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Jagdkynologische Begriffe

(Foto: Michael Migos)


Definitionen und kurze Erläuterungen:

Wesen

Wesen ist die Gesamtheit der angewölften (Erbkoordinaten) und der erworbenen (Erwerbskoordinaten) Verhaltensweisen eines Hundes. Nach wissenschaftlichen Erfahrungen ist die Mehrzahl der Verhaltensstörungen beim Hund erworben und nicht angewölft.

Wesensfestigkeit

Erwünscht ist eine innere Ausgewogenheit, eine Art Gelassenheit, die selbst bei Eintreten außergewöhnlicher Umwelteinflüsse bestehen bleibt oder aber sich schnell wieder einstellt. Wie ein Hund auf Umweltreize reagiert, hängt in erster Linie von seinen Nerven ab.

Wesensschwäche

„Wesensschwäche“ ist ein Zustand angewölfter oder erworbener, nervöser Reizbarkeit oder über empfindlicher Reaktion auf alles Ungewöhnliche. Hierzu muss man Milieuscheue, Gewitterangst,Geräuschempfindlichkeit u. A. rechnen (z. B. Schussempfindlichkeit, Schussscheue, Scheue gegenüber fremden Personen, jede Art übersteigerten Misstrauens, Angstbeißen“, Weichheit und Ängstlichkeit bei der Abrichtung schreckhaftes Reagieren auf alles Ungewohnte.

Charakter

In der Kynologie wird immer öfter vom „Charakter“ eines Hundes gesprochen. Der Ausschuss hat sich eingehend mit diesem Ausdruck auseinandergesetzt und ist zu dem eindeutigen Beschluss gekommen, dass der Ausdruck „Charakter künftig auf den Hund bezogen nicht mehr verwandt werden sollte.

Temperament

Wir sollten künftig „Temperament“ wie folgt definieren: Ansprechbarkeit, Stärke und Geschwindigkeit der Reaktionen auf äußere und innere Reize (Appetenz- und Reaktionsintensität). Schließlich stellt das Temperament“ das individualtypische (rassetypische) Bild ererbter Verhaltenszüge.

Nervenkostüm

Auch dieser Begriff taucht in der Kynologie immer wieder und häufiger auf. Wir meinen, dass der Begriff im „Wesen“ erfasst und daher als eigener Begriff nicht notwendig ist.

Prägung
Prägungsphase

3.-8-Lebenswoche „Prägung“ ist auf einen bestimmten, sehr kurzen Zeitraum begrenztes Lernvermögen. Deshalb spricht man auch im Zusammenhang mit Prägung von einer Phase (Prägungsphase). Außenfaktoren, wie Leben mit den Wurfgeschwistern und der Mutter, behütetes Erleben der Umwelt, akustischer und geruchlicher Kontakt zum Menschen (nicht nur zum Züchter), Spielmöglichkeit und freie Entfaltung bilden die Grundlage des Wesens mit.

Sozialisierung
Sozialisierungphase

8. -ca. 12.-14.Lebenswoche Unter Sozialisierung verstehen wir ein auf einen bestimmten Zeitraum begrenztes Lernvermögen zur Gemeinschaftsbildung (Sozialisierungsphase). Spielen mit Artgenossen, Führerin, Führer und Fremden (Welpenspieltage für Jagdhunde). Zuwendung und Geborgenheit, Geduld und Konsequenz, Behütete Schrittweise - den Welpen aber nicht überbelastende - Konfrontation mit Belastungssituationen der Umwelt und des Jagdbetriebes, z. B. Beutefangspiele an der Reizangel, Futterschleppe oder Übungen an einem Rohrstück für Erdhunde.

Rangordnung
Rangordnungsphase

ca. 4. Lebensmonat Der Begriff „Rangordnungsphase“besagt zunächst, dass es innerhalb einer Gruppe rangmäßig höherstehende und tief stehende Individuen gibt, wobei sich aus der jeweiligen Ranghöhe des einzelnen eine gewisse Ordnung ergibt. Es ließe sich hier ein sorgenvoller Seitenblick auf den Menschen anknüpften, aber wir wollen uns zweckmäßigerweise mit jenem Zeitabschnitt im Leben des Jagdhundes befassen, in dem diese Rangordnung „eingespielt“ wird und die man daher die „Rangordnungsphase“ nennen kann, wenn natürlich auch andere Reifungs- und Lernprozesse in dieser Zeit vonstatten gehen. Diese Zeit umfasst, ganz grob gesprochen, den vierten Lebens-monat. Spiel heißt beständiger Wechsel des Tun und nicht stures Drillen von Einzelhandlungen! Ebenso lassen sich übliche Unterordnungsübungen leicht aufbauen (auf ca. 15 Min. pro Tag beschränkt).

Rudelordnung
Rudelordnungsphase

ca. 4.-5. Lebensmonat Die Zeit des Lernens in der Praxis, die über das simulierte Spiel hinausgeht.(Rudelordnungsphase) Gerade in der Rudelordnungsphase wird man streng und genau darauf achten müssen, dass der Hund Gefolgschaftstreue und Unterordnung als normalen Lebenszuschnitt begreifen lernt. (Viel Geduld und Konsequenz)

Gefolgschaftstreue

Genau wie die Rangordnung für alle künftigen Zeiten im 4. Lebensmonat gefestigt worden ist, so wird jetzt auch für alle Zeiten eine Art von Arbeitsteilung im Rudel heraus gebildet. So wird man zweckmäßigerweise gerade in der Rudelordnungsphase streng und genau darauf achten müssen, dass der Hund Gefolgschaftstreue und Unterordnung als normalen Lebenszuschnitt begreifen lernt. Damit ist auch die Gefolgschaftstreue zum Rudeloberhaupt (Führer) verständlich.

Härte

Nach Prof. Dr. E. Seiferle, Zürich, ist „Härte“ die Fähigkeit, unlustvollen Empfindungen und Erlebnisse, wie Schmerz, Strafe, Niederlage im Kampf, ohne sich im Augenblick oder auf Dauer wesentlich beeindrucken zu lassen, hinzunehmen. Mit der Gleichsetzung von „Härte“ und „Schärfe“ war der Begriffswirrwarr vollkommen. Gewiss gibt es Grenzbereiche, in denen der Unterschied nicht genau festzustellen ist. Auf alle Fälle ist zu beachten, dass ein harter Hund nicht auch unbedingt ein scharfer Hund zu sein braucht. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten Sinn.

Schärfe

Generell gesehen ist Schärfe die stets gegenwärtige Bereitschaft zur kämpferischen Auseinandersetzung. Je nach Kampfobjekt unterscheiden wir mehrere Arten von Schärfe: 1. die Wildschärfe, 2. die Raubwild- und Raubzeugschärfe, 3. die Mannschärfe. Analog dazu gibt es auch noch die Bereitschaft zur Schärfe gegenüber Artgenossen, anderen Tieren oder Ersatzobjekten, was aber nicht Gegenstand der weiteren Betrachtung sein soll. Aus der Praxis muss festgehalten werden, dass Schärfe ausschließlich angewölft ist
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Wildschärfe

Unter Wildschärfe verstehen wir die Fähigkeit des Hundes, krankes Niederwild zur Strecke zu bringen, Schalenwild je nach Stärke zu stellen, gegebenenfalls auch niederzuziehen und abzutun. Das Jagen an Schwarzwild beweist einen hohen Grad an Wildschärfe.

Raubwild-und Raubzeugschärfe

Raubwild- und Raubzeugschärfe ist die Eigenart des Hundes, Raubwild und Raubzeug bei der e Jagdausübung schnell und sicher zur Strecke zu bringen, zumindest aber dieses Wild durch Verbellen sicher zu stellen, damit es der Jäger strecken kann.

Mannschärfe

Mannschärfe ist die Bereitschaft des Hundes zur kämpferischen Auseinandersetzung speziell mit dem Menschen oder auch die Eigenschaft des Hundes, jeder scheinbaren oder tatsächlichen Bedrohung durch den Menschen aktiv entgegenzutreten.

Schärfe und „Überschärfe“

Je nach Art und Intensität der äußeren Reizwirkung kommt es zu einer mehr oder weniger starken Kampfstimmung, z. B. Haaresträuben, Zähnefletschen, böses Knurren usw. Diese Kampfstimmung ist im Wesen begründet. Bei wesensfesten Hunden stellt sich die Harmonie, wie wir sie wünschen, nach kurzer Zeit wieder ein. Bei wesensschwachen Hunden dagegen kann die Kampfstimmung zur blindwütigen Raserei ausarten.

„Scheinschärfe“ des Angstbeißers

Unerwünscht ist dagegen die „Scheinschärfe“. Diese trifft man öfter an als zugegeben wird. Als Beispiel sei hier der Angstbeißer aufgeführt. Angstbeißen hat mit Schärfe überhaupt nichts zu tun. Beim Angstbeißen handelt es sich ausschließlich um eine Aggressionshandlung aus Angst!

Reiz und Reizschwelle

Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane und der ihnen zugeordneten Anteile des Nervensystems. So müssen wir also auf die Reizbarkeit = Empfindlichkeit (Sensibilität) der Sinnesorgane achten, wenn es um Züchterfragen geht. Alle Reize werden allein von Sinnesorganen wie Nase, Ohr, Tastsinn wahrgenommen. Je besser diese sind, um so geringfügigere „schwellenerniedrigte“ Reize können wahrgenommen werden.

Reagieren auf Reize

Alle Reaktionen, die ein Tier auf einen entsprechenden Reiz hin zeigt, werden grundsätzlich von zwei Verhaltenselementen gesteuert: der angewölften Bewegungsweisen (Erbkoordinationen) und den erlernten Bewegungsweisen (Erwerbskoodinationen). -So ist z. B. das Vorstehen angewölft. Dass der Hund aber bis zuletzt stehen bleiben muss und nicht einspringen und nachprellen darf, kann über die Abrichtung erlernt werden.

Spur- und Fährtenlaut

Spurlaut (Niederwild wie Fuchs, Hase und Kanin) und Fährtenlaut (Schalenwild) ist das regelmäßige, möglichst anhaltende Lautgeben des Hundes auf der warmen Spur bzw. Fährte, ohne dass er das Wild zuvor eräugt hat. Das kann auch im Wind in unmittelbarer Anlehnung an die Spur bzw. Fährte sein.

Sichtlaut

Der Anreiz, der allein durch die nasenmäßige Verbindung mit der Bodenspur (Bodenfährte) ausgelöst wird, genügt bei diesen Hunden nicht, um die Bereitschaft zum Lautgeben auszulösen. Solche Hunde brauchen den Sichtreiz zusätzlich als Anreiz.

Hetz- u. Standlaut

Wir verwenden beide Ausdrücke richtig nur dann, wenn es sich um Nachsuchen auf der Wundfährte von Schalenwild handelt. Nach dem Schnallen hetzt der Hund das kranke Stück so lange, bis es sich stellt und er das Stück niederziehen und abwürgen kann. Ist Letzteres wegen der Stärke des Stückes oder mangelnder Wildschärfe des Hundes nicht möglich, so bannt er dasselbe durch anhaltendes Lautgeben (ruft den Meuteführer herbei) an den Platz, was als „Standlaut“ bezeichnet wird.

Waidlaut

Als bedenkliche Lautäußerung ist der Waidlaut anzusehen. Nicht nur die Wahrnehmung des Wildes durchs Auge (Sichtlaut), Ohr (Zwischenstufe Sichtlaut/Spurlaut) oder Nase (Spur- oder Fährtenlaut) lösen diesen Laut aus, sondern oft genügt schon das Schnallen des Hundes, dass angestaute Passion sich im Lautgeben entlädt.

Spur- u. Fährtenwillen

Beim Arbeiten auf Spuren bzw. Fährten hängt der Erfolg ausschließlich vom Willen des Hundes und seiner Fähigkeiten, die Ansatzspur/Fährte zu halten, ab. Fährtenwille bzw. Spurwille ist die Grundeigenschaft des jagenden Hundes.

Fährtentreue, auch Spurtreue

Fährtentreue, auch Spurtreue, ist die Fähigkeit des Hundes, sich auf der Ansatzfährte oder Spur so zu konzentrieren, dass Verleitungen, also Wittrung anderes Wildes, ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeit des Hundes bleiben.

Fährtentreue

Fährtentreue beweist der Hund auf der Wundfährte. Der Hund lässt sich durch andere Fährten, selbst wenn diese frischer sind, nicht verleiten.

Arbeitsfreude

Die Arbeitsfreude des Hundes zeigt sich in seiner lustbetonten Bereitschaft, auf die Absichten des Führers der Zweiermeute einzugehen. Ausreichend angewölfte Jagdpassion vorausgesetzt, ist die Arbeitsfreude wesentlich in einer sachgemäßen Aufzucht und Erziehung begründet, die den Hund zu einer Arbeitseinstellung bringt, mit seinem Führer Angenehmes zu erleben.

Bringwille

Bringwille könnte als Eigenschaft des arbeitsfreudigen Hundes angesehen werden. Aber bei keiner Arbeitsdisziplin sind am Ende der Abrichtung die mehr oder weniger angewölfte Bereitschaft zum Bringen und die harte Schule des Bringenmüssens so ineinander übergegangen, wie bei dem, was man letztlich unter „Bringwille“ versteht.

Finderwille

Man versteht darunter die angewölfte Fähigkeit, auch unter erschwerten Umständen Wild zu finden.

Empfindlichkeit und Scheue gegen Sinnesreize

Hunde reagieren auf Geräusche jeder Art oder auch nur bei Geräuschen bestimmter Art unterschiedlich und verschieden stark. Inwieweit die mit Empfindlichkeitszeichen jeder Art und Stärke behafteten Hunde diese Mängel als Erbgut mitbringen, ist heute noch nicht ausreichend geklärt. Grad und Art der Geräuschempfindlichkeit sind durch Haltung und Abrichtung in gewissen Maße beeinflussbar. Daher ist es empfehlenswert, Hunde möglichst in früher Jugend behutsam und schrittweise an Geräusche möglichst jeder Art zu gewöhnen, die dem späteren Gebrauchszweck entsprechen.

Empfindlichkeit

Empfindlichkeit definiert, ist die Eigenschaft eines Hundes auf bestimmte, z. T. eng begrenzte Umweltreize zu reagieren. Der auslösende Faktor kann akustischer, optischer sowie olfaktorischer Art sein (olfaktorisch = geruchlich).

Scheue

Scheue ist das unerwünschte Fluchtverhalten eines Hundes (schussscheu, milieuscheu, gewitterscheu, handscheu)

Schussempfindlich

Schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin mit der Arbeit aufhören, zu ihrem Führer kommen, jedoch nach Aufforderung durch den Führer ihre Arbeit fortsetzen.

Stark schussempfindlich

Stark schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin sofort mit der Arbeit aufhören, zum Führer zurückkehren, sich verstört und ängstlich zeigen und nicht mehr zu bewegen sind, weiterzuarbeiten.

Schussscheue

Schussscheue Hunde ergreifen bei Abgabe eines Schusses sofort die Flucht. Sie sind in der Regel auch nicht bereit, selbst nach einer gewissen Zeit, zum Führer zurückzukehren und sich anleinen zu lassen.

Gewitterscheue

Sicher empfinden auch Hunde Witterungsschwankungen und sind besonders empfindlich bei aufziehendem Gewitter. Diese Empfindlichkeit in ausgeprägter Form ist als Gewitterscheue zu bezeichnen.

Milieuscheue

In ungewohnter Umgebung zeigen sich fast alle Hunde mehr oder weniger beeindruckt. Sie sind vorsichtig, zeigen nicht ihr übliches Verhalten, reagieren ängstlich oder gar aggressiv. Dieses Verhalten kann als Milieuscheue bezeichnet werden, wenn der Hund deutliche Anzeichen von Angst und Fluchtverhalten zeigt. Unterordnung Unterordnung ist eine angewölfte Verhaltensweise, die das Zusammenleben aller sozial lebenden Tiere erst ermöglicht und ist somit für diese wichtigste Verhaltensweise schlechthin. Sie bestimmt die Rangfolge im Rudel und ist für gemeinsam jagende Tiere unabdingbar und daher bei diesen besonders ausgeprägt. Ein hohes Maß an Unterordnung zeigt jener Hund, der auf Arbeitsgebieten, die ihm von der Veranlagung her weniger liegen, trotzdem bereit ist, ein von ihm verlangtes Verhalten zu erbringen. Im Gegensatz zum Diensthundewesen findet der Begriff „Unterordnung in der Jagdkynologie kaum Anwendung.

Führigkeit

Führigkeit ist die Bereitschaft des Hundes, dem von ihm anerkannten Meuteführer Mensch ohne Zwangseinwirkung zu dienen. Führigkeit zeigt sich ausschließlich in der Zusammenarbeit mit seinem Führer. Ein führiger Hund geht bereitwillig auf jeden Wunsch seines Führers ein. Er hält bei der Arbeit ohne Aufforderung stets Verbindung mit ihm. Während zwischen Unterordnung und Führigkeit gewisse, nicht scharf zu trennende Zusammenhänge bestehen, trifft diese für den Gehorsam nicht zu. Gehorsam Unter Gehorsam versteht man die ständige Bereitschaft des Hundes, sich in jeder Situation den Wünschen (Befehlen, Weisungen) seines Führers schnell und sicher zu unterwerfen. Während Unterordnung und Führigkeit vom Hund zum Meuteführer Mensch gehen, also angeboten werden, verlangt beim Gehorsam der Meuteführer Mensch vom Hund, dass er seinen Anordnungen, Befehlen usw. sofort bedingungslos und zuverlässig nachkommt. Hierbei spielen nun allerdings die Bereitschaft zur Unterordnung und Führigkeit eine nicht geringe Rolle.

Zuchtempfehlung durch den Ausschuss

Den Zuchtvereinen und Zuchtverbänden, insbesondere aber jedem einzelnen Züchter, obliegt es, aus dem Verhalten des Hundes gegenüber den verschiedensten Umwelteinflüssen über die Zuchttauglichkeit des Hundes zu entscheiden. Es ist sicher für die Zucht besser, auf Hunde mit gestörtem Verhalten zu verzichten, als großzügig jedes Fehlverhalten als erworbenen Defekt anzusehen und solche Hunde zur Zucht zu verwenden.