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Kleine Treibjagden mit kleinen Strecken

Kein Widerspruch: Gerade der Heger darf Strecke machen!

Der Gang durchs Schilf hat sich gelohnt


Manchmal sind es gerade die kleinen, etwas „gemütlicheren“ Jagden, die uns Jäger lange im Gedächtnis bleiben. Ein paar schöne Stunden in geselliger Runde mit Flinte, Hund und bunter Strecke – das kann ein echtes Highlight sein. Natürlich versteht sich, dass man als Revierinhaber auch nur dann zu einer (kleinen) Treibjagd einlädt, wenn ausreichend Wild vorhanden ist. Denn wie heißt es so schön: Kein Heger, kein Jäger. Die Faustregel ist: Zwei Stück Niederwild sollten auf jeden Jagdgast im Durchschnitt als Strecke schon zu erreichen sein. Schließlich gilt es, hier nur ein wenig vom bejagbaren Besatz abzuschöpfen.

Wer zum Beispiel den Feldhasen durch Scheinwerfer-Taxation zählt und die Zahl von Enten, Kaninchen oder Fasanen durch regelmäßige Beobachtungen abschätzen kann, schafft hier eine wesentliche Grundlage. Nie zu vergessen ist der Fuchs, der bekanntlich immer kommen kann: Er bereichert nicht nur die Strecke. Ist er im Treiben, steigert das die Spannung enorm. Und seine Erlegung hilft wiederum dem übrigen Niederwild!

Wo selbst eine bescheidene Strecke nicht möglich scheint, lohnt der Aufwand einer Gesellschaftsjagd nicht. Ebenso lässt sie sich auch gegenüber Außenstehenden nur schwer rechtfertigen. In diesem Fall buschiert man lieber in aller Ruhe mit seinem Vorstehhund und genießt die saubere Arbeit des Vierbeiners. Um mit dieser Art zu jagen dem Hasenbesatz nicht zu schaden, wählen wir frühestens Mitte November den möglichst einmaligen Jagdtermin. Zum einen ist die Vegetation zu dieser Zeit schon entsprechend niedrig, und zum anderen treffen wir nun keine säugenden Häsinnen mehr an.

Wichtige Grundsätze

Jäger auf dem Weg zum nächsten Treiben


Für das Buschieren oder die Suche mit dem Vorstehhund ist das Wetter ganz entscheidend. Bei trockenem, frostigem und windigem Wetter oder bei schon länger liegendem Schnee steht der Hase bei der geringsten Störung früh auf und ist meist nicht mehr mit der Flinte erreichbar. Diese Jagdmethode lohnt besser an regnerischen, nebligen oder warmen und windstillen Tagen, da er dann wesentlich fester in der Sasse sitzt. Besonders fest liegende Hasen sollte man allerdings auf jeden Fall schonen. Es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit ältere Häsinnen, die für das Revier wichtig sind!

Die beste Tageszeit ist vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag. Punktuell sucht sich der Jäger mit seinem Hund ein strukturreiches Gelände mit mäßig hoher Deckung, damit das sich drückende Wild auch aushält. Fasan, Waldschnepfe und Kanin halten ebenso und bereichern diese herrliche Jagd. Gerade in Revieren mit einem schwachen Fasanenbesatz lassen sich so frühzeitig überzählige Hähne entnehmen. Auf diese Art und Weise ist der Fasan auch deutlich leichter zu erbeuten als der turmhohe und pfeilschnelle Gockel großer Fasanentreiben. Zudem kann es sich durchaus lohnen, vom Hund kleine dichte Schilfpartien oder Schwarzdornhecken auf das schmackhafte Federwild durchstöbern zu lassen.

Sollte der Besatz es jedoch hergeben, kann man sich und ein paar Freunden durchaus eine Freude bereiten. Doch auch hier sichert das zweckmäßige Vorgehen den Erfolg.

Jede Gesellschaftsjagd – ob nun eine große Bewegungsjagd auf Schalenwild oder ein ehe familiäre Hasenjagd unter Freunden – muss angemessen vorbereitet sein, wenn sie von Sicherheit und Jagderfolg geprägt sein soll. Sie erfordert von allen Teilnehmern ein hohes Maß an Konzentration, Können und Disziplin. Der Jagdleiter hat dazu im Vorfeld eine Reihe von Überlegungen anzustellen. Als Dank für die Einladung fügt sich der Gast den Ansagen der Jagdleitung, führt seine Flinte sicher und macht treffsicher Beute.

Besondere Bedeutung kommt der Wahl der einzelnen Arten von Treiben zu. Diese richten sich vornehmlich nach den zu bejagenden Wildarten, der Revierstruktur und der Zahl der zur Verfügung stehenden Personen. Für Niederwildjagden in kleiner Runde scheiden die großen Feldtreiben schon einmal aus, denn für großflächige Kesseltreiben, die Böhmische Streife oder große Vorstehtreiben sind mindestens 80 Teilnehmer angesagt.

Das Mittel der Wahl: Die kleine Streife

Tief geduckt: Feldhase auf Acker


Für unsere kleinen Jagden wählen wir besser die kleine Streife auf Hase, Kaninchen, Fasan und Ente. Der Bewuchs im Treiben muss dazu übersichtlich sein. Das Gelände selbst darf hingegen „unübersichtlich“ aussehen, also reich strukturiert an Hecken, Gräben, Feldern, Wiesen und kleinen Feldgehölzen, wodurch es sich schon aufgrund der Sichtbeschränkung für ein großes Kesseltreiben ohnehin nicht eignen würde.

Die kleine Streife ähnelt in ihrer Art der Suchjagd, allerdings suchen die mitgeführten Hunde nicht frei vor dem Schuss, sondern dienen lediglich der Nachsuche. Die zwischen den Jägern eingereihten Treiber verlängern die Schützenlinie. Im Gegensatz zur Böhmischen Streife verzichtet man bei der kleinen Variante meist auf vorgezogene Flügel. Oder man verwendet je nach Gelände nur sehr kurze. Die Streife ist wie gemacht für kleine Reviere oder Revierteile, die von Straßen zerschnitten oder aufgrund ihrer Struktur für große Treiben zu unübersichtlich sind.

Vor dem Treiben werden die Jäger und Treiber möglichst entlang eines Wirtschaftsweges in Linie aufgestellt. Der Schützenabstand beträgt dabei etwa doppelte Schrotschussweite, also 60 bis 70 Meter. Dazwischen laufen ein bis zwei Treiber. Auf Handzeichen des Jagdleiters oder auf das Jagdhornsignal „Anblasen des Treibens“ setzt sich die Linie in Bewegung. Die Jäger tragen dabei ihre Flinte geladen, gesichert und mit der Laufmündung nach vorne oben gerichtet in der Hand.

Die Hundeführer sind gleichmäßig in der Linie verteilt. Sie haben ihren gehorsamen und vor allem nicht schusshitzigen Vierbeiner links neben sich an der umgehängten Führerleine bei Fuß laufen. Im Einzelfall kann der Jagdleiter einem Rüdemann auch das Schnallen seines Hundes zum Stöbern in höherer Deckung gestatten. Wie bei den zuvor erwähnten Such- und Buschierjagden brauchen wir für die kleine Streife idealerweise ebenfalls ein ruhiges, aber feuchtes Wetter, damit das sich drückende Niederwild den Jäger so lange aushält, bis er mit der Flinte auf gute Schussdistanz herankommt.

Wichtig ist im Gegensatz zu den großen Feldtreiben, dass die Treiber ruhig in der Linie mitgehen und keinen Krach machen, damit das Wild nicht bereits zu weit vor den Jägern aufsteht. Ebenso ist jeder Teilnehmer angehalten, sich nach beiden Seiten zu vergewissern, dass auch „Linie“ gehalten wird. Sollte einmal der Sichtkontakt abreißen, lässt der Jagdleiter anhalten und wieder ausrichten. Das saubere „Linie gehen“ ist zum einen für den Jagderfolg wichtig und zum anderen aus Sicherheitsgründen unabdingbar, denn jeder Bogen verringert sofort den sicheren Schussbereich.

Als „Finale“ ein „gemischtes Treiben“

Die Schrotstärke muss auf das zu bejagende Wild angepasst sein. Zudem darf die maximale Schussdistanz von 35 Metern nicht überschritten werden.


Zudem gehen alle langsamen Schrittes über die Felder, damit das Wild nicht ständig überlaufen wird. Aus Sicherheitsgründen und um dem Wild eine Chance einzuräumen, sollte der Schuss auf hinter der Linie aufstehendes Wild untersagt werden.

Steht Wild vor der Linie auf und wird beschossen, hält die gesamte Korona so lange an, bis es aufgenommen oder nachgesucht wurde. Dabei darf nur der Hundeführer, der am nächsten zur Stelle ist, die Linie verlassen, um seinen Vierbeiner besser einweisen und unterstützen zu können. Der Jagdleiter achtet stets darauf, dass seine Schützen bei sich vergrößernden Abständen in der Linie die maximale Schussentfernung von 35 Metern auch einhalten.

Nähert sich die Schützenlinie einem Feldgehölz, kann der Jagdleiter seine Mannschaft nun so umsetzen, dass das „Finale“ in ein Standtreiben mündet. Während das Vorstehtreiben eine großräumige Treibjagdart im freien Feld und hauptsächlich ausgerichtet auf Fasan oder Hase ist, kann man es in Form eines solchen Standtreibens im kleinen Kreis zu einem „gemischten“ Treiben auf Hase, Kaninchen, Fuchs, Fasan, Ente und Schnepfe in unübersichtlichem, stark bewachsenem Gelände umgestalten. Auch die Flügel können mit Schützen besetzt werden oder sogar wenige versierte Jäger in der Linie mitgehen, die aus Sicherheitsgründen ausschließlich nach rückwärts schießen dürfen.

Ein Standtreiben bietet sich vor allem dann an, wenn der Revierteil zu klein oder konturenreich, zu stark bewachsen oder mit Gräben und Wasserflächen strukturiert ist, sodass ein Kesseltreiben oder die Streife wenig Sinn machen. Je nach Gelände oder Wetter wäre auch ein Grund, dass das Wild für eine Streife einfach zu früh aufstehen würde. Für ein Standtreiben ist es absolut notwendig, dass der Jagdleiter im Vorfeld immer die gleiche Anzahl von Schützenständen pro Treiben kennzeichnet, sodass die Einnahme der Stände lautlos und zügig erfolgen kann. Er muss berücksichtigen, dass im Herbst und Winter die Sonne sehr niedrig steht und die Schützen bei falscher Standwahl gegebenenfalls geblendet werden und ein Schießen unmöglich wird. Insbesondere bei zusätzlicher Schneelage kann dies sehr unangenehm sein.

Nicht vergessen: Brauchtumsgerecht Streckelegen!

Ein ordentliches Streckelegen ist gelebtes Brauchtum. Gerade nach einer Gesellschaftsjagd ist das für alle ein würdiger Abschluss.


Da alles Haarwild grundsätzlich gegen den Wind das Treiben verlässt und Flugwild immer gegen den Wind aufsteht, muss die Schützenlinie entsprechend mit halbem Wind stehen, denn stehen die Jäger voll im Wind, gehen die frühzeitig vor der Treiberwehr hoch gemachten Hasen durch die (in aller Regel) unbesetzten Flügel. Langjährige Beobachtungen bei unseren Jagden haben gezeigt, dass insbesondere der getriebene Hase in hügeligem Gelände bevorzugt schräg hangaufwärts läuft. Dort gehören die Stände hin. Da Mümmelmann auch gut äugt, suchen wir die Stände so aus, dass sie nicht als Silhouette gegen den hellen Himmel auffallen.

Vor Beginn des Treibens besetzen zuerst die Schützen lautlos und zügig ihre Stände. Der Jagdleiter weist sie in den Stand, die Nachbarstände, die Richtung, aus der die Treiber kommen, und in die Folge nach dem Treiben ein. Nach Einnahme des Standes verständigen sie sich optisch durch Winken mit ihrem Nachbarn. Sie dürfen anfangs mit Schrotfang in das Treiben schießen, bis sich die Treiber nähern. Dann drehen sie sich um und schießen nach außen. Vorsicht bei anstreichendem Flugwild: Der Schuss auf tiefstreichendes Federwild (unter 45°) ist grundsätzlich tabu!

Am Ende des Tages sollte die Strecke brauchtumsgerecht gelegt und gebührend verblasen werden (Die Regeln dafür finden sie unter diesem Link: Richtig Streckelegen). Ein zünftiges Schüsseltreiben in geselliger Runde bildet den stilvollen Ausklang eines hoffentlich schönen Jagdtages.


Wildmeister Matthias Meyer Als Berufsjäger leitet er den Jagdbetrieb in der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung in Oettingen/ Bayern. Er ist außerdem erfahrener Schweißhundeführer und langjähriger PIRSCH-Autor.
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