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Kitzrettung: 17 Tipps für die Jungwildrettung mit Drohnen

Rasso Walch © Markus Werner
Rasso Walch
am
Sonntag, 16.05.2021 - 14:53
Rehkitz-Wiese © Rasso Walch
Es gibt Flächen, die bei der Kitzsuche deutlich relevanter sind als andere. Daher macht es Sinn, diese entsprechend zu ordnen.

Der Einsatz von Drohnen inklusive Wärmebildkamera ist, ohne zu übertreiben, die mit Abstand effektivste Art, Kitze, Junghasen und sogar Gelege vor dem Mähtod zu retten. Kaum verwunderlich also, dass der Bund für den Kauf solcher Drohnen mittlerweile Fördergelder zur Verfügung stellt. Doch mit dem Kauf der richtigen Drohne hat man noch lange nicht die Garantie, dass der Einsatz zur Kitzrettung auch so effektiv abläuft, wie man sich das vorgestellt hatte. Ähnlich wie bei der Organisation einer Gesellschaftsjagd gilt nämlich: Organisation und Vorbereitung sind die halbe Miete für den Erfolg. Wir haben Ihnen daher 17 Tipps zusammengestellt, die Sie vor dem Start beachten sollten:

  • Seit Beginn des Jahres gilt die neue EU-Drohnenverordnung. Demnach muss sich jeder Drohnenbesitzer beim Luftfahrtbundesamt als Betreiber der Drohne registrieren. Auf der Drohne muss die zugewiesene elektronische ID angebracht werden. Zudem muss ab einem Drohnengewicht von 250 Gramm ein sogenannter Drohnenführerschein gemacht werden. Dieser kann online beim Luftfahrtbundesamt absolviert werden.
  • Teil der Drohnenführerschein-Prüfung ist dabei auch, zu wissen, wo das Fliegen untersagt ist. Dies sollte man vor jedem Einsatz prüfen. Liegt die Fläche z.B. in einem Naturschutzgebiet, in der Nähe zu einem Flugplatz oder einer Bundesstraße, ist das Fliegen entweder verboten oder es ist ein Sicherheitsabstand einzuhalten.
  • Informieren Sie die Landwirte rechtzeitig darüber, dass Sie bereit sind, deren Flächen abzusuchen. Die genaue Absprache, wann gemäht wird, ist dabei entscheidend. Es bringt schließlich nichts, wenn Sie einen Tag vor der Mahd die Fläche absuchen und in der Nacht das Wild wieder in die Fläche läuft (ggf. trotz aufgestellter Wildwarner). Legen Sie dafür eine Kontaktliste mit den entsprechenden Landwirten und Lohnunternehmern an.

Nicht überall darf mit Drohnen nach Jungwild gesucht werden.

  • Machen Sie sich mit der Handhabung der Drohne bestens vertraut. Dafür eignet sich eine Fläche in der Ebene ohne Bäume oder andere Hindernisse in der Nähe. Sie müssen am Anfang erst ein Gefühl für die Drohne bekommen und lernen, wie sie beispielsweise auf Windböen reagiert. Steigern Sie sich dabei langsam hinsichtlich Höhe und Geschwindigkeit. Es schadet nicht, dieses Training jährlich vor Beginn der Rettungssaison zu wiederholen.
  • Manche Drohnensysteme erlauben es, die Flugrouten vorher beispielsweise in einer App festzulegen. So können Sie die Flächen systematisch nach GPS abfliegen, ohne dabei Teilstücke auszulassen. Vor Ort haben Sie trotzdem noch die Möglichkeit, den Autopilot abzuschalten und selbst zu fliegen, falls dies erforderlich ist. Durch den Autopiloten spart die Drohne allerdings in der Regel Akku und schafft so mehr Fläche.
  • Machen Sie sich mit der Rückkehrfunktion Ihrer Drohne vertraut. Dies ist besonders wichtig für den Notfall. Gegebenenfalls kann Sie dies vor einem Totalschaden bewahren, wenn Sie die Kontrolle verlieren und der Copter droht vom Himmel zu fallen oder gegen ein Hindernis zu fliegen.

  • Ausreichend Ersatzakkus sind für die effektive Kitzrettung quasi unumgänglich. Dass diese vor dem Einsatz voll geladen sind, dürfte klar sein. Damit die Akkus allerdings auch möglichst effektiv genutzt werden und Sie ihre volle Leistung abrufen können, lohnt es sich, diese beispielsweise auf der Lüftung des Autos vorzuwärmen.
  • Beim Drohnenfliegen gilt: Zeit frisst Akku. Um also Zeit und im Umkehrschluss Akku zu sparen, sollten Sie sich als Pilot vorher genau mit Ihren Teammitgliedern absprechen. Es macht keinen Sinn, nach jedem gefundenen Kitz zu landen und dieses gemeinsam aufzusuchen – besonders weil es in der Regel heißt: Wo ein Kitz ist, findet sich auch noch ein zweites. Als Drohnenpilot sind Sie der Teamchef und geben vor, was gemacht wird. Das muss allen klar sein, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Aufgaben müssen klar aufgeteilt sein.
  • Besorgen Sie sich zusätzlich zur Drohne noch Funkgeräte. Sie erleichtern die Absprache im Team und sorgen dafür, dass die Retter durch den Piloten genau eingewiesen werden können. Denn häufig kommt es vor, dass man nur wenige Meter vom Kitz entfernt steht, ohne es zu erahnen. Die Kommunikation über Handys ist deutlich instabiler.

Damit die Drohne nicht in der Wiese landen muss, ist es sinnvoll, eine mobile Landefläche vorzubereiten.

  • Damit Sie wissen, nach was Sie suchen, macht ein Testlauf Sinn. Dafür legen Sie beispielsweise einen kleinen Hund oder einen auf Körpertemperatur vorgewärmten Stein in einer Wiese ab, den Sie anschließend mit der Drohne suchen. Dabei stellen Sie gegebenenfalls auch fest, ob die Wärmebildkamera richtig eingestellt ist. Beim Testlauf bietet es sich ebenfalls an, das Einweisen per Funkgerät zu üben.
  • Um nicht in der hohen Wiese oder auf einem matschigen Weg landen zu müssen, sollten Sie einen transportablen Landeplatz vorbereiten. Diese werden zum Teil von Drohnenherstellern angeboten, eine Holz- oder Kunststoffplatte ist allerdings ebenfalls völlig ausreichend.
  • Schauen Sie sich die Fläche, die abgeflogen werden soll, rechtzeitig vorher an, damit Sie schon vorab wissen, wo Sie abheben. Zudem hilft es, den zeitlichen Aufwand und den Akkubedarf abzuschätzen.

  • Ordnen Sie die Flächen, die an einem Morgen abgeflogen werden sollen, nach Relevanz. Dies stellt im Fall der Fälle sicher, keine Fläche auszulassen, in der sehr wahrscheinlich Kitze liegen. Flächen mit hoher Relevanz liegen in der Regel an Waldrändern. Flächen in Siedlungsnähe, auf denen man auch sonst kein Rehwild stehen sieht, haben dagegen deutlich weniger Priorität.
  • Halten Sie ausreichend Körbe bzw. Kartons bereit, in denen Kitze aus der Wiese getragen und bis zum Ende der Mahd untergebracht werden können. Mit der Drohne werden Sie in der Regel deutlich mehr Kitze finden als mit klassischen Methoden der Kitzrettung, da die Flächenleistung erheblich größer ist und zudem genauer.
Das Nest einer Stockente in einer Wiese. © Rasso Walch

Je nach Drohne und Wärmebildkamera können auch Gelege gefunden werden.

  • Kümmern Sie sich um ein verlässliches Team in ausreichender Größe. Um 4 Uhr in der Früh noch Ersatz zu finden, ist praktisch nicht darstellbar.
  • Bewahren Sie die Akkus der Drohne immer warm und trocken in einem feuerfesten Behältnis auf. Geraten sie in Brand, sind sie nur äußerst schwer zu löschen.
  • Sprechen Sie sich vorher mit dem Landwirt ab, wie das Vorgehen ist, wenn Sie beispielsweise das Gelege eines Fasans oder einer Ente finden. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, dass der Landwirt großzügig außen rum mäht. Zudem besteht die Möglichkeit, das Gelege selbst großzuziehen, um es später wieder auszuwildern.


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