht in der Gebärmutter. Dort kann es dann während des Wachstums der ungeborenen Frucht zu derlei „Verbiegungen“ kommen.

Stark abgemagert = genussuntauglich

Eine massive Gewalteinwirkung (z.B. durch eine Kollision mit einem Pkw) oder eine alte Schussverletzung kann wegen Fehlens von Frakturstellen weitestgehend ausgeschlossen werden. Zum Ausschluss wäre in Zweifelsfällen jedoch eine weitere röntgenologische Untersuchung zielführend. Falls Stücke aufgrund der beschriebenen Missbildungen deutlich abmagern, sind sie für den menschlichen Verzehr nicht geeignet, also genussuntauglich.