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Kehlfleck bei weiblichen Rehen: Sinnvoll für Altersansprache?

Dr. Konstantin Börner
am
Dienstag, 23.11.2021 - 13:01
Rehe-rennen-Winter-Schnee © WildMedia – stock.adobe.com
Über das Alter sagt der Kehlfleck nichts aus, allerdings können an der Form des Flecks individuelle Stücke identifiziert werden.

Der Kehl- oder Halsfleck kommt bei Rehen von Region zu Region unterschiedlich häufig vor. In meinem Revier tragen Rehe eher seltener die auffällige Kehlzeichnung, während sie andernorts häufiger zu sehen ist. Die Zeichnung der Flecken verfügt dabei über ein wiederkehrendes Muster. Auch wenn diese Muster nicht so scharf abgegrenzt sind wie bei Baum- und Steinmarder, lassen sich ihre Träger auch beim Rehwild individuell unterscheiden. Das Muster bleibt dabei über Jahre hinweg gleich. Gute Nahaufnahmen (z.B. mit qualitativ hochwertigen und schnell auslösenden Wildkameras mit Weißlichtblitz) können demnach dazu genutzt werden, das Schicksal einzelner Stücke nachzuvollziehen und einen besseren Überblick über den Bestand zu bekommen.

Kehlfleck kommt bei jungen genauso wie bei alten Stücken vor

Bis heute hört man immer wieder Diskussionen darüber, dass diese Erscheinung ausschließlich bei alten Rehen zu finden sei und entsprechend auch zur Altersansprache genutzt werden kann. Entgegen dieser landläufigen Annahme ist das nicht der Fall! Der Kehlfleck kommt bei jungen genauso wie bei alten Stücken vor. Zur Altersansprache weiblichen Rehwildes muss also auf die klassischen Merkmale zurückgegriffen werden, die jedoch weniger stark ausgebildet sind als bei Böcken. So lassen sich Trägerstärke, Widerrist und Vorschlag kaum als Ansprechhilfe nutzen. Dies gilt ebenso für eine graue Gesichtsmaske. Achten Sie deshalb auf die gesamte Körperform. Junge Ricken wirken langgestreckt und schlank. Ihr gazellenhafter Habitus steht auf hohen Läufen. Mit zunehmenden Alter wirkt der Wildkörper kastenartig und eher quadratisch. Überalterte Ricken sind meist knochig und haben eingefallene Flanken. Besonders, wenn mehrere Stücken im Sprung stehen und gut beobachtbar sind, bietet sich die Gelegenheit, sie direkt miteinander zu vergleichen.

Gesichtsgeometrie am erlegten Stück einprägen

Ein weiteres sehr gut geeignetes Ansprechmerkmal ist die Form des Hauptes: Während es bei jungen Stücken noch schmal und ausgezogen erscheint, wird es mit zunehmendem Alter breit und kantig. Achten sie auch auf die Jochbögen. Tritt noch der Drosselknopf hervor, steht mit Sicherheit eine alte Ricke vor ihnen. Generell ist es sehr hilfreich, sich die Gesichtsgeometrie am erlegten Stück einzuprägen, um später vom Sitz aus jung, mittelalt und alt unterscheiden zu können.


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