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Keilerwaffen präparieren

Wer einen reifen Keiler erlegt, möchte das Gewaffneten entsprechend präparieren.


Ein reifes Keilergewaff zu erbeuten, gehört heutzutage zweifellos zu den herausragenden jagdlichen Momenten, nicht nur in unseren heimatlichen Revieren. Kommt dann mal ein alter Basse zur Strecke, bedarf es einer Methode, Gewehre und Haderer dauerhaft, ja zeitlos so zu behandeln, dass wir uns nicht nur in der Gegenwart daran erfreuen können, sondern auch die Generationen ­danach. Sollen die Gewehre nicht nach relativ kurzer Zeit in geheizten Räumen reißen, bedarf es gewisser ­Voraussetzungen.

Der Umgang mit den Waffen des Schwarzwild beginnt schon beim Bergen des Stückes im Jagdrevier. Insbesondere die Gewehre sind hochempfindlich, und schon die Berührung mit einem groben Stein beim ­Ziehen durchs Gelände kann ausreichen, die ganze Pracht zu zerstören. Um Beschädigungen vorzubeugen, sollte das Gewaff nach dem Streckelegen abgesägt werden.

 

Vor dem Füllen muss das Keilergewaff mit Aceton entfettet werden. © Christian Schätze

Vor dem Füllen muss das Keilergewaff mit Aceton entfettet werden.

Gewaff abkochen, säubern und entfetten

Zunächst wird die Schwarte des Keilers von vorn bis etwa vor die Lichter gelöst. Da nur ein Teil der Gewehre aus dem Kiefer herausragt und bis zu zwei Dritteln darin verborgen sind, muss ein „Sicherheitsbereich“ beachtet werden. Als Grenze ist der M1 (1. Backenzahn) zu sehen. Kürzen kann man den Knochen dann ­immer noch. Abgesägte Wurzeln der Gewehre lassen sich hingegen nicht ersetzen. Beim Sägen ist darauf zu ­achten, dass immer vom Knochen (Wurf) bzw. von der Unterseite des Unterkiefers in Richtung Zahnwurzel gesägt wird. Beginnt der Jäger auf der Zahnseite zu sägen, wird nur das Sägeblatt stumpf.

Sind die beiden Kieferteile vom Haupt getrennt, werden sie abgekocht. Hierbei dringend darauf achten, die ­Kieferteile in kaltem Wasser aufzusetzen! Dann langsam die Temperatur erhöhen. Bitte nie in kochendes Wasser werfen! Auf Zusätze wie Spülmittel oder Soda verzichten, weil dies den Zahn angreifen und entfärben. Um die Kochzeit zu ­verkürzen, kann das Gewaff 1-2 Tage gewässert werden. Alles kurz aufkochen, anschließend auf der kleinen ­Stufe 45 Minuten köcheln lassen. Sobald sich das Zahnfleisch gelöst hat, die Kieferteile aus dem Wasser nehmen.

Vorsichtig Gewehre und Haderer lösen

Hier wurde die Gewaffabdeckung in der passenden Größe gefunden.


Wenn die Gewehre noch zu fest sitzen, einfach im Wasserbad noch 1-2 Tage stehen lassen. Danach lassen sich die Gewehre leicht nach vorn rausziehen – sofern ihr Träger mindestens drei oder vier Jahre alt war. Bei jüngeren Stücken bleibt einem nichts anderes übrig, als mit einer Zange vorsichtig das Zahnfach zu öffnen. Dazu den Zahn mit sanftem Druck so weit wie möglich nach hinten schieben und Knochenmaterial an den Kanten des Unterkiefers abkneifen. Nach und nach bekommt man so die Gewehre heraus. Achtung! Niemals das Zahnfach mit der Zange aufhebeln. Dabei wird wegen der Hebelbewegung nur das Gewaff beschädigt.

Eine weitere Methode die Gewehre zu lösen besteht darin, diese nach hinten herauszuziehen. Das gelingt nur, wenn der Unterkieferast von hinten gekürzt wird. Um die Gewehrbasis zu schützen, den Zahn so weit wie möglich nach vorn ziehen. Anschließend P2 und P3 ziehen und scheibchenweise den Unterkiefer kürzen. Danach prüfen, ob der Zahn nach hinten herausgedrückt werden kann. Gelingt das nicht, den Zahn wieder weit nach vorn drücken und noch einmal sägen. Achtung! Immer daran denken, vor dem nächsten Schnitt den Zahn nach vorn zu ziehen!

 

In Sandbad stecken zum Befüllen

Wenn die Waffen in Sand gesteckt werden, lassen sie sich leichter füllen.


Anschließend werden die Zähne innen und außen mit einem Tuch und Holzspießchen gereinigt. Bei festen Substanzen einfach den Fingernagel benutzen. Aber auch eine alte Zahnbürste leistet gute Dienste. Die Wurzelreste bekommt man am leichtesten mit einem dünnen, nicht zu weichem Draht aus dem ­Kanal. Diese Arbeit sollte sehr sorgfältig erfolgen, damit später das Füllen des ­Gewaffs gelingt. Ist der Reinigungsvorgang beendet und vergehen bis zum Aufsetzen des Gewaffs ein paar Tage, ist es ganz wichtig, die Gewehre und Haderer in einem stets leicht feuchten Tuch zu halten. An der Luft offen herumliegend, trocknen die Zähne sehr schnell aus und werden brüchig.

Der Füllmasse der Gewehre und Haderer ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Nicht jedes Material, was im Internet von Jägern empfohlen wird, ist auch wirklich geeignet.

Kerzenwachs und Paraffin, Silikon (klar oder weiß), Holzleim (z. B. Ponal) oder  Polyesterharze aus dem Baumarkt sind ungeeignet.

Die einzig wahre Methode, die Trophäen des Keilers zu fixieren besteht darin, Epoxidharz oder gewerbliche Trophäen-Füller zu verwenden, die auf dieser Basis hergestellt werden. Am besten lassen sich die Waffen befüllen, indem sie in eine Schale mit feinem Sand oder in Knetmasse gesteckt werden. Damit nichts daneben läuft, vorher die oberen Enden mit Tesaband umwickeln. Nach dem Aushärten einfach wieder abwickeln.

Vorsicht: Niemals eine Fön verwenden, um die Füllmasse zu härten. Die Temperaturunterschiede lassen das Dentin platzen.

Das aufgesetzte Gewaff gehört zu den beliebtesten Keilertrophäen. © Christian Schätze

Das aufgesetzte Gewaff gehört zu den beliebtesten Keilertrophäen.

​​​​​​​Fixieren, aufsetzen und veredeln

Ist die Füllmasse fast trocken, werden verzinkte Drähte in noch biegsamer Stärke in die Zahnhöhlen geschoben. Diese Drähte sitzen nach völliger Trocknung wie einzementiert und sorgen für die Montage auf dem Schild. Auf welche Form von Trophäenschildchen das Gewaff gesetzt wird, ist Geschmacksache. Der eine mag es eher schlicht, ein anderer mit ausladendem Eichenlaub. Wieder andere bevorzugen vielleicht Schiefer.

Eins sollte immer berücksichtigt werden: Das Brettchen sollte so groß wie unbedingt nötig sein. Ist es zu groß, verliert das Gewaff an Wirkung und wirkt schnell winzig. Füllt es das Brettchen hingegen aus, wirken auch schwächere Trophäen sehr ansprechend. Dasselbe gilt für die Zierblätter, die es heute in allerlei Variationen (Altsilber, Silber, Gold, Ring oder Eichenlaub) gibt. Je größer diese sind, desto kleiner wirkt die Trophäe. Manche beschränken sich daher auf eine schlichte (rote, grüne) Garnwicklung oder ein wenig Leder. Weniger ist daher mehr. Kenner reiben das Gewaff mit Trophäenbalsam, Huf-Fett, Ballis­tol oder Leinölfirnis ein. Das schützt nicht nur den Zahn, sondern es sorgt auch für eine tiefere und dennoch natürliche Farbe. Klarlack ist ungeeignet, weil er zu unnatürlich glänzt.

Christian Schätze/ Hans-Joachim Duderstaedt


Christian Schätze Seit März 2011 Redakteur bei UNSERE JAGD, seit Mai 2013 Chefredakteur; Bankkaufmann, Jagdschein seit 1996
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