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Jagdkultur statt Krieg

Jäger, Hunde, Hörner – kaum eine andere Jagdhunderasse verbindet so nah Jagdpraxis, -brauchtum und -kultur wie die Bracken.<br>(Foto: W. Martin)


Als die ersten Ur-Jäger anfingen, von ihren erbeuteten Tieren nicht nur satt zu werden, sondern sich die Felle als Kleidung umhängten, mit Tierkörperteilen schmückten und ihre Höhlen mit Tiersymbolen bemalten, war dies nicht nur der Beginn der Menschwerdung, sondern gleichzeitig auch die Geburtsstunde der Jagdkultur. Mensch ohne Kultur war tierisch. Die frühe Jagdkultur selbst aber ummantelte das jägerische Tun recht zwanglos, weil der Nahrungserwerb über allem stand und wichtiger war. Im höfischen Mittelalter war die Entwicklung genau umgekehrt: Dort wurde die Kultur zum Kult und wichtiger als die Jagd, also das Erlegen und Erbeuten des Wildes. Da artete die Kultur schon etwas aus, aus ­heutiger Sicht, doch muss man Kultur immer als 'Kind' ihrer Zeit sehen. Und heute? Zunächst einmal: Was ist Kultur? Jemand hat mal gesagt: 'Kultur ist nicht alles – doch ohne Kultur ist alles nichts.' Und was ist Jagdkultur? Gemäß BLV-Jagdlexikon ist Jagdkultur die Gesamtheit der geistigen, ethischen und künstlerischen Bezüge der Jagd, wodurch die Jagdkultur Bestandteil der allgemeinen Kultur eines Volkes beziehungsweise einer Epoche ist.
Das Gros der Jäger macht sich wahrscheinlich über Jagdkultur wenig Gedanken. Man beschäftigt sich mit Ansitz, Bockjagd, Hundeführung, Wildackerbewirtschaftung, Hochsitzbau, Stammtisch, Übungsschießen und Mitgliederversammlung – einmal im Jahr. Man bekommt zweimal im Monat eine Jagdzeitschrift und einmal pro Monat ein LJV-Mitteilungsblatt. Das war’s.
Wohl die meisten Jäger vergessen, begreifen nicht oder haben es nicht verinnerlicht, dass sie selbst in irgendeiner Form ein Teil der Jagdkultur sind. Entweder nehmen sie teil oder sie bedienen sich ihrer. Sich auszuschließen nach dem Motto 'Jagdkultur geht mich nichts an', geht eigentlich gar nicht. Dies wird deutlich, wenn wir uns über die etwas akademische und sperrige Lexikon-Definition hi­naus Bereiche und Inhalte der Jagdkultur vor Augen halten.

Ein Gut an sich

Sofort fällt auf, dass Kultur an sich ein Gut und damit ­einen Wert darstellt. Weiterhin wird deutlich, dass ­Jagdkultur nicht nur etwas Konsumierbares, Erlebbares, Genussvolles ist, sondern dass damit auch Werte, Informa­tionen, Richtlinien, Grundsätze und Maßstäbe sowohl nach innen (zu den Jägern) als auch nach außen (zur Bevölkerung) transportiert werden. Weiterhin fällt auf, dass sich die Bereiche überschneiden und überlagern, sie miteinander verzahnt sind und nicht immer zur separaten Betrachtung taugen. So können beispielsweise zwar Hunde traditionell nach alter Sitte ausgebildet sein, wenn sie aber zur 'falschen' Jagdart eingesetzt werden, berührt dies unmittelbar den Tierschutz. Und ferner existiert unter dem 'Mantel' der Jagdkultur eine Wissenschaft, die eben diese untersucht.
Wenn Kultur, in diesem ­Falle Jagdkultur, an sich und in ­ihrer Gesamtheit aber auch einen Wert eines jeden Teil­bereichs darstellt, sollten ­wir Jäger zum Schutz und Nutz der Jagd folgenden Weg ­gehen:
  • Werte entdecken und ­erkennen;
  • Werte benennen, ­definieren;
  • Werte erhalten, ­fördern;
  • Werte nach außen ­tragen.
Am einfachen Beispiel eines alten, markanten Baums wird dies deutlich: Da entdeckt irgendwo jemand eine einzelne, statt­liche, alte Buche. Entweder hat sie schon einen Namen oder er benennt sie nach dem Flurnamen. Er schätzt sie als schützenswert ein, möchte sie erhalten und setzt durch, dass sie als 'schützenswertes Naturdenkmal' ein­gestuft wird. In der Folge wird für Naturfreunde und den Tourismus mit diesem Naturdenkmal geworben.
In diesem Sinne sind sowohl alte, traditionelle Jagdarten als auch Bräuche und Sitten, Kunstwerke, Publikationen, Gerätschaften und Handwerkszeug, aber auch und insbesondere Tiere als Gut, als Wert, als Kulturgut ein­zubeziehen. Nicht zufällig sprachen Falkner schon vor Jahrzehnten vom 'Naturdenkmal Wanderfalke'. Auch ein Reh, ein Wolf, ein Wisent genau wie Bilch, Bussard oder Biber sind Mitgeschöpfe und natürliches Kulturgut. Manch einen mag verwundern, dass hier auch Jagd­waffen als Teil der Kultur aufgeführt sind, und es sei betont, dass es sich hier nicht nur um künstlerische Gravuren handelt, sondern auch um die Jagdwaffen-Entwicklung als Teil unserer Kultur des Jagens. Der Drilling etwa, die 'urdeutscheste' aller Waffen, konnte sich nur ent­wickeln vor dem Hintergrund unseres Reviersystems, weil der ­deutsche Jäger eben das ganze Jahr über jagt und demzu­folge eine Universalwaffe und einen Universalhund führen wollte oder musste. Die einläufige Kipplaufbüchse wiederum ist etwas ist für stilvolle Genießer, Pirschjäger und gute Schützen, denen möglicherweise eine Beute am Tag reicht.
Wenn wir also, rein theoretisch, der Jagd sämtliche ­Kultur nähmen, was bliebe dann übrig? Barbarei und ­Banausentum! Eine Parallele zur mitteleuropäischen ­Tisch- und Esskultur drängt sich auf: Wenn wir hier sämtliche ­Kultur fallen ließen, bliebe 'Mampf, Würg, Rülps, Furz' und Hineinstopfen mit den Händen auf der Ebene der Halbaffen übrig. Wir würden satt werden, keine Frage. Wir würden nicht verhungern, nein, doch es hätte keinen Stil, keinen Anstand, kein ­Niveau, wäre nicht menschenwürdig – und wir würden uns wohl auch einseitig ernähren...
Zurück zur Jagdkultur mit einem Schlenker zur allgemeinen Gesellschaft, denn Jagdkultur ist per Definition stets ein Teil der Gesamtkultur und so soziologisch zu betrachten. Allgemein wird ein Wertewandel, gar Werteverfall in unserem Lande beklagt, ohne dass sich jemand darüber groß oder gar lautstark Gedanken macht oder Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Nur die Schuldigen hat man sofort: Keine Wertevermittlung mehr in Elternhaus ­(Erziehung) und Schule (Bildung). Aber Wertewandel, Werteverfall werden hingenommen wie Witterungseinflüsse. Der erste große Fehler: Man muss einerseits nicht jeden Mist mitmachen und andererseits ist es erlaubt, sich gegen Unsinn zu wehren.


Werteverfall

(Fotos: W. Martin)


Zurück zur Jagd. Auch hier wird immer drängender ein Werte- oder gar Sittenverfall sowie ein Verlust an Moral, Ethik und Anstand nicht nur wahrgenommen, sondern zunehmend beklagt und auch angeprangert, ohne allerdings praktikable Wege zur Besserung aufzeigen zu können (oder zu wollen). Natürlich ist es in unserem Staat so, dass, um bei obigem Beispiel zu bleiben, wenn wir die Jagd aller Kultur berauben und sich Barbarei breitmacht, aufgrund bestehender Gesetze nicht gleich Anarchie ausbricht.
Doch stellen wir uns einmal vor was passiert, wenn ein Jungjäger gehobenen Alters (das sind in der Regel jene schon leicht zurücksetzen­den, aber Wort führenden Beihirsche an den Stammtischen) ruckzuck die Jägerprüfung bestanden hat, kilo- und liter­weise gleichermaßen Anlock- und Abwehrpräparate sowie tonnenweise Mais einkauft, eine Selbstladebüchse erwirbt, sich modern camouflage-­militärisch kleidet, auf eine Drückjagd geht, während sein Revier – denn er wurde ja auch gleich, schon altersbedingt, mindestens Jagdaufseher wenn nicht gar Pächter – mittels unsichtbaren Jagdaufsehers vom Handy aus 'gemonitoringt' wird. Bei dieser Vorstellung sind wir schon nah bei den Bildern des Wilden Westens, wo Millionen Büffel und Wandertauben ausgerottet wurden. Das hatte mit Jagd nichts mehr zu tun. Das hatte nicht mal was mit Wilderei zu tun. Das war Babarentum und Anarchie!

Wie Schädlinge

Zu weit hergeholt? Noch untertrieben. Wie wir Jäger in der Bevölkerung wahrgenommen werden, gestalten zwar wir selbst durch Wort, Schrift oder Tat, doch die Bevölkerung entscheidet, wie die Wahrnehmung ist! Eine wilde Horde bewaffneter Camou­flagelinge muss auf einen Nichtjäger so wirken, als ob sie in den Krieg ziehen wollten. Vielleicht hat das ja sogar Methode, das mit dem Krieg und der Kriegsbekleidung und -bewaffnung: Denn einige unserer Wildarten – insbesondere Sau, Reh, und Fuchs – behandeln wir nicht mehr als Mitgeschöpfe, sondern als Schädlinge, die es mit allen Mitteln auszurotten gilt. Hat da nicht ein netter, und deshalb besonders glaubwürdiger Schwarzwildkenner gesagt und gefordert: 'Bejagt die Wildschweine so, als wolltet ihr sie ausrotten!'? Als – wolltet – ihr – sie – ausrotten! Und das Rehwild? Ein an­derer Jagd-Wissenschaftler, nicht minder sympathisch: 'Der Begriff Hege gehört verboten. Das Rehwild kann man gar nicht ausrotten!' ...Kann – man – gar – nicht – ausrotten! Und den Fuchs: Da reist einer durch die Lande und empfiehlt Jungfuchsfallen, fängt damit ganze Gehecke, weil man Jungfüchse ja das ganze Jahr über bejagen darf, und zeigt per Video, wie es gemacht wird: 'Die Jungfüchse schlägt man alle tot!' Schlägt – man – alle – tot! Angesichts der zahl- und detailreichen Abknallvideos in der Halle der Todeskampfvoyeure auf einer gro­ßen Jagdmesse sagte ein kleines Mädchen zu seinem Vater nur vier Worte: 'Jäger sind keine Tierfreunde!'
Das kleine Mädchen sagte weder 'Ekelig!' noch 'Igitt' noch 'Furchtbar' oder 'Pfui!' wie alle anderen ­traumatisierten Kinder in der Halle. Es sagte auch nicht ­'Jäger sind Mörder!' (was wir ja alle schon einmal gehört haben). Nein, es sagte in all seiner kindlichen Unschuld im kategorischen ­Imperativ: 'Jäger – sind – keine – Tierfreunde!' Das trifft uns da, wo es am meisten schmerzt, denn genau mit der umgekehrten Aussage gehen wir hausieren.

Tabulos

Völlig tabulos wird seit einiger Zeit vehement für Selbstladebüchsen (SLBs), zumal mit erhöhter Magazinkapazität geworben.
Sehr subtil arbeitet ein Waffenkenner heraus, dass der kleine Unterschied zwischen Selbstladebüchse und 'automatischer Waffe' (lediglich) in 1,5 Zentimeter Abzugsbewegung hin und her besteht: Eine automatische Waffe schießt so lange, wie der Finger am durchgezogenen Abzug ist; bei einer Selbstladebüchse muss man (leider) noch bei jedem Schuss abziehen.
Vielleicht sollte man auf die halbautomatischen SLBs als Übergangslösung gleich gänzlich verzichten und sofort zu Vollautomaten greifen, denn die 'Vorteile' eines Automaten hinsichtlich der ­herkömmlichen SLBs zum Beispiel bei der 'Schwarzwildbekämpfung' sind offensichtlich. Kriegs­waffen­kon­trollgesetz? Papperlapapp: Alles eine Frage der Aus­legung und Definition.
Immer neue, manchmal 'exotisch' erscheinende Jagd­hunderassen mischen unser alteingesessenes, jagdkulturell gewachsenes Jagdgebrauchshundewesen auf. Da wird mit russischen Laikas, für unsere Wildarten und Reviere völlig untaugliche Hunde, (nicht nur) auf Schwarzwild gejagt mit dem ganz offensichtlichen (und verbotenen) Ziel, dass diese Hunde die Sauen nicht nur stellen, sondern fassen und halten sollen, damit sich ein Jagdpubertärling mit ­blanker Waffe dort den letzten Kick holt. Die gleichen Leute verdrücken mit dem linken Auge eine Tierschutz-, mit dem rechten Auge eine Mitleidsträne, reißt ein Wolf in der Lausitz ein Reh.
Doch nicht nur in unserem Äußeren und in unserer Haltung, sondern auch in unserer (Jäger-) Sprache hat sich was geändert. Gab es früher Stand- und Wechselwild, kommt heute Rotwild und Schwarzwild 'flächendeckend' oder überhaupt nicht vor. Wie schön, wenn flächendeckend, dann kann man auch gleich flächendeckend dagegen vorgehen. Dieser Begriff kommt schließlich vom Militär, von der Artillerie. Das sollte auch so bleiben. Wie konnte so etwas passieren? Haben wir Jäger uns so in unseren Ansichten, unserem Handeln und Denken gewandelt? Bestimmt der Zeitgeist unsere Jagdmoral? Bedeuten uns Werte nichts mehr?

Zweierlei Maß

In Gesprächen mit Verbandsfunktionären wird häufig abwiegelnd resignierend geantwortet, dass dies nun mal die Zeit sei, man mit dem Zeitgeist leben müsse und ansonsten stünde es jedem frei, innerhalb der Gesetze und Verordnungen nach ­seinem eigenen Gusto zu ­jagen.
Bei allem Trend zu Kompaktkursen: Die jagdlichen Verbände sollten in ihren An­geboten zur Jungjägerausbildung wieder grundlegende jagdkuturelle Themen hinlänglich abhandeln – ungeachtet, ob sie überhaupt ­prüfungsrelevant sind. Solch gutem Beispiel dürften sich kommerzielle Jagdschulen, die auf das Niveau ihrer ­Ausbildung Wert legen, wohl anschließen. Nur so lässt sich bei den Jagdeleven Neugier zur späteren – mußevollen – Weiterbildung und der Sinn für ein anständiges ­Jagen ­wecken.
DJV und Landesjagdverbände sind unsere Interessen­verbände. Sie sollen die Inte­ressen der Jäger wahrnehmen und dafür sorgen, dass die Jagd zukunftsfähig ist. Liegt es in unserem Interesse, dass die Jagd, die Jäger so sind, wie sie im Moment sind, und wie oben geschildert? Es kann doch nicht in unser aller Interesse sein, dass wir so ein verheerendes, heuchlerisches und scheinheiliges Bild nach außen abgeben und 'im ­Inneren' – allein oder in Gruppen auf der Jagd – ohne alle Skrupel, Bedenken und Moral jagen. Sind uns die ­Bedürfnisse aller Wildarten nicht mehr wichtig?
Es gibt ganz klar eine Wechselbeziehung zwischen Kultur auf der einen und Moral, Anstand, Sitte, Kultiviertheit auf der anderen Seite, die man, überzogen und verkürzt, wie folgt auf einen Nenner bringen kann: Dort, wo Kultur praktiziert wird, wird auch anständig gejagt. Der Umkehrschluss: Ohne alle Kultur ­haben wir Barbarei (s.o.).
Folglich muss es im ureigensten Interesse des DJV und der LJVs sein, eine lebendige Jagdkultur mit positiver Außen­wirkung zu fördern! Wobei effektive, langfristige Außenwirkung mit dem Ziel des Ansehensgewinns ohnehin nur über die Jagdkultur und mit ihren Mitteln möglich ist. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: In den Satzungen des Landesjagdverbände (z. B. NRW 2001) hat man sich nicht nur im Prinzip, sondern tatsächlich von der Jagdkultur verabschiedet. Denn dort wird nur noch die Jagdwissenschaft, das Gebrauchhundewesen und das Jagdhornblasen gefördert. Besonders perfide ist dieser Ansatz insofern, als den angeschlossenen Kreis­jägerschaf­ten Muster­sat­zun­gen genau nach diesem Muster vorgegeben werden, sie sich quasi per Erlass von oben von der Jagdkultur zu verabschieden haben! Wie kann beim 'einfachen' Jäger etwas angemahnt werden, wenn dies nicht einmal für den eigenen LJV als förderungswürdig oder erhaltenswert angesehen wird?!
Jeder Gesangsverein, jede Blaskapelle, jeder Kegelklub oder jeder Hundeverein gibt sich geschriebene oder ungeschriebene Regeln und Verhaltensregeln. Nur wir Jäger lassen alle Regeln samt guter Sitten sowie den gesunden Menschenverstand fallen.

'Warum nur?'

Die Beizjagd – die Kunst, mit Vögeln zu jagen – dürfte schon bald als Weltkulturerbe global geschützt sein. Die Jagdart Falknerei also ein Weltkulturerbe, während für den Rest der Jägerei die Jagdkultur nicht mehr erhaltenswert erscheint?<br>(Foto: W


Was hält den DJV davon ab, den Bundesjägertag mit einem jagdkulturellen Rahmenprogramm mit Aus­stellungen, Arbeitsgruppen, Podiums­diskussionen, Vorträgen und klassischer Jagdmusik zu ­gestalten statt eine 'grüne Gewerkschaftsversammlung' abzuhalten? Was hindert einen LJV, einen Landesjägertag analog zu den Falknertagungen durchzuführen mit einem gelungenen Mix aus Wissenschaft, Kunst und Kultur oder einen Jagdlieder- oder Jagdgedichtwettbewerb?
Warum wird der Jagdkulturpreis nicht mehr jährlich vergeben? Wa­rum werden jagdkulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten weder unterstützt noch gefördert? Warum wird in den Jägerschaften etwa nicht an unsere großen ­Dichterfürsten wie Cramer-Klett oder Gagern erinnert? Was hält eine Kreisjägerschaft davon ab, ihren Mitgliedern Verhaltensempfehlungen für die Drückjagd an die Hand zu geben? Was hält einen Jagdleiter davon ab, in der Ein­ladung darauf hinzuweisen, dass Militärkleidung und Selbstladewaffen unerwünscht sind?
Stichwort Lockjagd: Wann endlich hört man von unserer Interessenvertretung ein mahnendes oder klärend couragiertes Wort und ächtet den Missbrauch traditioneller Jagdarten: wie beispielsweise der Blattjagd, die völlig aus dem Ruder zu laufen scheint, indem man mit bösem Vorsatz an der Reviergrenze ­blattet. Noch nie wurde in unseren Revieren – trotz seriöser Kursangebote – so viel und falsch gefiept, geröhrt, getrillert und gepfiffen wie in heutiger Zeit.
Noch nie gab es so viele fragwürdige Anlockpräparate: Vom Apfelkonzentrat über das flüssige Trüffelaroma zum Scrofarut (zum Anlocken der brünstigen Sau); Lockmittel-Mineralblöcke und Sauen­locker speziell für führende Bachen. Wer braucht so etwas? Auch die Lockjagd gehörte mal zu unserer Kultur des Jagens, jetzt ist sie leider oft nur noch eine Kultur des Versagens!

Außenwirkung

Nur mit den Mitteln und im Rahmen der Jagdkultur er­reichen wir Außenwirkung, die sich aber nicht auf Jagdhornbläser-Auftritte beschrän­ken darf. Und dies ist wichtig, weil die Gesellschaft und nicht wir Jäger über die Zukunft der Jagd entscheiden. Wir können diese Entscheidung be­einflussen – entschieden wird sie woanders!
Indem wir also eine gute, ehrliche, aufrichtige und niveauvolle Öffentlichkeits­arbeit im jagdkulturellen Rah­men und Umfeld praktizieren, sichern wir die Erhaltung des Jagdwesens, weil die Gesellschaft uns positiv wahrnimmt und keinen Anlass sieht, daran etwas zu ändern. Die Beispiele Schweiz (Jagdverbot in einigen Kantonen), Niederlande (Jagd nur noch auf wenige Wildarten) und Berlin (massive Einschränkung der jagdbaren Arten) machen deutlich, wie schnell es mit der Jagd in einem föderalen System bergab gehen kann.
Vor diesem Hintergrund und im Wissen um diese Erkenntnisse ist der Freundeskreis Jagdkultur im Begriff, eine Initiative (oder Offensive?) mit dem Ziel zu starten, die Jagdkultur zunächst in den Kreisjägerschaften, später auch in den LJVs wieder als förderungswürdig und er­haltenswert einzustufen. Der Freundeskreis Jagdkultur sieht es als Verpflichtung an, sich verstärkt für die jagdkulturellen Werte einzusetzen, den Begriff und die Inhalte Jagdkultur neu zu beleben und auf alle Funktions- und Mandatsebenen der Jägerschaft einzuwirken. Das Ziel lautet, die Förderung und Pflege des jagdlichen Brauchtums sowie die Jagdkultur sowohl wieder als erste, vornehmste satzungsmäßige Aufgabe und Zielsetzung als auch als geistig moralische Verpflichtung anzusehen.

Aus der Erfahrung

Eine kleine Gruppe besonderer Jäger, die Falkner, denen bis vor gar nicht langer Zeit vorgeworfen wurde, sie würden als Erzkonservative nur rückwärts blicken, hat aus schlechten Erfahrungen gelernt (Androhung des Verbots der Falknerei). Die Falkner sind aber in die Offensive gegangen: Sie betreiben, die Falknerei als Weltkulturerbe einzustufen. Böse Unterstellungen wären im Übrigen eine fatale Fehleinschätzung, denn hinsichtlich Weltoffenheit und jagdkultureller Innovation im Verbund mit Kultur und ­Wissenschaft sind uns die Falkner um Lichtjahre vo­raus. Jene sorgen dafür, dass ihre Jagdart als Welt­kultur­erbe anerkannt wird, während wir uns von der Jagdkultur verabschieden...
In unserem Kulturkreis bedingen Jagd und Kultur einander. Ohne Kultur verkommt die Jagd zur reinen Barbarei; ohne Jagd wäre unsere Kultur ärmer. Unser gesamtes Jagdwesen beruht auf einem 'kulturellen Nährboden'. Somit ist die Jagdkultur die Grundlage unseres Jagdwesens und unseres Jagdverständnisses. Wer die Jagdkultur aufgibt oder verwässert, sie dem Zeitgeist preisgibt oder dies versucht, rüttelt an den Grundfesten unseres Jagdwesens und entzieht somit der Jagd ihre Zukunftssicherheit.
Quer durchs Land muss unter 'Aufgaben und Ziele' in den Satzungen vom kleinsten ­Hegering bis hinauf zum DJV wieder auftauchen: För­de­rung, Erhaltung und Pflege des jagdlichen Brauchtums und der Jagdkultur. Und dies gilt es zu beleben! Nur dann haben wir eine Chance, die Zukunft unseres Jagd­wesens selbst zu gestalten. Somit ist praktizierte Jagdkultur ein Beitrag zur Erhaltung unseres Jagdwesens und entzieht somit der Jagd ihre Zukunftssicherheit. Quer durchs Land muss unter 'Aufgaben und Ziele' in den Satzungen vom kleinsten Hegering bis hinauf zum DJV wieder auftauchen: För derung, Erhaltung und Pflege des jagdlichen Brauchtums und der Jagdkultur. Und dies gilt es zu beleben! Nur dann haben wir eine Chance, die Zukunft unseres Jagd wesens selbst zu gestalten. Somit ist praktizierte Jagdkultur ein Beitrag zur Erhaltung unseres Kulturguts Jagd.