Jagdkultur - gestern, heute, morgen

Jagdkönigin Susanne Schmidt, BJV Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke und die Referenten des ersten Seminartags (v.l.): Dr. Jörg Mangold, Dr. Sigrid Schwenk, Wulf Hein, Prof. Josef Zilch, Gottfried Pregler, Dr. Paul Leonhardt, Dr. Susanne Münzel (Foto:


Unter der Schirmherrschaft des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium und Jungjägers (!) Bernd Sibler, in Anwesenheit der bezaubernden bayerischen Jagdkönigin Susanne Schmidt sowie der Leiterin der Obersten Jagdbehörde Helene Bauer und des LJV Präsidenten Prof. Dr. Jürgen Vocke, führte der rührige, weißblaue Landesjagdverband in Rosenheim vom 18. bis 19. Juni 2008 ein mit hochkarätigen Referenten besetztes Symposium durch, das nicht nur inhaltlich zum Feinsten gehörte, was die Jagdkulturszene in den letzten Jahren erlebt hat.

Kulturgut erhalten

Jagdkönigin Susanne Schmidt, Staatssekretär im Bayer. Staatsministerium Bernd Sibler, BJV Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke. (Foto: W. Martin)


'Wenn wir Kultur bewahren wollen', so der jagdkulturell engagierte Prof. Vocke in seiner Begrüßungsrede, „dann müssen wir die Wurzeln kennen“. Dieses Motto griff auch der Moderator des ersten Tages, Leiter des Kulturausschusses des LJV Bayern, Dr. Jörg Mangold, auf und betonte den „bewahrenden Aspekt“, indem gerade wir Jäger aufgefordert seien, das von unseren Ahnen ererbte Kulturgut Jagd nicht nur museal zu erhalten, sondern weiter – auch künstlerisch und im übertragenen Sinne – auszumalen und wiederum weiterzugeben. Unter oben genanntem Motto beleuchteten Kulturexperten, Wissenschaftler, Kulturbewahrer und Künstler die kulturhistorische Entwicklung der Jagd und deuteten Wege und Visionen für die Zukunft der Jagd in Deutschland an. Unter Einbeziehung prähistorischer und gegenwärtiger Aspekte und Stationen lieferten Univ. Doz. Dr. Sigrid Schwenk vom Forschungszentrum für Jagdkultur an der TU München (Mensch-Tier-Verhältnis bei der Jagd und Falknerei) und Archäo-Zoologin von der Universität Trier, Dr. Susanne Münzel (Spuren der Jagd – archäologische Quellen für die Interpretation steinzeitlicher Jagdmethoden), einen Querschnitt der Menschheitsgeschichte, von der Jagd auf Mammut bis hin zum Falkner, Jäger und Naturschützer der Neuzeit. Spannend, aufregend verdeutlichte der Archäo-Techniker Wulf Hein aus Dorn-Asselheim anhand von verschiedenen selbst gefertigten Speeren, Pfeilen und Bögen das Jagdhandwerkszeug der Steinzeit und machte klar, dass wir heutigen ­Jäger uns von den „wilden“ Vorfahren zumindest technisch nicht so arg weit entfernt haben. Über die Jagd­regalien und die französische Revolution bis zur „bürgerlichen Ordnung“ (Dr. Sigrid Schwenk) wurde die Entwicklung des Jagdwesens aufgezeigt bis hin zum Reichsjagd- und schließlich Bundesjagdgesetz. Hier spannte der Ltd. Ministerialrat a.D., Dr. Paul Leonhardt, einen weiten, aber höchst interessanten Bogen und vermittelte in seinen Querverweisen zum Preußischen und Luxemburgischen Jagdgesetz den zahlreichen Besuchern meist Unbekanntes. Zunächst künstlerisch, mit Jagdskulpturen von Gottfried Pregler und ungewöhliche Hirschbilder von Willy Reichert, später musikalisch mit einer Klavierimprovisation von Prof. Josef Zilch, klang der erste Tag aus, ehe Karl-Gerd ­Heumann, Vorsitzender im ­Kompetenzteam Bläserwesen Bayern, und die Neuburger Jagdhornbläser den Weg zur Parforce-Jagd bliesen. Der zweite Tag unter der Moderation von Dr. Karl-Heinz Betz versprach gleich zu Anfang geistig-philosophisch zu werden, doch zum Glück mit sehr viel Bodenhaftung. Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer aus Österreich beleuchtete den Begriff Jagd und bemühte sich um eine zukunftssichere Definition. Dr. Rolf Roosen erläuterte den aktuellen Sachstand der derzeitigen Forschungsdesiderate auf dem Gebiet der Jägersprache und Prof. Dr. John A. Mc Carthy versuchte sich an einem „literarischen Parforceritt“ und zeigte auf, wie auch Jagdbelletristik die Jagd verändert hat. Die Ergebnisse der Tagung werden in einer Schriftenreihe des LJV Bayern veröffentlicht.