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Kinder auf der Jagd

Foto: Günther Klahm © Günther Klahm

„Mit dabei, wenn`s kracht?“ lautet auch der einleitende Beitrag in PIRSCH 22/2012: Dort beziehen ein jagender Kinderpsychologe wie auch mit der jagdlichen Öffentlichkeits- und Nachwuchsarbeit vertraute Jäger Stellung. Es empfiehlt sich eine angemessene Erklärung über den Sinn des Tötens von Wild, bevor man Kinder mit der Jagdbeute oder gar mit dem Erlegen selbst konfrontiert.



Hier weitere Erfahrungsberichte aus Jägerhand:


<b>Einstieg übers Fischen</b><p>

Viola Klaus ist Jägerin und angehende Waldpädagogin.  Foto: Bernhard Klaus © Bernhard Klaus

Viola Klaus ist Jägerin und angehende Waldpädagogin. Foto: Bernhard Klaus

Eine schwierige Thematik, da jedes Kind einen anderen Charakter und eine andere Mentalität hat. Unser Sohn Korbinian kam im Alter von etwa sechs Jahren zur Fischerei. Da er immer schon ein wissbegieriges Kind war, wollte er schon früh seine Fische ausnehmen und verarbeiten. Dadurch fiel der Übergang zur Jagd natürlich leichter: Korbinian ging mit zum Ansitz und zum Füttern. Allmählich ergab sich die Situation, dass er auch beim Erlegen und Versorgen von Wild dabei war. Da mein Mann und ich uns gegenüber unseren Kindern, was die Jagd anbelangt, immer sehr unkompliziert und offen gaben, reagierte Korbinian sehr natürlich. Er half tatkräftig bei der Versorgung des Wildes mit. Seit einigen Jahre führe ich auch Veranstaltungen mit Kindern wie z.B. „Mit dem Jäger auf der Pirsch“ durch. Dabei wandere ich mit den Kindern durch den Wald. Laufend kommt ein Kind und fragt, was das ist, zu wem das gehört usw. Dies ist eine sehr gute Möglichkeit, den Kindern in der Natur auf ungezwungene Art den Wald sowie dessen Bewohner nahezubringen. Da ich auch einige Präparate dabei habe, keimt immer wieder zwangsläufig die Frage auf: „Warum ist das Tier denn totgeschossen worden?“ Da stellt sich die Aufgabe, den Zweck und Sinn der Jagd altersgemäß zu erklären. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es das „richtige“ Alter nicht gibt. Man muss auf das jeweilige Kind eingehen und dann entsprechend handeln. Es sollte kein Kind gezwungen werden, dabei zu sein, wenn es das nicht möchte. Nur so kann man den Kindern einen natürlichen Umgang mit der Jagd näherbringen.

Viola Klaus, Erding

<b>Respekt vor den Mitgeschöpfen</b><p>

Günther Klahm ist Saarland-Korrespondent der PIRSCH mit vielfältiger Erfahrung in der Öffentlichkeits- und Nachwuchsarbeit.  Foto: Günther Klahm © Günther Klahm

Günther Klahm ist Saarland-Korrespondent der PIRSCH mit vielfältiger Erfahrung in der Öffentlichkeits- und Nachwuchsarbeit. Foto: Günther Klahm

Ein Kind, das in einem Jägerhaushalt lebt, wächst automatisch in den Jagdbetrieb hinein. Es erlebt und empfindet die Versorgung eines erlegten Stück Wildes als völlig normal, selbstverständlich und nicht ekelerregend, zumal das zubereitete Stück auch am Tisch gegessen wird. Es begleitet die Erwachsenen ins Revier und lernt beim Ansitz auch Geduld zu haben, wenn die ersten Ansitze nicht gleich stundenlang und bei weniger angenehmem Wetter stattfinden. Irgendwann äußert es von sich aus den Wunsch, auch bei der Erlegung eines Stück Wildes dabei sein zu dürfen. Und das war auch für mich der Punkt, an dem ich meine beiden Kinder etwa ab dem 5. Lebensjahr mit zur Jagd nahm und dabei auch Wild erlegte und anschließend versorgte. Beide (heute 30 und 28 Jahre) haben dadurch keinen seelischen Schaden genommen und stehen immer noch fest zur Jagd. Vorsichtiger war ich bei solchen Kindern, die bislang noch nichts mit der Jagd am Hut hatten oder denen es fremd war, dass der fleischige Belag ihres Hamburgers einmal ein Rind oder Truthahn war, die deswegen geschlachtet wurden. Hier sprach ich vorher ausgiebig mit deren Eltern. Bei sensiblen bzw. unbedarften Kindern beließ ich es bei einem Pirschgang oder Ansitz zur Beobachtung und ohne Waffe. Eine Frage stellten mir die Kinder immer wieder, nämlich ob es dem Tier wehtue, wenn ich auf es schieße. Ich erklärte es damit, dass ich so schieße, dass das Wild gleich tot ist und deshalb keine Schmerzen mehr empfinden kann. Eine sehr hohe Forderung an mich und an die Jäger überhaupt! Ich erklärte ihnen auch, dass man nie aus Jux und Dollerei auf ein Tier schießt, weil es, nicht tödlich getroffen, den Schmerz wie wir empfindet. Ob eigene oder fremde Kinder: Waffen, ob echte oder Attrappen, sind kein Spielzeug! Sie durften in meinem Beisein eine weiter in meinen Händen befindliche ungeladene Waffe auch mal berühren, aber nicht führen. Auch machte ich ihnen klar, dass man selbst mit einer Spielzeugwaffe nie auf Menschen zielen darf.

Günther Klahm, St. Ingbert

<b>Den Kindern ehrlich gegenübertreten</b><p>

Als Grundschullehrer setzt der Jäger Roland Bock mit Schulprojekten zum Thema Naturvermittlung immer wieder Akzente.  Foto: Roland Bock © Roland Bock

Als Grundschullehrer setzt der Jäger Roland Bock mit Schulprojekten zum Thema Naturvermittlung immer wieder Akzente. Foto: Roland Bock

„Kinder sind neugierig, wollen die Welt verstehen“ - dieser Grundsatz gilt auch, wenn es um die Frage geht, ob man Kinder auf den Pirschgang mitnehmen kann und auch bei der Schussabgabe neben sich haben darf. Seit ich zur Jagd gehe, erzähle ich meinen Grundschulkindern alle meine Jagderlebnisse. Natürlich gehört auch das Erlegen von Wild dazu. Großen Wert lege ich dabei darauf, dass die Schüler/innen erfahren, dass das Töten des Wildes stets in Verbindung mit der Achtung vor der Kreatur geschieht. Die weitere Verwertung des gewonnenen Wildbrets im Gegensatz zum Konsum von Erzeugnissen aus Massentierhaltung steht dabei stets im Zentrum. Speziell Buben fragen oft interessiert nach dem Umgang mit Waffen. Die besondere Verantwortung , dass der Jäger der Einzige ist, der ein Wirbeltier ohne Betäubung töten darf, ist mir dabei von übergeordneter Bedeutung. Ein exemplarisches Erlebnis mit meinem Neffen (10) beim Ansitz: Wir warten auf einen bestätigten Spießer. Als der Jährling nach kurzer Wartezeit aus dem Wald auf die Wiese vor uns austritt, flüstere ich meinem Neffen zu: „Das ist er.“ Bereits zuvor habe ich ihn informiert, dass ich den jungen Rehbock erlegen würde. Dabei würde sich mein Puls erhöhen und er sollte sich beim Schuss die Ohren zuhalten. Als ich die Waffe anlege, bemerke ich ein Zittern neben mir. „ Mich friert es nicht, aber ich bin so aufgeregt, Onkel Roland.“ Jagdfieber gibt es also schon bei Kindern. Als der Schuss bricht und der Rehbock im Feuer liegt, ein erfreuter Ausruf des Jungen: „Den haben wir!“ Natürlich lässt er sich das Aufbrechen in der eigenen Wildkammer nicht entgehen und verfolgt interessiert die einzelnen Arbeitsschritte. Dieselben Erfahrungen habe ich auch mit meinen beiden Söhnen gemacht, die beim (Haus-)Schlachten von Geflügel stets neugierig den Prozess der Lebensmittelgewinnung mitverfolgten. Generell bin ich der Überzeugung, dass ein Jäger und natürlich auch ein Lehrer einem Kind immer ehrlich gegenübertreten sollte und nichts von seinen Grundsätzen verheimlichen sollte.
Roland Bock, Schwabmünchen

<b>Der Passion einen geordneten Weg ebnen</b><p>

Guido H., Jungjägerausbilder, führt seine Kinder zeitig, doch zwanglos an Natur und Jagd heran.  Foto: Guido Horstmann © Guido Horstmann

Guido H., Jungjägerausbilder, führt seine Kinder zeitig, doch zwanglos an Natur und Jagd heran. Foto: Guido Horstmann

Mein Vater zeigte mir, was Natur ist und dass die Menschen eine große Verantwortung dieser gegenüber haben. Er weckte in mir die Leidenschaft für Tiere - mein Bruder und ich wuchsen mit Papageien, Aquarienfischen, Nagern und Hunden auf. Wir gingen angeln, aber auch mit zur Jagd. Dort durften und mussten wir bei der Anlage von Wildäckern, beim Kanzelbau oder auch beim Ausschneiden helfen. In den zahlreichen Ansitzen konnte ich verschiedenste Tiere beobachten, bis ich schließlich selbst als Jagdscheininhaber mit der Waffe unterwegs war. Nun bin ich selbst Vater von drei Söhnen und einer kleinen Tochter. Mein Großer, Nico machte in einer Schul-AG seinen Angelschein, und hat inzwischen die Jägerrpüfung bestanden. Bis zum Alter von neun Jahren lebte er mit uns auf dem Bauernhof meiner Schwiegereltern, wo er mitbekam, wie Großvieh und Hausgeflügel gehalten und geschlachtet wurde. Dazu zählte dann auch das Versorgen lebender wie getöteter Tiere. Er war nicht nur anwesend, sondern wollte dann auch beim Rupfen mithelfen. Ebenso nahm ich ihn auch mit zu Pirsch und Ansitz, wo er u.a. dann auch mal einen Nachtansitz auf Schwarzwild miterleben wollte. Die Zwillingsbrüder Marco und Mirco (7), tun dieses auch und freuen sich, wenn ich mit dem Hund und Waffe aufs Fahrrad steige und sie selber Rad fahrend, einen Eimer mit Futter an der Seite, die Revierrunde fahren können. Sie beschicken dabei wintertags gerne die Fütterungen an den Teichen und Hecken und passen auf, wenn Tauben oder Krähen einfallen und fordern mich auf, diese gegebenenfalls zu erbeuten. Genauso sind sie aber auch dabei, wenn diese dann küchenfertig gemacht werden und bestimmen dann schon mal die Organe der erlegten Tiere. Nico hatte mit zwölf Jahren gefragt, ob er denn nun mit Angelschein groß genug sei, selbst ein Messer führen zu können. Als ich drei Stück Schalenwild aufzubrechen und aus der Decke zu schlagen hatte, fragte er mich, ob er unter Anleitung auch eines dieser Stücke versorgen dürfe. Ich machte ihm dann zwei vor, das Dritte versorgte er selbst Die drei fragen öfter, ob ich zum Schießstand fahre, denn sie wissen, dass in der Natur nicht einfach geschossen werden sollte und man als Jäger nicht auf Tieren das Treffen übt. Da begleiten sie mich gern, wobei Nico selbst auch schon sehr gut Büchse und Flinte schießt Unsere Kinder wachsen damit auf, dass der Tod etwas Natürliches ist. Zum Leben gehört die Nahrungskette, aber auch die Verantwortung der Menschen gegenüber jedem Lebewesen. Dabei erzähle ich den Kindern, dass auch andere Kreaturen ebenso Schmerzen erleiden, wenn sie verletzt sind wie wir Menschen. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Fauna und Flora. Was aber am Wichtigsten ist, ist die Verantwortung, die der Mensch einging, indem er die Welt nach seinen Vorstellungen geformt hat und auch, dass der Tod eines jeden Lebewesens einen vernünftigen Grund haben soll. Sei es zum Schutz des Gleichgewichtes der Nahrungskette, oder auch, dass ich es selbst essen möchte.
Guido Horstmann, Nordwalde

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